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Mittwoch, 4. Januar 2006

Vom Transfer des Volks, 1770

Trostlos ist das Karstgebirge zu Görz: Die Häuser dort sind ler und unbewohnt, deswegen wohl, weil es an Wasser gebricht. Stundenlang muss der Landmann es herantragen, und auch die Schaffung von Zisternen ist kein ausreichendes Mittel, die Not zu lindern: Die übergroße Hize verbrennt die in dem steinigten Boden angebaute Feldarbeit vor der Zeit, und was die Hitze übrig lässt, richten Unwetter zu Grunde. Kein Wunder, dass alles mit weib und kindern im land bettlen zu gehen pfleget. Ob dieses Zustands unterbreitet der Hofkriegsrat einen Vorschlag: Verdiente es nicht eine Überlegung, dieses so elende Bauern Volkh von den Höhen des Karsts auf die aus Mangel an Bevölkerung unbearbeitet bleibenden Gründe in den Ebenen von Gradiska und Aquileja umzusiedeln? Besonders wenn die dort vorhandenen Moräste trockengelegt würden, könnten die jetzigen GebirgsbewohnerInnen nüzlich angewendet werden und das Land wäre von der überlast der Bettlern befreyt.
Die Görzer Landeshauptmannschaft wird ob dieses weit reichenden Vorschlags um eine Stellungnahme gebeten; sie verantwortet sich folgendermaßen: Gewiss, der Karst wäre ein steiniges Land mit wenig Äckern, doch gäbe es dort gute Wiesen und wohl bevölkerte Dörfer. Das Korn wachse durchaus, und die BewohnerInnen ernähreten sich nicht schlecht durch Viehzucht und Seidenwürmer. Außerhalb der großen Trockenperiode sei auch genügend Wasser vorhanden und was die vielen, vom Hofkriegsrat genannten leeren Häuser anbelange, so müssten dies die kleinen Hütten sein, in die sich die Viehhalter mit ihrem Vieh bei starker Hitze oder Regen flüchten. Um das Betteln zu steüren, reiche eine gute Polizey:Ordnung. Die Folgen einer etwaigen Umsiedlung werden mit drastischen Worten beschrieben: Die BergbewohnerInnen vom Karst in die gradiscanische, und acquiläische sünftigte Gegenden zu überführen, sie aus einem reinen, in eine rauche, ungesunde Luft zu übersetzen, wäre so viel, als selbe zu ihren Gräbern führen. Geradezu todbringend ist also das Umsiedlungsprojekt des Hofkriegsrats aus Sicht der Görzer Behörden, und die Hofkanzlei schließt sich ihnen an: [W]eder räthlich, noch thunlich sei die vom Militär geplante Transferirung des Volks; sehr wohl aber sei das Augenmerk dahin zu richten, Verdienst und Nahrung der dortigen BewohnerInnen zu verbessern.

Österreichisches Staatsarchiv/Kriegsarchiv, Wien, Bestand Hofkriegsrat, 1770/98/683: Vortrag des Hofkriegsrats, 24.12.1770.
Österreichisches Staatsarchiv/Allgemeines Verwaltungsarchiv, Bestand Hofkanzlei, IV A 8 Innerösterreich, Kt. 499, 33 ex Mai 1771: Vortrag der Hofkanzlei, 11.5.1771, f. 160v-161r, 165r.