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Ebenfalls durchaus hörenswert,...
Ebenfalls durchaus hörenswert, die in der Diagonal-Ausgabe...
adresscomptoir - 2022/10/25 22:33
Guardian: listed status...
Guardian: listed status für 6 Denmark Street - https://www.theguardian.co m/music/2016/mar/22/sex-pi stols-house-denmark-st-lon don-listed-status
adresscomptoir - 2022/09/09 09:53

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Samstag, 4. Oktober 2008

Militär und Revolution, Portugal 1976

Paßt zu meinen Erkundungen des militärischen Wohlfahrtsstaats: Eine im ND abgedruckte Passage aus einem Interview mit Robert Menasse:

Zeuge einer Revolution zu sein, muss nicht unbedingt und automatisch zu jenem Grunderlebnis werden, das etwa die künstlerischen Impulse prägt. Wir haben ja eine Revolution erlebt! Etwa 1976 die in Portugal. Sie verwirrte uns natürlich, denn in den linken Theorien war nicht vorgesehen, dass eine Revolution vom Militär ausgeht. Was uns auch aufstörte, war die Tatsache, wie komisch eine Revolution sein kann. Die revolutionären Militärs sagten, das faschistische System habe Analphabeten produziert, die dürften ab jetzt nicht mehr ausgeschlossen werden vom demokratischen Prozess. Es gab dazu diese schöne Geschichte von einem Park in Lissabon, wo während der gesamten faschistischen Zeit das Schild angebracht war: »Betreten des Rasens verboten!« Nach der Revolution wurde das Verbot durch ein wahnwitzig gut gemeintes, aber sinnloses Zusatzschild ergänzt: »Die sehr geehrten Damen und Herren Analphabeten wenden sich bitte an den Parkwächter. Er wird Ihnen das Schild vorlesen.« Davon besitze ich noch ein Foto. Wir lachten zunächst ungern, weil der Witz unserem schönen Pathos im Wege stand.

Silologie

In der ländlichen Einöde sind sie eine Augenweide, solange sie nicht durch aufgemalte Trachtenpärchen verschandelt werden: Silos. Schön, dass das Presse-Spectrum heute einen Text von Lydia Mischkulnig zur Erotik der Silos veröffentlicht.

Vor etlichen Jahren übrigens hat schon Erwin Riess eine Eloge auf Silos verfasst:

Der Silo ist der verfestigte Kern der Landschaft, er ist das Substrat menschlicher Kraft, in ihm manifestieren sich überschießende Leidenschaft und ruhende Stärke, er ist sowohl Zeugnis des Reichtums, Beton gewordene Arbeit, als auch Mahnmal des Widerstands gegen die steinerne Lüge, die Kirchtürme, und fungiert daher als ideelle Währung des Landes. Ein Land ohne Silos ist ein Land des Niedergangs, eine bauliche und geistige Ödnis. (...) Ich fasse zusammen: Dem Silo kommt somit höchste aufklärerische Strahlkraft zu. In rückständigen Landstrichen, die vom Katholizismus so verheert wurden, daß selbst die Türken sich nicht halten vermochten, ist es der Silo, der als einziger die Fahne der Aufklärung hochhält; für alle sichtbar, wetteifert er mit den Minaretten des Stumpfsinns: den Kirchtürmen. Nicht ohne Grund läuft der Vatikan seit langem gegen das Silo Sturm. In der päpstlichen Enzyklika 'Silo diabolo' (Über die Teufelstürme) wurde schon in den zwanziger Jahren das Programm der Siloschleifung verkündet. Die zweite, gewaltsame Rekatholisierung ist längst im Gang. Und wir sind ihre Zeugen.

Riess, Erwin: Her Groll erfährt die Welt. Im Rollstuhl durch gelähmte Zeiten. Berlin: Elefanten Press, 1996, S.67.

Freitag, 3. Oktober 2008

Vor Google-Symposion: Programmänderungen

Zwei Erkrankungen und eine Absage haben uns in den letzten Tagen auf Trab gehalten, nun sind aber die Ersatzkandidaten für die Vorträge beim Symposion Vor Google - Suchmaschinen im analogen Zeitalter fix:

*) Stefan Rieger von der Uni Bochum wird statt Claus Pias den Eröffnungsvortrag zum Thema historische Ordnungssysteme halten.

*) Für Catarina Caetano da Rosa springt Hans Petschar (Österreichische Nationalbibliothek) mit dem Vortrag Der Zettelkatalog. Ein historisches System geistiger Ordnung ein.

*) Und schließlich wird Henning Trüper (European University Institute, Florenz) statt Anke te Heesen über die Verwendung der Notizzettel des Historikers Ganshof referieren, ein Thema aus dem Bereich seiner vor kurzem abgeschlossenen Dissertation.

Donnerstag, 2. Oktober 2008

WOZ zur Neuübersetzung von Don Quijote

Susanne Langes Übersetzung von Don Quijote ist nun erschienen; die Rezension der WOZ lobt sie und gibt zugleich einen kurzen Abriss über die Quijote-Rezeption in der lateinamerikanischen Linken.

Saavedra, Miguel de Cervantes: Don Quijote von der Mancha. Aus dem Spanischen und herausgegeben von Susanne Lange. München: Hanser, 2008.

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Wissenschaftszeitschriften gegen European Reference Index for the Humanities (ERIH)

Kulturwissenschaftliche Technikforschung veröffentlicht einen Aufruf der führenden Zeitschriften zur Wissenschaftsgeschichte gegen den Versuch der European Science Foundation, im Rahmen des European Reference Index for the Humanities ein Bewertungssystem für die Zeitschriften einzuführen.

Aus dem Aufruf:

We live in an age of metrics. All around us, things are being standardized, quantified, measured. Scholars concerned with the work of science and technology must regard this as a fascinating and crucial practical, cultural and intellectual phenomenon. Analysis of the roots and meaning of metrics and metrology has been a preoccupation of much of the best work in our field for the past quarter century at least. As practitioners of the interconnected disciplines that make up the field of science studies we understand how significant, contingent and uncertain can be the process of rendering nature and society in grades, classes and numbers.

Aber eben:

Our journals are various, heterogeneous and distinct. Some are aimed at a broad, general and international readership, others are more specialized in their content and implied audience. Their scope and readership say nothing about the quality of their intellectual content. The ERIH, on the other hand, confuses internationality with quality in a way that is particularly prejudicial to specialist and non-English language journals.

Und daher:

We have asked the compilers of the ERIH to remove our journals’ titles from their lists.

Und wie stellte Konrad Paul Liessmann schon in seiner Theorie der Unbildung (WIen 2006, S.84f.) fest? - Qualität kann definitionsgemäß nicht quantifiziert werden.

Dienstag, 30. September 2008

Büroklammern und Widerstand

BI-bindersIst das jetzt ein subtiler Wahlkommentar im Standard, dieser Hinweis heute auf die Widerständigkeit des Tragen von Büroklammern?

Darum lobte der Geschäftsführer des Büroartikel-Großhandelshauses "eplus" die "Büroklammern-Challenge" aus: Wer bis zum 10. Oktober Fotos kreativen Umkrümmens an bueroklammer@eplusoffice.at mailt, kann eine Reise nach Oslo gewinnen. Zur größten Büroklammer der Welt.

Dass dieses Sieben-Meter-Monument in Norwegen steht, hat jedoch nicht Büro-, sondern zivilgesellschaftlichen Hintergrund. Nach der Okkupation durch Nazideutschland (April 1940) wurde die Klammer Symbol des Widerstandes: Man trug sie am Revers. Den Besatzern war das nicht egal: Das Tragen von Büroklammern wurde verboten - und geahndet.


Das Foto von dem Monument stammt übrigens aus dem Büroklammern-Eintrag der norwegischen Wikipedia.
Und der österreichische Historiker Roman Sandgruber veröffentlichte schon letztes Jahr einen Artikel zur Geschichte der Büroklammer.

Rebranding the USA: David Harvey zu Barack Obama

Die Oktoberausgabe von analyse & kritik bringt die deutsche Übersetzung (S.20, nur Print) eines Videointerviews mit David Harvey, das Pepe Escobar für Therealnews geführt hat:

[Harvey:] Meines Erachtens unterstützen viele Vertreter der herrschenden Klasse Barack Obama, weil er dem Rest der Welt ein Image wie John F. Kennedy vermitteln kann. Den Lateinamerikaners soll es beispielsweise schwer gemacht werden, weiterhin Reden über die "imperialistischen Schweine im Norden" zu schwingen. Wenn Obama Präsident wird, müssen sie sich das verkneifen, weil er eine heldenhafte Figur sein wird. Ich glaube, die herrschende Klasse in den USA wird letztlich Obama unterstützen...

[Escobar:] Die Finanziers der Wall Street machen das ja bereits. Sie haben bereits zehn Millionen Dollar gesammelt. In den nächsten drei bis vier Monaten sollen es noch viel mehr werden...

[Harvey:] Ja genau. Ich glaube, für sie ist Obama jemand, der ihnen dazu verhilft, ein Image der Vereinigten Staaten als die "Guten" zu vermitteln.

[Escobar:] Deiner Meinung nach geht es hier also vor allem um eine Erneuerung des Images, um eine Art "Rebranding"?

[Harvey:] Ja, die Erneuerung des Images ist von großer Bedeutung. Es geht darum, das Image der USA auf der weltpolitischen Bühne so zu erneuern, dass sie die "Guten" und nicht mehr länger die "Bösen" sind.


Vgl. übrigens auch diesen Hinweis.

Montag, 29. September 2008

Untertilliach

Hm, Berge sind ja nicht so meins; aber die Vorstellung vom Almauftrieb mit roten Fahnen hat was.

Piraten als Buchhalter

Neal Stephensons Confusion bietet nicht nur hausnummernmäßig Spannendes zu lesen, ist auch nicht nur formidable Literatur und erkenntnisbringende wirtschaftsgeschichtliche Studie gleichermaßen, sondern liefert darüber hinaus interessante Einblicke in die Verwendung von Registrierungstechniken durch die Piraterie. Denn wie erzählt doch die durch französische Staatspiraten heimgesuchte Eliza dem Chefkryptologen Rossignol?

Nun wisst Ihr vielleicht, Bon-bon, dass in jedem Piraten und Freibeuter die Seele eines Buchhalters schlummert. Mancher würde freilich sagen, es verhält sich genau andersherum. Das ergibt sich daraus, dass sie ihren Lebensunterhalt mit der Plünderung von Schiffen bestreiten, und das ist ein eiliges, unordentliches, unsauberes Geschäft; der eine Pirat mag die Hasenpfote eines Herrn finden, während der Bursche zu seiner Linken einen wachteleigroßen Smaragd aus dem Dekolleté einer Dame fischt. Das ganze Unternehmen würde in einem Handgemenge enden, wenn nicht sämtliche erbeuteten Gegenstände zusammengelegt, peinlich genau sortiert, taxiert, registriert und danach nach einem festen Schema aufgeteilt würden. Das ist auch der Grund, warum der englische Euphemismus für Freibeuterei Kasse machen lautet.

Stephenson, Neal: Confusion. München: Goldmann 46662, 2008, S. 77.

Sonntag, 28. September 2008

Personennummern statt Namen im Kambodscha der Roten Khmer

Das wusste ich bislang nicht; ein Artikel der Oktober-Ausgabe a&k über den Terror der Khmers Rouges in Kambodscha berichtet über den Plan der Nummerierung der EinwohnerInnen:
Die Agenda des "klassenlosen Bauernstaates" war so rigoros nivellierend, dass Nummern die Personennamen ersetzen sollten.
Quellenangaben gibt's leider - abgesehen von: Heinz Kotte/Rüdiger Siebert: Der Traum von Angkor. Bad Honnef 2000 - leider keine, aber Literatur müsste es da ja wohl eh schon etliches geben.

Samstag, 27. September 2008

100 Jahre Toblerone - Ausstellung im Designforum Wien

Ist mir bislang entgangen: Toblerone ist dieses Jahr 100, und eine dazu gestaltete Wanderausstellung macht vom 1.-11.10.2008 im Designforum Wien halt.

Freitag, 26. September 2008

Innsbruck

Es ist schon einige Zeit her, dass ich das Innsbrucker Fragamt des Michael Hermann Ambros vorgestellt habe. Gestern bin ich nun in Innsbruck eingelangt und werde bis Ende nächster Woche ja sehen, was Tiroler Landesarchiv, die Innsbrucker UB und die Bibliothek des Ferdinandeum für Informationen zu dieser Einrichtung zu bieten haben.

Donnerstag, 25. September 2008

Tschernyschewski zur Hausnummerierung in St. Petersburg

Schön, dass auch Klassiker der sozialistischen Belletristik sich mit den Hausnummern beschäftigen; dank Tschernyschewskis Was tun? (veröffentlicht 1863) wissen wir also, dass die Sankt Petersburger Häuser in den Jahren nach 1852 eine Nummer verpasst bekamen:

Wera Pawlowna wuchs in einem mehrstöckigen Haus in der Gorochowaja-Straße, zwischen der Sadowaja und der Semjonowski-Brücke, heran. Jetzt ist dieses Haus mit der ihm zukommenden Nummer versehen, aber im Jahre 1852, als es noch keine Hausnummern hab {sic!}, trug es die Aufschrift: 'Haus des Wirklichen Staatsrates Iwan Sacharowitsch Storeschnikow'. So lautete die Aufschrift.

Tschernyschewski, Nikolai Gawrilowitsch: Was tun? Aus Erzählungen vom neuen Menschen. Reinbek: rororo 40030, 1988, S. 24.