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Ebenfalls durchaus hörenswert,...
Ebenfalls durchaus hörenswert, die in der Diagonal-Ausgabe...
adresscomptoir - 2022/10/25 22:33
Guardian: listed status...
Guardian: listed status für 6 Denmark Street - https://www.theguardian.co m/music/2016/mar/22/sex-pi stols-house-denmark-st-lon don-listed-status
adresscomptoir - 2022/09/09 09:53

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Freitag, 23. Mai 2008

Nummern als Empfangscheine für zuzubereitenden Kaffee, Breslau 1836

In seinem Buch über Breslau beschreibt Julius Krebs folgenden Gebrauch von Blechmarken mit Nummern:

Wie anders {als in manchen öffentlichen Gärten, wo es kein ungezwungenes Volksleben gibt} ist es dagegen in Pöpelwitz vor dem neuerbauten Kaffeehause am Walde; wie frei, wie sicher wandelt sich's unter den grünen, hohen Eichenhallen, unter dem muntern Gewühl, für welches Raum genug ist im gastlichen Natursaal, der von einem guten Concert einladend wiederhallt. Und da kommen die Spaziergänger in bunten Gruppen, suchen die einfachen Plätze auf, und die Mutter eines jugendfrohen Kreises übergibt feierlich unter den nöthigen Winken dem eiligen Marqueur eine dicke Familendüte mit gemahlnem Kaffee, indeß der Papa Bier bestellt. Aber auch der Einzelne, der Elegant schämt sich nicht, der beflügelten Grünschürze seine schlanke Kaffeedüte aufzudringen, und der Marqueur verzieht nicht eine Miene des philantropischen Gesichts, sondern gibt höflich dagegen eine Blechmarke mit draufgeschlagner Nummer. Denn es ist eine patriarchalische Sitte, so alt als das Kaffeetrinken der Breslauer selbst, in öffentliche Gärten Kaffee und Zucker mitzubringen, und die Blechmarke gilt als Empfangschein des Wirths, gegen welche die fertige Portion, deren Nummer der Marqueur schmetternd ausruft, eingelöst wird. An Bereitungsgebüren, für's Geräth und die gelieferte Sahne empfängt er einen bescheidenen Silbergroschen.

Krebs, Julius: Wanderungen durch Breslau und dessen Umgebungen nebst weitern Ausflügen. Breslau: M. Friedländer, 1836, S. 294 f.

Donnerstag, 22. Mai 2008

Bericht des preußischen Gesandten über die Hausnummerierung in Wien, November 1770

In Wien nimmt die Hausnummerierung am 11. Oktober 1770 ihren Anfang; knapp ein Monat später berichtet der preußische Gesandte Rohde darüber nach Berlin:

C'est deja depuis quelque temz qu'on est ocupé ici a numerotter touttes les maisons de Vienne et à compter tous les habitanz quy y sont domiciliés et sujets à la domination de S.M. Le denombrement se fait aussi avec la meme applications dans d'autres villes et dans les provinces, où l'on etablit des cantons pour le militaire. Les citoyens de Vienne en sont fort allarmés craignant que cela ne tende à fournir le logement aux soldats de la garnison ou a en payer le montant sous le titre d'autres charges onereuses pour le Bourgeois. Mais la cour ayant donné a connoitre qu'en agissant ainsi elle n'avoit d'autre but que de savoir le nombre de ses sujets, afin de prendre ses mesures au juste pour les vivres et des magasins a entretenir, pour obvier a la disette des mauvaises recoltes et aux calamités, qu'en resailliroient principalement sur le menu peuple et sur les pauvres. Il es tres possible, que ce qui n'a dabord ete etabli que dans ce point de vue, serve egalement dans la suite a d'autres usages, qu'en commensant par faire du bien au peuple, on ne finisse par lui etre fort a charge. C'est une des raisons pourquoi celui-ci est si fort en garde contre les nouveautes.

90. Relation des Gesandten v Rohde, Wien 10.11.1770, in: Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin, I. Hauptabteilung Geheimer Rat, Rep. 1, Nr. 486, f.330r-v. (vgl. auch: I. HA, Rep.96, Fach 47 D)

-Alarmiert ist demnach die Bevölkerung angesichts der Seelenkonskription und Hausnummerierung; genau dieselbe Begrifflichkeit verwendet übrigens der französische Gesandte Durand in seinem Bericht nach Paris:

L'execution du dénombrement répand ici l'allarme, surtout dans les Villages. Quantité de Jeunes Gens cherchent à se soustraire par la faite, à la nécessité où ils craignent être dans la Suite à porter les Armes. C'est en vain qu'on a cherché a faire sentir à l'Empereur la conséquance d'un arrangement qui semble annoncer à Sa noblesse et a son Peuple une administration aussi dure que celle du Roy de Prusse. Il a rejetté toutes les representations qu'on a pu lui faire à ce sujet.

Bericht des Gesandten Durand, Wien 5.12.1770, in: Archives du Ministère des Affaires étrangères, Paris, CP, Autriche, n° 314, f.316,r-317v

Mittwoch, 21. Mai 2008

Interview mit Dipesh Chakrabarty zu Subaltern Studies und Provincializing Europe

Die Springerin veröffentlicht ein Interview mit dem indischen Historiker Dipesh Chakrabarty; interessant u.a. diese Passage:
In den 1980ern führten die marxistischen Historiker Eric Hobsbawm und Terence Ranger den Begriff der »erfundenen Tradition« ein, den sie für eine wunderbare Möglichkeit hielten, die reaktionäre Mythenbildung zu entlarven. Sie bedachten jedoch nicht, dass die Unterdrückten, aus politischen Gründen und unter bestimmten Umständen, die so genannten Mythen oft auch den Fakten vorziehen könnten, die in den offiziellen Archiven bzw. denen der herrschenden Klasse »entdeckt« werden könnten. Interessante Folgen hatte die These von Hobsbawm und Ranger in Australien. Ein sich für die Rechte der Aborigines in Australien einsetzender Anthropologe dokumentierte vor ein paar Jahren, wie Bergbauunternehmen in Australien ausgebildete HistorikerInnen genau zu dem Zweck engagierten, nachzuweisen, dass es sich bei der Berufung der Aborigines auf die »Tradition« – wenn es um Land ging, an dem die Bergbauunternehmen interessiert waren – lediglich um »erfundene Traditionen« und nichts anderes handeln würde.

[via kritische Geschichte]

Dienstag, 20. Mai 2008

Vortrag von Mario Wimmer zum Verschwinden der Handschrift

Heute hält Mario Wimmer im Instituts-Kolloquium des Instituts für Europäische Ethnologie der HU einen Vortrag zum Thema Verschwinden der Handschrift. Kulturen des Archivs und Obsessionen für Geschichte

Ort: HU Berlin, Institut für Europäische Ethnologie, Mohrenstraße 41, Raum 311
Zeit: 20.5.2008, 18 Uhr

Montag, 19. Mai 2008

Dietmar Dath zum Tod von Captain America

Ist mit der gesamten Le Monde diplomatique-Ausgabe vom April nun Online: Ein Artikel Dietmar Daths zum Zustand der US-Populärkultur, dem Tod der Comicfigur Captain America und folgender Randbemerkung zum Bloggen:

Dem Fordismus in den Autofabrikhallen der USA entsprach das Studiosystem von Hollywood. Mit dem Aufkommen des Computer Aided Design und des Computer Aided Manufacturing, mit der Modularisierung und Flexibilisierung, mit den "working poor" und der neuen Laptop-Tagelöhnerwirtschaft dagegen entstehen zum Beispiel a) in der Popmusik Phänomene wie Homerecording und Wohnzimmertechno, b) im Comicwesen das coole Self-Publishing und c) im Journalismus die brodelnde Blogosphäre. Das Basis-Überbau-Schema, das man heranziehen sollte, um diese Korrespondenzen zu verstehen, kann gar nicht grob genug sein.

Lesenswert auch der Schluss:

Die verkniffene Freude einiger nicht nur deutscher Feuilletonkameraden darüber, dass das vielbeschworene amerikanische Jahrhundert in der gegenwärtigen geostrategischen Zwickmühle offenbar vor unseren Augen zu Ende geht, vermag ich nicht zu teilen. Captain America kommt vielleicht wieder hoch, zum Guten wie zum Bösen. Und wenn nicht, was soll's: Rom ist ja auch nie ganz verschwunden.

Am besten machen sich Imperien nämlich nach wie vor als Steinbrüche für die humanistische Inneneinrichtung späterer Hochzivilisationen, wie eben das Römische, das als Latein (und Latinismus) bei den mehr oder weniger aufgeklärten Gebildeten der Neuzeit angenehm domestiziert fortleben darf.

Imperien und ihr gewaltsamer, erpresster Universalismus sind nun mal die unvollkommenen Platzhalter des emanzipierten, freien Universalismus, den sich erst ein Kollektiv leisten könnte, das rechtens "die Menschheit" heißen dürfte. Falls eines Tages die politische Herstellung dieser Sorte Vergesellschaftung gelingt, so wird sie sich an die US-Kultur, die populäre wie die andere, gern erinnern, wenn auch mitunter peinlich berührt und gelegentlich verwundert. Wenn ich mir was wünschen dürfte, wär's, dass Kulturschaffen und Kulturkritik vor allem der täglichen fleißigen Vorbereitung dieses Zustands dienten.

Sonntag, 18. Mai 2008

Academic Pride in Frankreich

Gegen den auch in Frankreich grassierenden Reformwahnsinn im Wissenschafts- und Unibereich regt sich, wie könnte es anders sein, Widerstand; diesmal in Form einer Academic Pride-Parade, die am Dienstag, 27. Mai in verschiedenen Städten stattfindet. In Paris geht's um 14 Uhr los an einer durchaus bekannten Adresse: 54, Bd Raspail, Maison des Sciences de l'Homme. Vgl. auch den Eintrag bei sciences².
Irgendwie wäre es ja durchaus interessant, was reflektierendes über die Wandlung der klassischen Demonstration in die mal Gay, dann Mayday und nun eben Academic Pride-Parade zu lesen.

Weiteres Interview mit Stefan Weber

Nein, damit meine ich nicht den gleichnamigen etwas mühsamen Plagiatsjäger, sondern den viel cooleren von Drahdiwaberl, der es in Gegensatz zu jenem auch zu einem Wikipedia-Eintrag gebracht hat; im Presse-Spectrum gibt's ein Interview.

Samstag, 17. Mai 2008

Österreichischer Historikertag

Das Programm des 34. Österreichischen Historikertags ist nun unter www.historikertag.at online. Er findet 16.-19.9.2008 in St. Pölten statt, ihm voran geht am 15.9. der Archivtag.

Eine eher willkürliche Auswahl aus den Vorträgen:

Karlheinz Töchterle, Die fragile Basis der Geisteswissenschaften und ihre machtvolle Entwicklung

Thomas Buchner, Arbeitsämter in Deutschland (1890-1935)

Sonja Niederacher: ein Perlenohrring mit kl. Brillant meinem Sohn Albert?. Der letzte Wille. Funktionen der Vererbung von Gegenständen.

Li Gerhalter, Briefbündel, Poesiealben und Autogrammkarten. Beziehungsaspekte materieller Kultur. (Wien im frühen 20. Jahrhundert).

Josef Pauser, Gesetzesdruck. Die Offizin Singriener und der Druck von Amtsdrucksachen im frühneuzeitlichen Wien.

Barbara Staudinger, "Was braucht ein Jud einen Papagei?" Hofjuden zwischen Kulturtransfer und Judenhass in der Frühen Neuzeit.

Bernd Kreuzer, Die Frühzeit der österreichischen Autobahnen im internationalen Kontext.

Oliver Kühschelm, Der österreichische Volkswagen: Motorisierung in den 1950er Jahren.

Kurt Mühlberger, Pflanzstätten des Wissens. Die Einführung von Seminaren und Instituten in den Universitätsbetrieb nach 1848.

Christine Ottner, Strukturen und Praktiken der historischen Forschungen an der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zwischen 1850 und 1900.

Tamás Faragó, Population movements in the Hungarian Kingdom at the end of 18th century: the use of early census material for migration studies.

Annemarie Steidl, Interne, transnationale und transatlantische Wanderungen in der ungarischen Reichshälfte der Habsburgermonarchie.

Sigrid Wadauer, Grenzen von Arbeit

Ich selber werde dort in der von Peter Becker geleiteten Sektion Expertenkultur und Verwaltung über Militärs als Experten des "Volcks"? Das Beispiel der habsburgischen Seelenkonskription von 1770 referieren.

Punk-Ausstellung in Wien

Die Wiener Kunsthalle zeigt seit gestern die im Adresscomptoir bereits angekündigte Ausstellung Punk. No One is Innocent. Kunst - Stil - Revolte; vgl. Standard, Presse und ORF Online.

Freitag, 16. Mai 2008

WOZ kauft UBS

Hihi, die schweizer Wochenzeitung WOZ plant den Kauf der Bank UBS; nur noch 1.036.773.650 Abos bis zur Übernahme!

Hans Ulrich Wehler-Orden

Yippeee, es gibt wieder den Hans Ulrich Wehler-Orden für besondere Verdienste in der Verbreitung von Schwachsinn über Foucault zu verleihen; diesmal ist es irgendein argentinischer Erzbischof, nach dessen Auffassung wir ob Foucaults Sexualitätsstudien should fear for the destruction of the family and the subsequent ruin of society. Ach so, den Orden gibt es noch gar nicht? Ja, dann ist es doch höchste Zeit, ihn zu stiften! [via Foucault Blog]

Donnerstag, 15. Mai 2008

Volkszählung im Sudan

Für die NZZ berichtet die Ethnologin Martina Santschi; seltsam dieses Begehren eines Soldaten, der es gerne sähe, wenn die nicht erhobenen Merkmale der Religion und der Ethnie doch erfasst würden: Deng Bol, ein 35-jähriger SPLA-Soldat ist unzufrieden mit dem Zensus. «Wo stehen die Fragen zur ethnischen und religiösen Zugehörigkeit?», verlangt er zu wissen. «Ich will, dass ihr aufschreibt, dass ich Dinka und Christ bin. Tragt es auf dem Fragebogen ein!» Die Südsudanesen, meint er, wollten erfahren, wie viele Afrikaner, wie viele Araber und wie viele Christen und Muslime im Sudan lebten. «Dann wird endlich klar, dass Afrikaner und Christen die Mehrheit bilden, die von der Minderheit der muslimischen Araber regiert wird», behauptet der Soldat.

Mittwoch, 14. Mai 2008

Forschungsnetzwerk European Protest Movements

Eine EU-finanzierte Website stellt das Forschungsnetzwerk European Protest Movements since the Cold War vor. [via kritische Geschichte]