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Dienstag, 24. Januar 2006

Das Adresscomptoir des Johann Wilhelm Friedrich Hager, Altona 1773ff

Erfolgreich mit dem Ansinnen, in Altona ein Adresscomptoir einzurichten, wird erst im Jahr 1773 der Zeitungsmacher Johann Wilhelm Friedrich Hager sein. Er besitzt bereits seit 1766 die Konzession, in Flensburg ein Adresscomptoir zu betreiben, doch dessen wöchentlich herausgegebene Nachrichten hatten einen zu geringen Absatz, weswegen er gezwungen war, dessen Tätigkeit einzustellen. Stattdessen bittet er darum, das Adresscomptoir nach Altona zu verlegen, da diese Stadt weit volckreicher sei und daher besser für die Einrichtung eines Adresscomptoirs geeignet sei. Diesmal sieht die deutsche Kanzlei keine Bedenken, im August 1773 erhält Hager die Konzession, sein Adresscomptoir nach Altona zu verlegen. Ein- bis zweimal die Woche wird er nun ein eigenes Blatt herausgeben, das den Titel Altonaer Adreß-Comtoir-Nachrichten trägt und in erster Linie aus Annoncen besteht. Wenn jemand eine Liegenschaft oder Wohnung mieten oder vermieten will, etwas zu kaufen oder zu verkaufen gedenkt, dann wird dies in der Zeitung abgedruckt; dienstsuchende Personen können ein Stellengesuch abgeben, genauso wie offene Arbeitsplätze angezeigt werden; weiters sollen ankommende und durchreisende Passagiere und Schiffe vermerkt werden. Zusätzlich werden bevorstehende Auktionen angekündigt und darüber hinaus gelehrte Sachen und andere nützliche Abhandlungen in der Zeitung zum Abdruck kommen. Kurz, es soll dadurch allen und jeden eine sehr bequeme Addreßirungs-Stelle zu Ihren etwannigen Angelegenheiten, die Sie dem einheimischen, oder auswärtigen Publico durch öffentlichen Druck bekannt zu machen gewilliget würden, zuwege gebracht werden. Beispiele für solche Annoncen lesen sich folgendermaßen: Zu verkaufen. [Absatz] Ein in der grünen Straße belegenes, sehr bequem eingerichtetes, und mit einem schönen Garten versehenes Haus, wird vor einen billigen Preis zum Verkauf angeboten. Liebhabere können hievon das Nähere im Addres-Comtoir erfahren. oder: Wann jemand ein halb Dutzend brauchbare Stühle, mit Plüsch überzogenen losen Sitzen, für einen billigen Preis zu verkaufen gewilliget ist, dem kann im Addres-Comtoir ein Käufer dazu angewiesen werden. Es gibt auch Verlustanzeigen: Verlohrnes. [Absatz] Am letztverwichenen Sonnabend hat jemand eine stählerne englische Uhrkette, woran ein mit den verzogenen Buchstaben; J. M. K. ausgestochenes silbernes Pettschaft, nebst zwey vergoldeten Uhrschlüsseln befindlich, in der Elb-Straße verlohren. Wer etwan dieselbe mögte gefunden haben, und es im Addres-Comtoir anmelden wird, soll, bey der Auslieferung, von dem Eigener ein raisonnables Douceur erhalten.
Dabei beschränkt sich die Tätigkeit des Adresscomptoirs nicht darauf, ein Annoncenblatt zu produzieren. Es dient auch als Verkaufsstelle für allerlei Waren, die in den Adreß-Comtoir-Nachrichten angepriesen werden. So kann, wer denn Lust daran hat, [d]as in und ausserhalb Deutschlands rühmlich bekannte Pompadourische Zahnpulver, welches als ein besonderes Geheimniß für den alleinigen Gebrauch der Marquise von Pompadour bestimmt war, und bey ihren Lebzeiten nur einigen wenigen hohen Häuptern und vornehmen Personen mitgetheilet wurde erstehen. Es thut dasselbe wunderswürdige Wirkungen in geschwinder Reinigung der Zähne von allen [!] Tartaro oder Weinstein, stärket das Zahnfleisch, erhält das Email der Zähne, welche die mehresten andern Zahnpulver abätzen, macht die Zähne vollkommen vest, weiß und glänzend, und beugt den Schmerzen derselben vor. Kostet die versiegelte Büchse, nebst Gebrauchzettel (in deutsch und franz. Sprache) 1 Mk 8 ß[chil]l[ing]. Auch Schönheitscremen, Frostsalben, Rattenpulver sowie Bücher und Lissabonsche Chokolade, von vorzüglicher Güte können im Adresscomptoir gekauft werden. Das Adresscomptoir kann sich über Jahrzehnte hindurch halten, die letzte Ausgabe der Zeitung erscheint 1855.

Landesarchiv Schleswig Holstein, Schleswig, Abt. 65.2 Nr. 685 I: Gesuch Hager an den dänischen König, Kopenhagen 13.6.1773; Concession, Friedensberg 11.8.1773. Siehe dazu die umfassende Edition von: Marwedel, Günter: Die königlich privilegirte Altonaer Adreß-Comtoir-Nachrichten und die Juden in Altona. Hamburg: Christians, 1993; vgl. auch Böning, Holger: Periodische Presse. Kommunikation und Aufklärung. Hamburg und Altona als Beispiel. Bremen: Edition lumière, 2002, S. 207-221.