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Donnerstag, 19. Januar 2006

Projekt eines Adress- und Correspondenzcomptoirs von Rudolph Georg Focht, Altona 1732

Im August 1732 reicht Rudolph Georg Focht, seit einigen Jahren in Altona ansässig, beim dänischen König ein Gesuch ein: Er möchte in Altona und Hamburg auf eigene Kosten ein Addrehse- und Correspondence Comtoir etablieren und bittet darum, für dieses das Königliche Wappen verwenden zu dürfen sowie mit dem Charakter eines Addrehse-Meister[s] oder Commihsairs ernannt zu werden. Spezifisch für dieses Projekt ist, dass es in erster Linie der besseren Briefförderung zwischen Hamburg und Altona dienen soll. Nach der Darstellung Fochts werden die in Hamburg ankommenden, für Altonaer Kaufleute bestimmten Briefe von den ordinairen Hamburger Briefträger nicht schnell genug ausgetragen; sie würden zuerst die nach Hamburg gehörigen Briefe bestellen und die anderen, nach Altona und ins Holsteinische gehörige einen oder wohl mehr Post-Tage bey sich liegen lassen, was den Kaufleuten naheliegender Weise erheblichen Schaden zuwachsen lassen würde. Focht möchte nun in Hamburg und Altona an eine[m] bequemen und wohl gelegenen Orte ein Comtoir anlegen, das für eine geringe Gebühr den Briefverkehr zwischen Hamburg und Altona übernehmen würde. Darüber hinaus möchte Focht nach Vorbild der preußischen und hannoveranischen addrehse oder intelligenz-Comtoirs einen wöchentlich erscheinenden Intelligenz-Zettel herausgeben: [W]ann jemand etwa liegende oder fahrende Gühter zu verkauffen oder zu kauffen, Capitalien zu negotiiren oder auszuthun gesonnen, auch ein und anderen geschickten Bedienten zum Verwalter, Hofmeister oder dergleichen verlangte, oder auch sonst etwas dem publico kund zu machen, oder zu wißen nötig erachtete könnte er dies bey dem Addrehse Comtor bekand machen und in dem Blatt solche avertishements, nova und curiosa, welche man in denen ordinairen Zeitungen nicht findet, veröffentlichen.
In der Folge bittet das Altonaer Magistrat den Postmeister Peter Friesen sowie mehrere Kaufleute um Stellungnahmen zu Fochts Projekt; der Postmeister ist dagegen: Confusion und (...) inconvenientien würden entstehen, es wäre mehr Schädlich als nützlich sowie unnötig, da die Altonaer Kaufleute die bei der Hamburger Börse einlangenden, an sie adressierten Briefe ohnehin durch eigene Bediente abholen lassen würden. Auch die Kaufleute betonen, dass die meisten von ihnen ihre eigene Addreshen bey ihren guten Freunden in Hamburg hätten und sprechen sich gegen einen Zwang aus, ihre Korrespondenz über das geplante Adresscomptoir auszurichten; weiters bezweifeln sie den Nutzen des Intelligenzzettels. Insgesamt aber sind sie dem Projekt wohlgesonnen, verlangen allerdings, dass Focht eine Kaution stelle. Diese Befürwortung nutzt nichts; das Projekt wird von der Deutschen Kanzlei in Kopenhagen abgelehnt.

Landesarchiv Schleswig-Holstein, Schleswig, Abt. 65.2 Nr. 685 I: Ansuchen Fochts an den dänischen König, Altona 1.8.1732; Project zu Antragung eines Addresse oder intelligentz-Comtoirs, undatiert [1732]; Bericht Postmeister Friesen, Altona 9.12.1732; Kaufleute an den Magistrat der Stadt Altona, 22.12.1732; Deutsche Kanzlei an Präsident, Bürgermeister und Rat der Stadt Altona, Kopenhagen 10.2.1733.