Sehr fein, jetzt gibt es eine eigene Monographie zu Nietzsches Schreibmaschinistentum, rezensiert in der
NZZ:
Eberwein, Dieter: Nietzsches Schreibkugel. Ein Blick auf Nietzsches Schreibmaschinenzeit durch die Restauration der Schreibkugel. Schauenburg: Typoskript-Verlag, 2005.
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Theorie - So, 26. Feb. 2006, 13:21
Donnerstag hat er in München auf der äusserst spannenden Tagung
Information in der Frühen Neuzeit referiert, und der
Freitag bringt eine Rezension seines jüngst auf deutsch erschienen Werks zur Kulturgeschichte:
Burke, Peter: Was ist Kulturgeschichte? Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2005.
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HistorikerInnen - Sa, 25. Feb. 2006, 18:28
Klingt ja bestechend, Klaus Grafs auf
netbib angezeigter Selbstversuch: Man bestelle bei der KB Den Haag einen Benutzerausweis und bekomme damit vom Home-PC aus Zugriff auf eine Reihe wichtiger Datenbanken und Zeitschriftenangebote, wie Historical Abstracts, JSTOR, MUSE usw. Wow!
Heute geht es nach München, wo der Sonderforschungsbereich
Pluralisierung und Autorität in der Frühen Neuzeit morgen und übermorgen eine spannende Tagung zum Thema
Information in der Frühen Neuzeit. Status, Bestände und Strategien veranstaltet, bei der u.a. Peter Becker, Peter Burke, André Holenstein und Justin Stagl referieren. (
Programm) Ich selber werde einen Vortrag zu Adressbüros im deutschsprachigen Raum halten. Da ich als letzter referiere, wird sich ja wohl zeigen, ob da noch überhaupt jemand da sein wird ;-)
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Veranstaltungen - Mi, 22. Feb. 2006, 08:58
Um 1808 ziehen RomantikerInnen wie Friedrich Schlegel und Adam Müller auf der Suche nach Posten nach Wien; gegen Napoleon und dessen Façon von Aufklärung wollen sie kämpfen und sich dafür der kataholischen Großmacht Österreich anschließen. In der Literatur wurde diese romantische Zuzugsbewegung bereits wiederholt als Einzug der Romantiker in Wien1 beschrieben; ungleich seltener wurde beachtet, dass manche Schriftsteller damals aus politischen Gründen Österreich verließen. Dass nicht erst im Vormärz, sondern schon in den Jahren, in denen die Romantiker und Romantikerinnen nach Wien kamen, Intellektuelle, Schriftsteller und Wissenschafter von dort wegzogen beziehungsweise flüchteten, wurde von den Literatur- wie Geschichtswissenschaften zumeist ignoriert, obwohl zeitgenössisch diese intellektuelle Abwanderungsbewegung sehr wohl wahrgenommen und zumindest aus der Perspektive einer habsburgischen Wissenschaftspolitik in der Regel auch gutgeheißen worden war.
Dieser keineswegs homogenen Gruppe von Emigranten wurde von offizieller Seite teils zu Recht vorgeworfen, antipatriotisch und profranzösisch zu sein; ihr gehörten unter anderen Josef August Schultes, János Bacsányi, Johann Andreas Demian, Franz Xaver Huber, Friedrich Ludwig Lindner sowie Johann Georg Wiedemann an.
Die österreichischen Zeitschriften hatten für diese Schriftsteller nur Häme übrig: Welche Lücken hat nun die österreichische Literatur durch diesen Verlust gelitten? und welchen das Vaterland?, so fragte 1810 ein Artikel in den Vaterländischen Blättern, und setzte fort: – Oder ist es nicht viel mehr Gewinn, Menschen entfernt zu wissen, die nur ihr Vaterland lieben, wenn ihm die Sonne des Glücks leuchtet, und die zu einem fremden, feindseligen Interesse übergehen, wenn diese Sonne hinter eine Wolke tritt?2
1 So z.B. bei Wagner, Karl: Der Einzug der Romantiker in Wien und die Wiener Presse, in: Die Kultur. Zeitschrift für Wissenschaft, Literatur und Kunst 9.1908, S. 322–329.
2 Einige Notizen, über die Schriftsteller, welche nach dem letzten Kriege aus den österreichischen Staaten freywillig auswanderten, in: Vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat, 16. März 1810/20. März 1810, Nr.65–67, S. 384 f. Namentlich genannt wurden in diesem Artikel Batsányi, Demian, Huber, Lindner, Wiedemann; Schultes wurde anlässlich eines Neuabdrucks dieses Artikels in dem von Hormayr herausgegebenen Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst angegriffen: Literarische Notizen, in: Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst, 11./13. April 1810, Nr.44/45, S. 196–199 sowie: Einige Worte zur Charakteristik der Zeitschriften und der Zeit, in: Ebd., 16./18. Mai 1810, Nr.59/60, S. 263–268.
Mehr zum Thema: Aspalter, Christian/Tantner, Anton: Ironieverlust und verleugnete Rezeption: Kontroversen um Romantik in Wiener Zeitschriften, in: Aspalter, Christian / Müller-Funk, Wolfgang/Saurer, Edith/Schmidt-Dengler, Wendelin/Tantner, Anton (Hg.): Paradoxien der Romantik. Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft in Wien im frühen 19. Jahrhundert. Wien, Wiener Universitätsverlag, 2006 im Erscheinen, S. 47-120.
In der 1786 erworbenen durch den Fürst Thurn und Taxis erworbenen gefürsteten Grafschaft Friedberg-Scheer wurde 1791 eine Brandversicherungsordnung erlassen. Die Häuser wurden in einem Kataster erfasst, durchnummeriert und im Wert veranschlagt. Sichtbares Zeichen war die neue Hausnummer, die über der Eingangstür mit schwarzen Ziffern angeschrieben werden mußte.
Behringer, Wolfgang: Thurn und Taxis. Die Geschichte ihrer Post und ihrer Unternehmen. München/Zürich: Piper, 1990, S. 257.
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Hausnummerierung - Mo, 20. Feb. 2006, 08:48
Lesenswert, wie immer: Michael Scharang im
Presse-Spectrum zum religiösen Schwachsinn christlicher wie muslimischer Provenienz.
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Politik - So, 19. Feb. 2006, 13:29
Valentin Groebner lobte bei seinem letzten Wien-Aufenthalt diesen Text, und ich kann nur sagen, er hat absolut recht: Der Artikel von
Albrecht Koschorke ist einfach atemberaubend gut, eine witzige und zutreffende Analyse des (nicht nur) deutschen Wissenschaftsbetriebs. Koschorke attestiert dem
System wechselseitiger Begutachtung,
oft zur Reduzierung von Innovation (149) beizutragen, bedauert den
Kursverfall des für die Wissenschaft doch so essentiellen
Inkommunikablen -
In welchem Ranking spielt Konzentration eine Rolle, die eine Tochter des Schweigens ist? (153) -, kritisiert die befristete Juniorprofessur und die Graduiertenkollegs; letztere liefen
auf eine Verschulung der Promotionsphase (154) hinaus. Ganz allgemein sei mit den Reformen der letzten Jahre die
Kontrollgesellschaft (...) in der Wissenschaft angekommen;
Innovation durch Dissens wird
erschwert (155). Und wenn schon eine leistungsgerechte Belohnung von ProfessorInnen, dann nicht mittels Geld, sondern mittels Zeit:
Zeit ist im Wissenschaftsbetrieb die wahrhaft knappe Ressource, und ein Belohnungssystem, das zusätzlich freie Forschungsphasen in Aussicht stellte, würde viel stimulierender wirken (...) (157).
Koschorke, Albrecht: Wissenschaftsbetrieb als Wissenschaftsvernichtung. Einführung in die Paradoxologie des deutschen Hochschulwesens, in: Kimmich, Dorothee/ Thumfart, Alexander (Hg.): Universität ohne Zukunft? Frankfurt am Main: Suhrkamp es 2304, 2004, S. 142-157. [
Rezension (PDF)]
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Wissenschaft - So, 19. Feb. 2006, 12:31
H-SOZ-U-KULT bringt eine Rezension eines anscheinend etwas pessimistisch daherkommenden, nichtsdesotrotz aber verheissungsvoll klingenden Sammelbands:
Epple, Angelika/Haber, Peter (Hg.): Vom Nutzen und Nachteil des Internet für die historische Erkenntnis. Version 1.0. Zürich: Chronos, 2005.
Nun hat auch die Frühneuzeithistorikerin
Susanne Hehenberger ihre persönliche Homepage, ihr
Buch über Sodomie wurde ja hier erst neulich angekündigt. Gespannt darf man sein, welchen Text sich die ausgewiesene Weinkennerin zu ebendiesem wird einfallen lassen.
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HistorikerInnen - Fr, 17. Feb. 2006, 09:10

Susanne Hehenbergers Dissertation über Sodomie ist nun als Buch erschienen und wird am Montag, 6.3.2006 um 19 Uhr im
Depot präsentiert. Aus der Ankündigung:
Sodomie war in der Frühen Neuzeit der theologisch-juristische Sammelbegriff für sexuelle Praktiken, die nicht auf Fortpflanzung zielten und als "widernatürlich" galten. Als Sünde konnte Sodomie gebeichtet und bereut werden, doch als Delikt wurde Sodomie mit strengen Strafen bedroht. Standen bislang vor allem gleichgeschlechtliche Beziehungen im historischen Interesse, so richtet die vorliegende Studie ihren Blick auf die strafrechtliche Verfolgung von heterosexueller Sodomie und Bestialität. Weitgehend aus dem kollektiven Gedächtnis verdrängt ist, dass Menschen bis weit ins 18. Jahrhundert wegen sexueller Praktiken mit Tieren hingerichtet wurden. Die juristische Anweisung, mit der Hinrichtung des Sodomiten und der Tötung des Tieres auch jegliche "memoria" an die Tat auszulöschen, hat langfristige Wirkung entfaltet.
Moderation: Christina Lutter, BMBWK/Universität Wien
Statements zum Buch: Andrea Griesebner, Universität Wien; Alexander Lellek, Löcker Verlag; Susanne Hehenberger, Historikerin
Szenische Lesung aus den Quellen: Elisabeth Frysak, Markus Katzenschläger und Stephan Steiner
Projektionen: Leonhard Weidinger
Hehenberger, Susanne: Unkeusch wider die Natur. Sodomieprozesse im frühneuzeitlichen Österreich. Wien: Löcker, 2006. [
Amazon]
Update 3.4.2010: Die
PDF-Fassung des Buchs steht auf der
Download-Seite des Löcker-Verlags zur Verfügung.
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HistorikerInnen - Mi, 15. Feb. 2006, 09:04