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Danke
That made my day :-) Danach hab ich schon lange gesucht.
Richard Heigl (Gast) - 31. Okt, 20:08
habe sicherheitshalber...
habe sicherheitshalber vorher durch den ausguck gespäht...
ThomasJust - 29. Okt, 21:49
Nur gut, wenn die Akten...
Nur gut, wenn die Akten sicher sind!
adresscomptoir - 29. Okt, 21:46
Thomas Just
Schon bestellt und reingelesen. Finde ich viel spannender...
ThomasJust - 29. Okt, 21:43
Ja cooles DIng der Beamer....
Ja cooles DIng der Beamer. Waren viele Leute gestern...
ThomasJust - 29. Okt, 21:20

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Socialpolitik

Mittwoch, 30. September 2009

Aushilfshausmeister zum Krieg gegen die Spatzen

Auch so eines der Themen, die mich interessieren: Die Vernichtungsmaßnahmen gegen Spatzen, die zu den Lieblingsfeinden des 18. Jahrhunderts zählten, gegen die aber auch in Maos China Krieg geführt wurde. Helmut Höge, Aushilfshausmeister der taz hat dazu nun einen umfangreichen Blogeintrag, den ich nur um folgendes ergänzen möchte:

Zum einen ein Aphorismus Lichtenbergs von 1789:

Über die bürgerliche Verbesserung der Sperlinge.

Lichtenberg, Georg Christoph: Sudelbücher. 3 Bände. (Hg. von Wolfgang Promies). München: dtv, 2005, Bd.2, S. 220.

- Der reichlich abgründige antisemitische Gehalt des Diktums erschließt sich nur dann, wenn man den Titel eines zeitgenössischen Buchs zur Emanzipation der Juden daneben stellt:

Dohm, Christian Conrad Wilhelm von: Ueber die bürgerliche Verbesserung der Juden. Berlin/Stettin: Nicolai, 1781/1783.

Lichtenberg berichtet in seinen Sudelbüchern übrigens einmal, dass er 1794 selber sieben Spatzen geschossen hätte (Bd.2, S.810).

Zum anderen der Hinweis auf zwei online abrufbare Texte zu den Spatzenkriegen des 18. Jahrhunderts:

Wacha, Georg: Spatzenvertilgung unter Maria Theresia, in: Naturkundliches Jahrbuch der Stadt Linz, 6.1960, S. 21-53. http://www.biologiezentrum.at/pdf_frei_remote/NKJB_6_0021-0053.pdf

Seitz, Joachim: Three hundred years of House Sparrow (Passer domesticus) persecution in Germany, in: Archives of natural history, 34.2007, S.307–317. [Abstract; kostenpflichtiges PDF: doi: 10.3366/anh.2007.34.2.307]

Mittwoch, 1. April 2009

Hunger und Tabellen, 1770/71

Letztes Jahr erschien in Saeculum ein v.a. auf Literatur basierender Artikel von Manfred Vasold zur um 1770 in Europa grassierenden Hungersnot; seine These ist, dass diese mehr zum Hinwegfegen des Ancien régime beigetragen [habe] als die intellektuelle Kritik der Aufklärer (Vasold, 142).
Mein Interesse an dieser Hungersnot wiederum liegt v.a. in ihrer Beziehung zur Statistik. Pointiert läßt sich nämlich feststellen, dass die Hungersnot von 1770/71 auch eine Unmenge von Tabellen produzierte. Vasold deutet dies nur an einer Stelle an, als er erwähnt, dass in Salzburg im November 1770 eine Erfassung der Getreidebestände und der Bevölkerung angeordnet wurde (Vasold, 117). Ein weiteres Beispiele wäre die Verwendung der Konskriptionsergebnisse für Böhmen zur Berechnung des Bedarfs an Getreidevorrat (Tantner, 170), was auch für Oberösterreich belegt ist (Kumpfmüller, 111f). In Bayern wiederum war die Hungersnot von 1770 die direkte Auslöserin der aufwändigen Dachsbergschen Volksbeschreibung (Denzel, 24).

Denzel, Markus A.: Professionen und Professionisten. Die Dachsbergische Volksbeschreibung im Kurfürstentum Baiern. (1771–1781). (=VSWG Beihefte; 139), Stuttgart: Steiner, 1998.

Kumpfmüller, Josef: Die Hungersnot von 1770 bis 1772 in Österreich. Wien: Dissertation an der philosophischen Fakultät der Universität Wien, 1969.

Tantner, Anton: Ordnung der Häuser, Beschreibung der Seelen. Hausnummerierung und Seelenkonskription in der Habsburgermonarchie. (=Wiener Schriften zur Geschichte der Neuzeit; 4). Innsbruck/Wien/Bozen: Studienverlag, 2007.

Vasold, Manfred: Die Hunger- und Sterblichkeitskrise von 1770/73 und der Niedergang des Ancien régime, in: Saeculum, 59/I.2008, S. 107–142.

Sonntag, 25. Januar 2009

Habsburgische Offiziere als poètes maudits?

Stephan Steiner hat für Südost-Forschungen. Internationale Zeitschrift für Geschichte, Kultur und Landeskunde Südosteuropas (66/67.2006/2007, S.549-551) die Edition der Politischen Anmerkungen des Hofkriegsrats rezensiert und lobt insbesondere die Einleitung. Anregend ist, wie er ein Diktum Walter Benjamins über Baudelaire heranzieht, um die Entstehung der Politischen Anmerkungen und die Niederschrift der Klagen des Volcks zu erklären:

Doch unerwartet und im Grunde gegen ihren Willen wurden die militärischen Kommissionsmitglieder zu "Geheimagenten der Unzufriedenheit" (Walter Benjamin). (549)

Das Benjamin-Zitat stammt aus einem als Fragment überlieferten Manuskript:

Baudelaire war ein Geheimagent. Ein Agent der geheimen Unzufriedenheit seiner Klasse mit ihrer eigne[n] Herrschaft. Wer ihn mit dieser Klasse konfrontiert, der holt mehr heraus als wer ihn vom prolet[arischen] Standp[unkt] aus als [uninteressant abtut.] (Benjamin, Gesammelte Schriften, Bd.I.3, S.1167)

Die Offiziere von 1770 als poètes maudits, die Politischen Anmerkungen als Fleurs du Mal des 18. Jahrhunderts? Witziger Gedanke, wenn wohl zumindest ein Unterschied der ist, dass die josephinischen Militärs von einem Fortschrittsoptimismus getrieben waren, der eine Menge an zuweilen recht hemdsärmeligen Reformvorschlägen produzierte.

Hochedlinger, Michael/Tantner, Anton (Hrsg.): "... der größte Teil der Untertanen lebt elend und mühselig". Die Berichte des Hofkriegsrates zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Habsburgermonarchie 1770-1771. (=Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs; Sonderband Nr.8). Innsbruck/Wien/Bozen: Studienverlag, 2005. LXXVI+184 S. ISBN 3-7065-4154-8 [Mehr Infos + weitere Rezensionen]

Samstag, 4. Oktober 2008

Militär und Revolution, Portugal 1976

Paßt zu meinen Erkundungen des militärischen Wohlfahrtsstaats: Eine im ND abgedruckte Passage aus einem Interview mit Robert Menasse:

Zeuge einer Revolution zu sein, muss nicht unbedingt und automatisch zu jenem Grunderlebnis werden, das etwa die künstlerischen Impulse prägt. Wir haben ja eine Revolution erlebt! Etwa 1976 die in Portugal. Sie verwirrte uns natürlich, denn in den linken Theorien war nicht vorgesehen, dass eine Revolution vom Militär ausgeht. Was uns auch aufstörte, war die Tatsache, wie komisch eine Revolution sein kann. Die revolutionären Militärs sagten, das faschistische System habe Analphabeten produziert, die dürften ab jetzt nicht mehr ausgeschlossen werden vom demokratischen Prozess. Es gab dazu diese schöne Geschichte von einem Park in Lissabon, wo während der gesamten faschistischen Zeit das Schild angebracht war: »Betreten des Rasens verboten!« Nach der Revolution wurde das Verbot durch ein wahnwitzig gut gemeintes, aber sinnloses Zusatzschild ergänzt: »Die sehr geehrten Damen und Herren Analphabeten wenden sich bitte an den Parkwächter. Er wird Ihnen das Schild vorlesen.« Davon besitze ich noch ein Foto. Wir lachten zunächst ungern, weil der Witz unserem schönen Pathos im Wege stand.

Dienstag, 15. Juli 2008

Caspar Neumanns Sterbetafeln

Eine reichlich unnötige und vollkommen überteuerte Publikation (15 Euro zzgl. Versandkosten für 17 inhaltlich äußerst mickrige A4-Seiten!) ist:

Lischke, Ralph-Jürgen: Caspar Neumann (1648-1715). Ein Beitrag zur Geschichte der Sterbetafeln. (=Edition IFAD, Historische Reihe; Sonderheft III). Berlin: IFAD, 2006.

Das dünne Heftlein zitiert gerade mal zehn Publikationen, ich kann davor nur warnen; besser ist es, gleich folgendes zu lesen:

Graetzer, Jonas: Edmund Halley und Caspar Neumann. Ein Beitrag zur Geschichte der Bevölkerungs-Statistik. Breslau: Schottlaender, 1883. [Digitalisat]

Dienstag, 17. Juni 2008

Rezension der "Politischen Anmerkungen"

Martin Scheutz hat für Das Achtzehnte Jahrhundert und Österreich. Jahrbuch der Österreichischen Gesellschaft zur Erforschung des 18. Jahrhunderts, Ausgabe 21.2006 (erst jetzt erschienen), S. 253-255 eine Rezension unserer Quellenedition verfasst; richtig stellen möchte ich daran nur, dass bei den habsburgischen Seelenkonskriptionen nicht erst 1770, sondern schon 1753/54 die Frauen erfasst wurden. Scheutz' Resümee ist freundlich:
Diese offenbar schon 2001 (!) fertiggestellte und erst 2005 in Druck gebrachte Edition ist in ihrer editorischen Sorgfalt (etwa mit der benutzerfreundlichen Rubrizierung der Inhalte am jeweiligen Seitenrand) und aufgrund der grundlegenden, die Bedeutung der "politischen Anmerkungen" in eine europäische Entwicklung stellenden Einleitung mustergültig. Die in Editionsform zugänglich gemachte Quelle erlaubt interessante Einblicke in das Leben der Untertanen vor Ort, verzeichnet aber auch "die Stimme des kleinen Mannes". Die ausführlichen Register erlauben schnellen Zugriff zu einzelnen Sachgebieten bzw. Personen und Orten.

Hochedlinger, Michael/Tantner, Anton (Hrsg.): "... der größte Teil der Untertanen lebt elend und mühselig". Die Berichte des Hofkriegsrates zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Habsburgermonarchie 1770-1771. (=Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs; Sonderband Nr.8). Innsbruck/Wien/Bozen: Studienverlag, 2005. LXXVI+184 S. ISBN 3-7065-4154-8 [mehr Infos]

Dienstag, 8. Januar 2008

Historische Sozialkunde 3/2007: Krieg und Integration

Vor kurzem ist die Ausgabe 3/2007 der v.a. für GeschichtslehrerInnen konzipierten Zeitschrift Historische Sozialkunde mit dem Thema Krieg und Integration. MILITÄR MACHT GESELLSCHAFT erschienen. Die Einleitung ist online.

Thomas Kolnberger: Krieg und Integration - zur Einführung (PDF) (2-4)

Anton Tantner: Der „militärische Wohlfahrtsstaat“ der Habsburgermonarchie. Eine kurzlebige schwarze Utopie (5-12)

Asli Odman: Das Militär in der Türkei: die große Unbekannte? (13-20)

Saskia Stachowitsch: Gendering of War. Warum Krieg als männlich gilt und dennoch eigentlich nichts mit Männlichkeit zu tun hat (21-27)

Drehli Robnik: Teamwork, Gedächtnis, Ohnmacht. Handlungsorientierungen, Geschichtsbilder und Sinnlichkeitsentwürfe im US-Kriegsfilm (28-37)

Jutta Nowosadtko: Vor Dilettantismus wird gewarnt - Ein Plädoyer für die schulische Auseinandersetzung mit Krieg und Kampf (38-40)

Mittwoch, 26. Dezember 2007

Rezension der Edition der Politischen Anmerkungen

In der aktuellen Ausgabe des Bulletin d'Information de la Mission Historique Française en Allemagne (N°43, 2007, S.267-269) rezensiert Guillaume Garner die von mir mit Michael Hochedlinger herausgegebene Edition der Politischen Anmerkungen des Hofkriegsrats. Seine Conclusio: Cet ouvrage, qui se distingue par la qualité du travail éditorial accompli, s'inscrit pleinement dans les renouvellements que connaît, également en Allemagne, le champ d'histoire de la statistique, renouvellements auxquels il apporte donc une contribution de grande qualité.

Hochedlinger, Michael/Tantner, Anton (Hrsg.): "... der größte Teil der Untertanen lebt elend und mühselig". Die Berichte des Hofkriegsrates zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Habsburgermonarchie 1770-1771. (=Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs; Sonderband Nr.8). Innsbruck/Wien/Bozen: Studienverlag, 2005. LXXVI+184 S. ISBN 3-7065-4154-8 [mehr Infos]

Mittwoch, 23. Mai 2007

Buchpräsentation Stephan Steiner: Reisen ohne Wiederkehr

Schade, dass ich zu dieser Präsentation nicht gehen kann, wird dort doch ein wichtiges Buch vorgestellt, das die terroristische Seite der Habsburgermonarchie näher beleuchtet:

Stephan Steiner: Reisen ohne Wiederkehr. Die Deportation von Protestanten aus Kärnten 1734-1736 (Oldenbourg Verlag)

Podiumsdiskussion mit:
Martin Scheutz (Historiker für Geschichte der Frühen Neuzeit, Universität Wien)
Doron Rabinovici (Historiker, Schriftsteller)
Hans Safrian (Zeithistoriker, Universität Wien)
Stephan Steiner (Historiker, Autor)
Moderation: Martina Nussbaumer (ORF, Ö1)

In den Jahren 1734 bis 1736 wurden aus verschiedenen Kärntner Grundherrschaften Protestanten deportiert und zwangsweise in Siebenbürgen angesiedelt. Eheleute wurden gewaltsam getrennt, Kinder zu katholischen Zieheltern gesteckt, in manchen Kärntner Regionen wechselten über 50 Prozent der Behausungen ihre Besitzer. Trotz des enormen bürokratischen und logistischen Aufwandes war das Siedlungsprojekt in Siebenbürgen schließlich zum Scheitern verurteilt. Stephan Steiner interpretiert diese „Transmigrationen“ als eine Geburtsstunde aller neuzeitlichen Zwangsverschickungen in Mitteleuropa: zerrissene Familien, vorenthaltene Vermögenswerte, Denunziation und zu all dem eine rücksichtslose Machtentfaltung des Staates. Das Expertenpodium diskutiert die historischen Deportationen als Vorläufer jener mörderischen Vorgänge, die zwei Jahrhunderte später das Bild Europas prägen sollten.

Ort: Hauptbücherei am Gürtel, 1070 Wien, Urban-Loritz-Platz 2a
Zeit: 11.06.2007, 19:00 Uhr

Sonntag, 20. Mai 2007

Die Sorge der Militärs um die Kinder - 4

Nicht nur das mangelnde Wachstum der Kinder wird kritisiert; in der Steiermark äußern die Militärs Unzufriedenheit über den Bildungsstand der Landbevölkerung: Zwar befinde sich bei den Pfarren überall ein Schulmeister angestellt, die Weitschichtigkeit der Pfarreyen aber, die Zerstreuung der Häuser und die Inanspruchnahme der Schulmeister durch für den Pfarrer zu leistende Tätigkeiten verhindere, den Kindern ausreichend Unterricht zu geben. So komme es, dass die wenigsten Bauern lesen können, ja gar viele weder ihren Namen, noch ihr Lebensalter wissen.1 Die Kommissare treffen also namenlose Untertanen an, die obendrein ihr Alter nicht angeben können; das Fehlen eines Namen impliziert aber, dass eine Grundvoraussetzung von Adressierbarkeit – der eindeutige Eigenname – fehlt; die Subjekte sind unadressierbar und entziehen sich somit dem Zugriff der Behörden.
Diese vom Militär gemachten Beobachtungen werden auch von politischer Seite bestätigt: Die steirische Polizeikommission kommt in ihrer Stellungnahme zu dem Ergebnis, dass nur die Einführung der Normalschule eine Verbesserung bringen könne; das dortige Gubernium nimmt dies zum Anlass, Geldmittel dafür einzufordern.2 Weiters werden die neu aufgestellten Werbbezirkskommissäre damit beauftragt, den Schulbesuch zu überwachen: Eltern, die nachlässig sind und das Fernbleiben ihrer Kinder vom Unterricht tolerieren, sind zu ermahnen und mit einer Geldbuße in der Höhe des doppelten Schulgelds zu bestrafen.3


(1) Österreichisches Staatsarchiv/Kriegsarchiv (KA), Wien, Bestand Hofkriegsrat (HKR) 1772/74/797: Vortrag des Hofkriegsrats, 19.1.1771, f. 12v; ediert bei HOCHEDLINGER, MICHAEL/TANTNER, ANTON (Hg.): „der größte Teil der Untertanen lebt elend und mühselig“. Die Berichte des Hofkriegsrates zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Habsburgermonarchie 1770–1771. (=Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs; Sonderband 8). Wien: Studienverlag, 2005, S. 31f.
(2) Österreichisches Staatsarchiv/Allgemeines Verwaltungsarchiv, Wien, Bestand Hofkanzlei, IV A 8 Innerösterreich, Kt. 499, 82 ex Oktober 1772: Vortrag der Hofkanzlei, 14.8.1772, f. 52r–v.
(3) PIETSCH, WALTER: Die Theresianische Schulreform in der Steiermark (1775-1805). Graz: o.V., o. J. [1977], S. 114.