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Ebenfalls durchaus hörenswert,...
Ebenfalls durchaus hörenswert, die in der Diagonal-Ausgabe...
adresscomptoir - 2022/10/25 22:33
Guardian: listed status...
Guardian: listed status für 6 Denmark Street - https://www.theguardian.co m/music/2016/mar/22/sex-pi stols-house-denmark-st-lon don-listed-status
adresscomptoir - 2022/09/09 09:53

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Montag, 10. Dezember 2007

Von den "unverzehrten Gliederchen" des Kindes, 1786

Nun also wieder zurück in Wien; im übrigen: nicht, dass die p.t. LeserInnenschaft glaube, die Mordsgeschichten im Prager Kundschaftsblatt kämen nur aus dem fernen Ausland. Auch inländische Splatterstories werden berichtet:

Mordgeschichte. [Absatz] Prag den 16 April. [Absatz] Aus dem Pilsner Kreise schreibt man uns folgende Mordgeschichte. Ein Fleischer fand in einem Walde an einem Baum ein Kind in einer Masche hangen, das ein Zettelchen bey sich hatte, nach dessen Inhalt der Finder dieses Kindes gebeten wurde, so lange das Kind zu halten, und zu versorgen, bis man Zeit und Gelegenheit haben würde, sich öffentlich zu bekennen, und es abzuhollen. Zum Besten des Kindes lagen unter dem Baume 100 Gulden die der Finder des Kindes in jedem Jahr an dem nämlichen Tage dort künftig zu nehmen haben soll. Geblendet von dem Geitze nahm der Unbarmherzige das Kind, zerhieb es, und warf die Stücke seinen 2 Hunden die er mit sich führte, vor, und gieng in das Wirthshaus, wo man aber die gräulichste, unmenschlichste That von der Welt entdeckte, indem die beyden Hunde in Gegenwart vieler Menschen, die im Wirthshause waren die unverzehrten Gliederchen als Finger, Augen, Zähnen tc. von sich emovirten. Welche Strafe muß diesen Menschen erwarten, der bereits gefangen sizt.

Prager interessante Nachrichten, nebst der eigentlichen Intelligenz aus dem k.k. Frag- und Kundschaftsamte. Von Vincenz Victorin Pruscha dieses k.k. Amtes Innhaber herausgegeben., 22.4.1786, Nr. 17, S. 136. NKP, Signatur 65 D 397/1788

Die Bibliothek Kuczynski in der Berliner Zentral- und Landesbibliothek

Heute eröffnet in der Berliner Zentral- und Landesbibliothek eine Ausstellung über den Nachlass Jürgen Kuczynskis, zu dem auch eine umfangreiche Bibliothek gehört. Das ND bringt dazu einen informativen Artikel.

Ausstellung zu Postbücheln

Zuerst war die Ausstellung nur virtuell (vgl. hier), nun im Realen: Das Technische Museum Wien zeigt noch bis 29.2.2008 eine Ausstellung zu Postbücheln; ein Bericht dazu u.a. von ORF Wien.

Sonntag, 9. Dezember 2007

Vom "abgeschnittenen Weiberkopf", 1782

Wie schon im Falle des Wiener Kundschaftsblatts (vgl. hier) finden sich übrigens auch in manchen Jahrgängen des Prager Kundschaftsblatts als eben solche titulierte Mordsgeschichten, die die Lektüre doch etwas abwechslungsreicher machen. Eine davon lautet z.B. wie folgt:

Mordgeschichte. [Absatz] Den 30. Oktober ist zu Straßburg eine unerhörte Mordthat begangen worden. Des Morgens fand man an der Münsterkirche einen abgeschnittenen Weiberkopf, und nicht weit davon zogen die Waschweiber aus dem Wasser die 2 Füsse mit denen Schenkeln, kurz von dem Leib, oder Rumpf, recht anatomisch weggeschnitten, in ein alt Tuch eingewickelt, nebst dem Herz und der Miltz, der Rumpf aber fehlet noch. Der Magistrat ließ den Kopf zur Schau ausstellen, ob ihn etwa jemand kenne. Da fand sichs, daß es ein 17jähriges Mädgen war, deren Eltern gestorben. So viel man glaubt, ist diese That in einem Bordel geschehen.

Prager interessante Nachrichten, nebst der eigentlichen Intelligenz aus dem k.k. Frag- und Kundschaftsamte. Von Vincenz Victorin Pruscha dieses k.k. Amtes Direkteur herausgegeben, 16.11.1782, Nr. 46, nicht paginiert. NKP, Signatur 65 D 397/1782

Samstag, 8. Dezember 2007

Hausnummern auf Radio Prag

Nun ist auf Radio Prag das Interview von Gerald Schubert mit mir zu den Hausnummern in Tschechien erschienen, wer will, kann dort auch den Beitrag hören.

Die ersten Jahre des Prager Fragamts

Ich habe nun meine Recherchen in Prag weitgehend abgeschlossen und konnte wenigstens ein paar interessante Informationen zum Prager Fragamt ausfindig machen. Die gesetzlichen Grundlagen dafür wurden mit dem Patent vom 4.9.1747 geschaffen, das die Gründung eines Versatzamts in Prag ankündigte.1 Vorbild für das Prager Patent war das entsprechende Patent für das Wiener Versatzamt von 1707, und so wurden auch die darin enthaltenen Bestimmungen zur Einrichtung eines Fragamts fast wortwörtlich übernommen, nur mit dem Unterschied, dass die Einschreibung des Anliegens in das Protokoll gegen Darreichung eines willkührlichen Allmosen-Geldes in die daselbst hangende Spar-Büchsen, wie er es begehret erfolgen sollte und nicht wie im Wiener Fall mit 17 Kreuzer festgelegt war. Es sollte allerdings bis 1750 dauern, bis ein gewisser Johann Lobstein vorschlug, das Fragamt einzurichten, das schließlich 1752 Joseph Ferdinand Bock übertragen wurde. Die ersten Kundschaftsblätter sollen übrigens noch in diesem Jahr erschienen sein, zumindest wird in den Akten einmal ein FragAmtsBlat sub N°8 dd° 4.Xbrus 1752 erwähnt;2 das früheste erhaltene Exemplar eines solchen Blatts scheint das einem Akt beiliegende vom 29.1.1753 zu sein, das ja bereits von Przedak abgedruckt wurde.3
An interessanten Materialien erhalten ist u.a. eine Aufstellung der Einnahmen und Ausgaben für 1753, aus der hervorgeht, das von einer wöchentlichen Auflage von 350 Stück 96 bis 223 verkauft und nicht weniger als 57 Stück als Belegexemplare verteilt wurden. Auch eine Liste mit den Einschreibgebühren sowie einer kurzen Aufstellung der begehrten oder angebotenen Dinge oder Dienste ist für dieses Jahr vorhanden; daraus geht hervor, dass die Einschreibgebühr 6 Kreuzer betrug.4
Interessant ist dann auch noch ein Verbesserungsvorschlag durch den Buchdrucker Ignatz Franz Pruscha, der das Fragamt ab 1757 innehatte. Darin möchte er das Fragamt mehr als bisher für die Vermittlung von Dienstbotinnen und Dienstboten einsetzen, geradezu zu einem regelrechten Dienstbotenamt ausbauen sowie Transportdienste vermitteln.5

(1) Narodní Archiv (NA), Patenty, 1747 záři 4
(2) NA, ČG-Publ. 1748-1755, O 3, Kt.130, Aktennotiz, 19.1.1763
(3) NA, ČG-Publ. 1748-1755, O 3, Kt.130, In Königreich Böheim. Wochentliche Frag- und Anzeigs-Nachrichten, 29.1.1753; PRZEDAK, A[dolar]. G[uido].: Das Prager Intelligenzblatt. Kulturgeschichtliche Bilder aus dem alten Prag. Prag: Statthalterei-Buchdruckerei, 1918, S.30-39.
(4) NA, ČG-Publ. 1748-1755, O 3, Kt.130, „Berechnung Über den a 1ma Aprilis Anno 1753 intuito des Neuerrichteten Frag-Ambts für die gewöhnl: Wochenblätter a Nro 13 bis ad Nro 52 inclusive dann an Einschreibgebühnüssen, Eingekommenen Geld Empfang, und respective Ausgaab“, undatiert.
(5) NA, ČG-Publ. 1756-1763, N 3, Kt.215, Verbesserungsvorschlag von Pruscha, undatiert

Freitag, 7. Dezember 2007

Alfred Hrdlicka: Ausstellung von Aquarellen zu Heinrich Heine in Düsseldorf

Wie die UZ sowie das Deutschlandradio berichten, zeigt das Düsseldorfer Heinrich-Heine-Institut (Bilker Str. 12-14, 40213 Düsseldorf) noch bis 24.2.2008 Aquarelle von Alfred Hrdlicka zu Heinrich Heine.
Könnte sich sogar gut ausgehen, dass ich mir diese anschauen kann, da ich im Jänner zur Tagung Jüdische Migration und Mobilität in der Frühen Neuzeit fahre.

Hussiten in Musik, Film und auf CD-ROM

Jan-ZizkaSo ein Aufenthalt in Tschechien ist mal auch wieder eine Gelegenheit, meine Devotionaliensammlung zu den geschätzten Hussiten zu vervollständigen. Die Hussitenfilmtrilogie aus den 50er-Jahren konnte ich ja schon im Februar in Brno auf DVD erstehen (es handelt sich dabei um: 1. Jan Hus 2. Jan Žižka 3. Proti všem, alle mit englischen Untertiteln, vgl. hier), nun konnte ich auch den 1947 gedrehten Film Jan Roháč z Dubé auf DVD bekommen; das Denkmal für besagten Roháč im Hvězda-Areal in Prag habe ich auch schon besichtigt.
Mit hussitischer Musik ist es allerdings nicht ganz so einfach, dabei wären doch ein paar hussitische Schlachtgesänge auf CD doch ein Renner, nicht wahr? Immerhin, Ktož jsú boží bojovníci (Die ihr Gottes Streiter seid) gibt es hier in verschiedenen Versionen als MP3; was aber ist mit Povstaň, povstaň, veliké město Pražské (Auf, auf du große Stadt Prag)? Und was ist mit dem Jistebnický kancionál, einem Liederbuch der Hussiten? Es gibt davon eine 2005 erschienene kritische Ausgabe, aber kaum Vertonungen auf CD.
Erfreulicherweise gibt es mittlerweile aber zwei neuere CD-ROMs zu den Hussiten; beide (nämlich: Husitství a literatura, Media Works 2003 sowie: Encyclopedie husitství, Media Works 2007) sind im Museumsshop des Hussitenmuseum in Tabor zu kaufen.

Nachtrag: Auf der CD-ROM Husitství a literatura gibt es eine WAV-Version von Povstaň, povstaň, veliké město Pražské.

Donnerstag, 6. Dezember 2007

Auf den Spuren des Prager Kundschaftsblatt - 2

Erfreulicherweise klappte es recht problemlos, die Mikrofiches mit ein paar Jahrgängen des Prager Kundschaftsblattes von der Bibliothek der Fakulta sociálních věd der Karlsuniversität an die Prager Nationalbibliothek zu transferieren, und mittlerweile habe ich sie mir auch schon durchgesehen. Folgende Jahrgänge - und damit mehr als bei Laiske angegeben - waren dort vorhanden: 1754, 1755, 1757-1769 (einzelne Nummern fehlen, insbesondere bei den Jahrgängen 1762 und 1769). Sehr ergiebig war das ganze nicht, aber es ist halt eine notwendige Arbeit. Ich hoffe auch, dass ich demnächst herausbekomme, an wen die Originalbände restituiert wurden.
Im übrigen habe ich auch einen Ausflug zum Hauptsitz des Prager Narodní Archiv gemacht, der sich im am Prager Stadtrand gelegenen Chodovec befindet. Die Bibliothek dort ist ziemlich beeindruckend, in den verschiedenen Katalogen konnte ich allerdings keine Exemplare des Kundschaftsblatts ausfindig machen.

Mittwoch, 5. Dezember 2007

Befürchtungen des 18. Jahrhunderts - Tagung am IFK, 14./15.12.2007

Feines Programm, das Franz Fillafer und Romana Filzmoser da zusammengestellt haben: Die Tagung Befürchtungen des 18. Jahrhunderts findet am 14./15.12.2007 in Wien am IFK (Reichsratsstraße 17) statt, u.a. sind folgende Vorträge angekündigt:

Michael Gamper: Innere Karibik. Die Menschenmasse als das Andere zivilisatorischer Ordnung

Eva Kernbauer: Multitude, oder: Die Unmöglichkeit der Aufklärung

Franz Leander Fillafer: Das Fürchten lernen in des „sittlichen Bürgers Abendschule“

Peter J. Bräunlein: Furchterregende Randzonen der Aufklärung: Skandalon Vampirismus

Jeffrey Freedman: Die Grenzen der Toleranz. Die Aufklärung, die Juden und die Furcht vor einem frühzeitigen Begräbnis

Dienstag, 4. Dezember 2007

Türnummern in Prag

Es sind die kleinen Unterschiede, die's ausmachen: Obwohl in den böhmischen und österreichischen Ländern 1777, also sieben Jahre nach der Hausnummerierung, die Türnummern als so genannte "Familiennummern" eingeführt wurden gibt es heute wichtige Unterschiede in ihrer Verwendung: In Wien kennt jeder seine Türnummer, sie sind zumeist an den Türen angeschrieben und werden für die postalische Adressierung verwendet. In Prag ist das anders: Gerald Schubert von Radio Prag, der letzte Woche mit mir ein Hausnummern-Interview führte, erzählte mir, dass es zwar in Prag auch theoretisch Türnummern gibt, diese aber im Alltag keine Bedeutung haben. Probleme gibt's nur, wenn bestimmte Behörden, z.B. die Stadtwerke, die Angabe der Türnummer in irgendwelchen Formularen verlangen. Dann ist umständliches Nachforschen nötig, welche Türnummer man denn habe, denn auch die Vermieter kennen diese nicht. Dafür wiederum wird oft bei alltäglichen Adressenangaben die popisné číslo, also die Konskriptionsnummer zusätzlich zur straßenweisen Orientierungsnummer angegeben.

-Hm, das wäre doch Anlass genug für eine Onlineumfrage: Wie sieht's in Eurer/Ihrer Stadt aus? Gibt's dort Türnummern? Kommentare und Erlebnisberichte auch aus bereisten Städten sind willkommen!

Montag, 3. Dezember 2007

Jour Fixe Kulturwissenschaften

In einer Woche sollte ich wieder in Wien sein, und da findet nun endgültig mein Vortrag beim Jour Fixe Kulturwissenschaften der Kommission für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte auf der Österreichischen Akademie der Wissenschaften statt.

Titel: Informationsvermittlung in der Frühen Neuzeit: Théophraste Renaudot und das „Bureau d’Adresse“ [Abstract (PDF)]
(Aber versprochen: Am Anfang wird's auch ein bisschen über offene Fragen der Hausnummernforschung gehen!)

Ort: Österreichische Akademie der Wissenschaften, Hauptgebäude, Dr. Ignaz Seipel–Platz 2, 2. Stock, 1010 Wien
Zeit: Mo 10.12.2007, 15 Uhr

Sonntag, 2. Dezember 2007

Tabor 186, vormals 118

Tabor_186vormals118_Kozeluzska

Viel historische Hausnummern habe ich in der geschätzten Stadt Tabor nicht ausfindig machen können, immerhin aber diesen Überrest einer Nummer 118 in der Koželužská.

Samstag, 1. Dezember 2007

Süssenbek, Nicole/Gerstenmayer, Tina: Der Gürtel

Und gleich noch eine Buchpräsentation in der Wiener Hauptbücherei (5.12.2007, 19 Uhr), diesmal zum Gürtel, der, bevor er zur Verkehrshölle wurde, als RIngstraße des Proletariats galt (Vgl. übrigens auch hier). Aus der Ankündigung:

Moderation: Andreas Kreiner
Der Wiener Gürtel: Ein Ort, der in der Vorstellung nicht nur vieler Wiener mit Verkehrschaos, Lärm, Schmutz, Verfall und Rotlichtmilieu assoziiert wird. Denn am Gürtel, so ein verbreitetes Vorurteil, leben nur jene, die keine andere Wahl haben.

Der Gürtel war und ist jedoch mehr ist als eine innerstädtische Rennstrecke, an der heute so viele Menschen leben wie in Klagenfurt. Nicole Süssenbek und Tina Gerstenmayer unternahmen für ihr Buch Der Gürtel. Definitionen einer Veränderung Streifzüge durch Geschichte und Gegenwart dieses urbanen Siedlungsraumes. Sie begegneten dabei manchen Überraschungen, sie lassen Menschen zu Wort kommen, deren Leben mit dem Gürtel verknüpft ist - und sie machen deutlich, dass der Wiener Gürtel keineswegs eine Gegend ist, die ihre Zukunft bereits hinter sich hat. Sondern dass er ein Ort mit Lebensqualität sein kann, wenn seine Bewohnerinnen und Bewohner aktiv an seiner Gestaltung und Veränderung mitwirken.


Süssenbek, Nicole/Gerstenmayer, Tina: Der Gürtel. Definition einer Veränderung. Wien: Verein Memo, 2007.