Laut Historischem Lexikon der Stadt Wien wurden die Wiener Fiaker 1800 nummeriert; aus einem Akt des Wiener Stadt- und Landesarchiv geht allerdings hervor, dass dies schon fast 50 Jahre früher der Fall war: Demnach sei über einen Vortrag vom 8. Mai 1756 eine allerhöchste Resolution ergangen daß um dem Muthwilligen schnellen Fahren deren Lehenkutschern dereinst gemessenen Einhalt zu verschaffen, die Stadt- so wie die Vorstadt-Lehen-Wagen ohne Ausnahme auf der Seite mit ordentlichen Numeren bemerket sofort und da aus diesen Zaichen bey Ausübung einigen Muthwillens die Innhaber deren Wägen füglich zu erkennen seynd, die in derley schnellen Fahren immer wo betrettende Lehen- und andere Kutscher zum erspieglenden Beyspiel für die übrige auf das empfindlichste in instanti gezüchtiget werden sollten. Was diese Nummerierung betreffe, sei alles nötige durch den Verwalter des Großen Armenhaus in die Wege zu leiten. Weiters solle ein gedruckter öffentlicher Ruff ausgehängt werden, der alle und jede Lehen- und andere Kutscher auffordere, von allem schnellen Fahren sich also gewis [zu] enthalten (...), wie im widrigen die jenigem welche darinne betretten werden, zum erspieglenden Beyspil für die übrige auf das empfindlichste an dem Orth des verübten Muthwillens gezüchtiget, und nicht allein durch die Polizey-Wacht, sondern auch so gar durch die patroulirende Miliz alsogleich von dem Wagen herab genohmen, und mit gemessenen Stockstreichen abgestraffet, allenfalls nach Maaß ihrer Bosheit, und des dabey begangenen Verbrechens zu fernerer Bestraffung arrestirlich angehalten werden würden.
WSTLA, Alte Registratur, A1 - Zusammengelegte Akten, 180 ex 1755: Niederösterreichische Repräsentation und Kammer an die von Wien, 10.5.1756; Ruff (gedruckt), 14.5.1756.
Art. Fiaker, in: CZEIKE, Felix (Hg.): Historisches Lexikon Wien in fünf Bänden. Bd. 2. Wien: Kremayr & Scheriau, 1999, S. 294f.
adresscomptoir -
Nummerierung - So, 21. Okt. 2007, 13:00
Dass die EU, die sich immer wieder zum Subjekt so genannter humanitärer Interventionen in Kontinenten macht, deren Menschenrechtsverständnis dem europäischen angeblich nicht entspricht, genauso gut und mit dem gleichen Recht zum Objekt solcher Militäraktionen werden könnte, ist eine der möglichen Schlussfolgerungen, die aus Slavoj Zizeks Kommentar für den heutigen
Standard gezogen werden kann. Denn merke: Wer Flüchtlinge vor dem Ertrinken rettet, der handelt sich eine Klage europäischer Gerichte ein.
adresscomptoir -
Politik - Sa, 20. Okt. 2007, 14:35
Wer sich über den Zustand von Demokratie und Rechtsstaat in Deutschland informieren möchte, dem und der sei die Lektüre von
annalist empfohlen, dem Weblog der Lebensgefährtin des Stadtsoziologen Andrej H. Dieser kam vor kurzem ins Visier deutscher Ermittlungsbehörden und wurde nicht zuletzt deswegen verdächtig, weil er in seinen Arbeiten Begriffe wie Gentrifizierung verwendet und fähig ist, Bibliotheken zu benützen (vgl.
hier). Das Weblog dokumentiert einen Alltag permanenter Überwachung und Schikanen.
adresscomptoir -
Kontrolle - Sa, 20. Okt. 2007, 12:23
In der heutigen Ausgabe der
Presse stellt Anne-Catherine Simon mein Buch vor.
adresscomptoir -
Hausnummerierung - Sa, 20. Okt. 2007, 12:20
Zu den Forschungsschwerpunkten der österreichischen Zeithistorikerin
Claudia Spring zählen u.a. NS-Zwangssterilisationen, Eugenik und die Geschichte der Anthropologie während des Nationalsozialismus. Auf ihrer Homepage finden sich u.a. ein Verzeichnis ihrer Publikationen sowie eine Vorstellung ihres Dissertationsprojekts zu den NS-Zwangssterilisationen in Wien.
adresscomptoir -
HistorikerInnen - Fr, 19. Okt. 2007, 09:12
Schon faszinierend: Es braucht den News-Feed der
KPÖ-Steiermark, um über eine heute stattgefundene Großdemonstration von 150.000 bis 200.000 TeilnehmerInnen anlässlich des EU-Gipfels in Lissabon informiert zu werden. Standard, SpON, ORF Online, Google News, alles (bislang) Fehlanzeige...
Nachtrag: Zumindest
Kurier und
Tagesanzeiger bringen mit etwas Verspätung recht kurz ausgefallene Meldungen.
adresscomptoir -
Politik - Do, 18. Okt. 2007, 20:30
Ach ja: Seit kurzem ist meine Dissertation auf dem
Hochschulschriftenserver der UB Wien als PDF downloadbar. Viele Arbeiten sind dort noch nicht verfügbar, vielleicht kommen in der nächsten Zeit mehr dazu.
adresscomptoir -
Volkszaehlung - Do, 18. Okt. 2007, 08:51
Bin ich voll dafür, naturgemäß: Für die Kirche des
fliegenden Spaghettimonsters, das laut
Telepolis nun auch in Deutschland angekommen ist.
adresscomptoir -
Wissenschaft - Mi, 17. Okt. 2007, 10:01
Der neoliberale Umbau der österreichischen und deutschen Universitäten zu Unternehmen mit
Wissensbilanzen,
change management und verschulten Studienplänen schreitet ohne nennenswerten Widerstand voran; wenigstens gibt es an manchen Orten die kritische Analyse dessen, was geschieht. So zum Beispiel in der aktuellen Ausgabe von konkret (10/2007, S.22f); Magnus Klaue beschreibt darin die Folgen für die Studierenden:
Eine Erfahrung durchleben alle Studierenden: daß sie vor allem Verwaltungsgegenstand sind. Die autonomen Seminare und Projekttutorien, über deren esoterische Themen man sich früher lustig machen konnte, sind vergessen. An freiwillige Lektüre jenseits des Seminarplans ist kaum zu denken. Kompensiert wird dieser Verlust geistiger Erfahrungsmöglichkeiten durch PR-Schnickschnack. Und für die wenigen wissenschaftlichen MitarbeiterInnen, die nicht durch Lehre zugeschüttet sind, sieht die Situation nach Klaue folgendermaßen aus:
Aber auch die Forschungsexzellenzen sind nicht viel besser dran. Sie müssen sich permanent neue Projektanträge und Projektverlängerungsbegründungen ausdenken, wenn sie überleben wollen, und können sich neben der Organisation von Tagungen und der Redaktion von Sammelbänden ihren eigenen Erkenntnisinteressen nur am Rande widmen. "Große Bücher" werden daher, wie Gustav Seibt jüngst zu Recht in der "SZ" moniert hat, inzwischen hauptsächlich von Emeritierten und Privatgelehrten geschrieben. Ansonsten dominiert die geistige Loseblattsammlung.
Eine weitere kritische Analyse liefert übrigens Heiner Keupp mit dem Artikel
Unternehmen Universität. Vom Elfenbeinturm zum Eventmarketing in der aktuellen Ausgabe der
Blätter für deutsche und internationale Politik.
adresscomptoir -
Wissenschaft - Di, 16. Okt. 2007, 09:17
In der Angelegenheit der verzögerten Berufung von Albert Scharenberg als Juniorprofessor an die FU Berlin (vgl.
hier) ist heute im Berliner Tagesspiegel ein offener Brief an den FU-Präsidenten Dieter Lenzen erschienen; online ist dieser auf der Homepage der
Blätter für deutsche und internationale Politik zu lesen.
Nachtrag:
SpON nimmt diesen Brief zum Anlass eines Artikels, in dem das Präsidialamt der FU nun eine neue Erklärung für seine Verzögerungstaktik gibt. Eine weitere passende Lektüre dazu liefert
telepolis, das den Fall des FU Präsidenten Lenzen keineswegs als Ausnahme erscheinen lässt.
Nachtrag 19.10.:
ND und
SpON berichten über eine Diskussionsveranstaltung, bei der die FU-Vizepräsidentin in ziemlichen Erklärungsnotstand kam, warum die Berufung Scharenbergs abzulehnen sei.
adresscomptoir -
HistorikerInnen - Mo, 15. Okt. 2007, 14:56
Das Gebäude, auf das sich diese Hausnummer bezog (vgl.
hier) ist mittlerweile an den Donaukanal übersiedelt, die Adresse reicht aber immer noch als Angabe des Treffpunkts für Demonstrationen, wie aus einer Aussendung der
GO Dogma hervorgeht:
donnerstag, 25. 10. "donnerstagsdemo"
"die blauorangen ministerInnen sind
gegangen - ihre gesetze sind geblieben!"
19 uhr, ballhausplatz 1A
adresscomptoir -
Hausnummerierung - Mo, 15. Okt. 2007, 14:35
Ist ja eine schöne Sache, dass auf
H-SOZ-U-KULT mal auch eine Neuerscheinung zur Populärkultur rezensiert wird:
Keppler, Stefan/Will, Michael: Der Vampirfilm. Klassiker des Genres in Einzelinterpretationen. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2006.
adresscomptoir -
Film - Mo, 15. Okt. 2007, 14:32
Wahrscheinlich nur kurz gratis zugänglich:
Le Monde bringt Roger Chartiers Antrittsvorlesung am Collège de France.
adresscomptoir -
HistorikerInnen - So, 14. Okt. 2007, 11:43
In Österreich werden
mittlerweile schon Häuser pensionierter Volksschullehrerinnen ohne Hausdurchsuchungsbefehl von der Polizei gestürmt - Begründung:
Bei ihnen gehen Schwarze aus und ein, wir beobachten Sie schon lange. - und in Frankreich hat sich der neue Präsident vorgenommen, jährlich 25.000 Deportationen durchzuführen; durchaus vorbildlich ist allerdings die Haltung eines Teils der französischen Bevölkerung, wie aus einem Artikel der
NZZ hervorgeht.
adresscomptoir -
Widerstaende - Sa, 13. Okt. 2007, 11:03
Lesenswert: Ein
Interview mit Raul Zelik zu Gewalt, Staat, der Linken und partizipativer Demokratie in Venezuela.
adresscomptoir -
Politik - Sa, 13. Okt. 2007, 10:51
Na, das wäre doch tatsächlich eine feine Sache: Eine Neuauflage der Donnerstags-Demo, gegen rassistische Aufenthalts- und Asylgesetze. Kurt Wendt ruft dazu jedenfalls auf (
Standard/
Presse), Treffpunkt vor dem Bundeskanzleramt, Ballhausplatz, 25.10.2007, 19 Uhr. Schade nur, dass ich da nicht in Wien sein werde.
adresscomptoir -
Politik - Fr, 12. Okt. 2007, 20:43
Tja, ungarisch sollte man können (vielleicht kann ich ja den Ball
Peter Haber von
hist.net zuspielen): Im Nachrichtenmagazin
HVG, das - wie ich der
ungarischen Wikipedia entnehme - mehrheitlich der WAZ gehört, ist ein von
Iván Bedő verfasster Artikel zur Hausnummerierung erschienen, der offensichtlich meine Forschungen aufgreift und zusätzlich noch auf die ungarische Situation eingeht.
Update 22.10.2008: Der Artikel ist auf
Iván Bedős Homepage ohne Zugangsbeschränkungen verfügbar.
adresscomptoir -
Hausnummerierung - Fr, 12. Okt. 2007, 15:30
Marlene Streeruwitz' Rede auf der Bleiberechtsdemo letzten Dienstag in Wien hat sich wohltuend von dem Aufruf dazu unterschieden, der allzu sehr mit dem Allgemein-menschlichen argumentierte. Veröffentlicht findet sie sich auf der Homepage der
AUF (PDF).
adresscomptoir -
Politik - Fr, 12. Okt. 2007, 09:01
Luftpolsterfolie bzw. englisch Bubblewrap heisst also die Plastikfolie, deren mit Luft gefuellte Kammern so schön knallen. Und ist auch schon 50 Jahre alt, wie
ORF Online meldet.
adresscomptoir -
Alltag - Fr, 12. Okt. 2007, 09:00