Der Einsiedlerpark, 1050 Wien - 1
Der Einsiedlerpark wurde in den Jahren 1883 und 1884 in zwei Etappen angelegt: Im ersten Jahr wurde nur der Abschnitt zwischen Einsiedler- und Embelgasse bepflanzt und erst im folgenden Jahr, nachdem die Gemeinde Wien das restliche Grundstück angekauft hatte, konnte auch der Teil zwischen Embelgasse und Obere Amtshausgasse in einen Park umgestaltet werden. Aus einem wenige Jahre zuvor entstandenen Plan geht hervor, daß es ursprünglich beabsichtigt war, auf dem Einsiedlerplatz eine Kirche zu errichten.Benannt wurde der Einsiedlerplatz 1873 nach einer Einsiedelei, die 1763 von Matthäus Käufler gegründet worden war; Käufler fiel zwanzig Jahre später einem Mord zum Opfer. Schon in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts gab es auf der Trasse der heutigen Einsiedlergasse einen Feldweg mit gleichlautender Bezeichnung.
Wie in so vielen anderen kleinen Parks in den Außenbezirken gab es im Einsiedlerpark früher kaum Blumen und nur wenig Rasenflächen. Die Wege waren unbefestigt, was dazu führte, daß die ParkbesucherInnen oft vom aufgewirbelten Staub heimgesucht wurden.
Die Bänke sollen dafür recht bequem gewesen sein, und im Sommer 1928 wurden sogar probeweise vier Tische aufgestellt. Was mit letzteren geschah, ist nicht bekannt; sicher ist nur, daß es in den dreißiger Jahren durchaus vorkommen konnte, daß im Winter die Bänke verheizt wurden. Oft saßen damals Arbeitslose im Park, die Karten oder Schach spielten; manche brachten sogar ihre eigenen Sitzgelegenheiten mit. Ernst Hinterberger erinnert sich: "Vor dem Krieg ist überall Karten gespielt worden, es gab so viele Arbeitslose, die haben dort um Geld gespielt. Der Vater von einem Freund von mir, der war so ein Spieler, der hat im Einsiedlerpark praktisch die Familie ernährt." Auch Jugendliche besuchten gerne den Park, an einer Ecke stand immer eine Partie von zehn, zwölf Burschen mit ihren Rädern.
Quelle: Ilona Schachhuber/Anton Tantner: Parkgeschichten. Wien: Verein "Spiel mit New Games", 1998. [Info]
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Parkgeschichten - Fr, 7. Apr. 2006, 09:33










Der zur Schule gehörende Abschnitt war vom dritten Teil des Parks durch eine Planke abgetrennt; er umfaßte einen Sommerturnplatz und zwei getrennte Schulgärten, einer für die Buben, einer für die Mädchen. Dort wurden schon in den ersten Jahren des Bestehens der Schule landwirtschaftliche Kulturpflanzen angebaut; bei einer kleinen Ausstellung, die von der Knabenhauptschule im Jahr 1935 veranstaltet wurde, konnten die Besucherinnen und Besucher ein Alpinum – also eine kleine Anlage mit Gebirgspflanzen –, ein von den Schülern verfertigtes Glashaus und eine Wetterbeobachtungsstelle bewundern.
Die ersten Bäume am Bacherplatz – er wurde 1871 nach dem vermutlich zwei Jahre zuvor verstorbenen Gärtner und Armenrat Leopold Bacher benannt, dem manche der dort befindlichen Grundstücke gehörten – wurden in den Jahren 1877 – 1879 gepflanzt. In den Jahren darauf wurde der Park angelegt; als er 1884 vollendet wurde, gab es dort schon einen Kinderspielplatz, Hydranten und zwanzig Sitzbänke. Letztere waren in der Regel kleiner als die heutigen, und ihre Zahl wurde permanent erhöht: 1893 waren im Bacherpark schon siebzig Bänke aufgestellt.
