Als "Entfamiliarisierung" kann unter Verweis auf Peter Burkes Einleitung zu seinem Buch über die Geburt der Wissensgesellschaft das Fremdmachen des Vertrauten bezeichnet werden, das Aufzeigen des Willkürlichen am scheinbar Natürlichen.(1) Vielleicht lässt sich diese Methode, besser bekannt auch als "Verfremdung", für eine kritische Geschichtswissenschaft nutzbringend heranziehen: "Einen Vorgang oder einen Charakter verfremden heißt zunächst einfach, dem Vorgang oder dem Charakter das Selbstverständliche, Bekannte, Einleuchtende zu nehmen und über ihn Staunen und Neugierde zu erzeugen."(2) Wer einen Gegenstand so darstellt, als hätte er ihn zum ersten Mal gesehen, wer die Automatisierung der Wahrnehmungsmuster zu durchbrechen versucht,(3) und beispielsweise historische Ordnungssysteme als kontingent, gar als absurd und lächerlich darstellt, zeigt damit auf, dass diese veränderbar sind, dass es Alternativen dazu gab und gibt. Angesichts chinesischer Enzyklopädien wie jener von Borges beschriebenen reagieren wir mit einem Lachen, das "alle Vertrautheiten unseres Denkens aufrüttelt"(4) und das Selbstverständliche in Frage stellt. Wer dies für historische Gegebenheiten akzeptiert, kann den Analogieschluss zur Gegenwart ziehen und auch aktuellen Ordnungssystemen zumindest mit diesem Lachen begegnen, das, wenn es diese schon nicht umstürzt, sie doch zumindest ein bisschen zum Wanken bringt und Alternativen aufblitzen lässt. Dieses Denken kann auch als Musilscher "Möglichkeitssinn" beschrieben werden: "[U]nd wenn man ihm von irgend etwas erklärt, daß es so sei, wie es sei, dann denkt er: Nun, es könnte wahrscheinlich auch anders sein."(5) Erkenntnisse dieser Natur haben es mittlerweile bis in den Mainstream der Frühneuzeitforschung geschafft; beim 1999 abgehaltenen 3. Kongress der Arbeitsgemeinschaft Frühe Neuzeit schloss Wolfgang Reinhard gar mit folgender Huldigung dieser Epoche: "[I]hr Bedeutungsüberschuß besteht (...) in ihrem Angebot an Alternativen, die es gestatten, den Verhältnissen der Moderne kritisch gegenüberzutreten. (...) Demgegenüber hält die Frühe Neuzeit für uns eine Lehre bereit, wenn wir sie denn zur Kenntnis nehmen wollen: Es ging auch anders!"(6)
Soviel einhelliges Lob macht denn auch wieder skeptisch: Könnte es sein, dass die "Entfamiliarisierung", das Fremd machen und Fremd werden des Vertrauten nicht geradezu eine typische Erfahrung und zugleich überlebensnotwendige Aufgabe für uns neoliberale Subjekte ist, von denen ja geradezu verlangt wird, auf Veränderungen möglichst flexibel und kreativ zu reagieren? Wie auch immer: Das Lachen werden wir brauchen können.
(1) Burke, Peter: Papier und Marktgeschrei. Die Geburt der Wissensgesellschaft. Berlin: Wagenbach, 2001, S. 10.
(2) Brecht, Bertolt: Über experimentelles Theater, in: Ders.: Gesammelte Werke, Bd. 15., Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1967, S. 285-305, hier 301.
(3) Šklovskij, Viktor: Die Kunst als Verfahren, in: Striedter, Jurij (Hg.): Texte der russischen Formalisten. Band I. Texte zur allgemeinen Literaturtheorie und zur Theorie der Prosa. (=Theorie und Geschichte der Literatur und der schönen Künste. Texte und Abhandlungen; 6/1). München: Fink, 1969, S. 3-35. Die Vorgeschichte dieser Methode hat Carlo Ginzburg dargestellt: Ginzburg, Carlo: Verfremdung. Vorgeschichte eines literarischen Verfahrens, in: Ders.: Holzaugen. Über Nähe und Distanz. Berlin: Wagenbach, 1999, S. 11-41.
(4) Foucault, Michel: Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der Humanwissenschaften. Frankfurt am Main: Suhrkamp stw 96, 12.Aufl., 1994, S. 17.
(5) Musil, Robert: Der Mann ohne Eigenschaften. Roman. I. Erstes und zweites Buch. Reinbek: rororo 13462, 2000.
(6) Reinhard, Wolfgang: Kommentar, in: Münch, Paul (Hg.): "Erfahrung" als Kategorie der Frühneuzeitgeschichte. (=Historische Zeitschrift. Beihefte; NF 31). München: Oldenbourg, 2001, S. 471-475, hier 474f.
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Theorie - Di, 19. Jul. 2005, 08:56
Ich schätze sie sehr, die wenigen profranzösischen Intellektuellen, die zuerst die französische Revolution und später dann Napoleon unterstützten.
Carl Friedrich Cramer (1752-1807) war einer von ihnen, die Zeit bringt anlässlich des 14. Juli ein Porträt. Was in der Onlinefassung im Gegensatz zur Printfassung (Die Zeit, 29/2005, S.86) fehlt: Der Hinweis auf eine Neuerscheinung zu Cramer:
Schütt, Rüdiger (Hrsg.): "Ein Mann von Feuer und Talenten": Leben und Werk von Carl Friedrich Cramer. Göttingen: Wallstein, 2005.
Der Witzfaktor ist über die fast 150 Jahre, die dieses Blatt alt ist, so gut wie verloren gegangen, aber vielleicht können ja ExpertInnen für das 19. Jahrhundert diesen wieder herstellen: In der satirischen, für ihren Antisemitismus berüchtigten Zeitschrift Kikeriki erschien anlässlich der Einführung der Orientierungsnummern in Wien obige Karikatur (für ein größeres Bild bitte darauf klicken).
Kikeriki. Humoristisches Volksblatt, 25.12.1862, S.4. Auf
Anno ist derzeit nur der Jahrgang 1881 verfügbar. Dank an Sabine Schweitzer für den Hinweis.
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Hausnummerierung - Sa, 16. Jul. 2005, 08:21
Die aktuelle Ausgabe der Sehepunkte bringt in ihrem
Forum nicht nur eine Reihe von Beiträgen zu Götz Alys Hitlers Volksstaat, sondern auch eine
Rezension von Holger Bönings Buch zur periodischen Presse in Hamburg und Altona zur Zeit der Aufklärung, worunter auch die
Hamburgischen Adreß-Comtoir-Nachrichten zählen:
Böning, Holger: Periodische Presse. Kommunikation und Aufklärung. Hamburg und Altona als Beispiel. Bremen: Edition lumière, 2002.
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Adressbueros - Fr, 15. Jul. 2005, 17:25

Im Oktober 2003 fand in München die Tagung
Making History. Positionen und Perspektiven kritischer Geschichtswissenschaft statt. Nun ist der dazugehörige Band erschienen, der einen Beitrag von mir zur Utopie des militärischen Wohlfahrtsstaats unter Joseph II. enthält.
Das Inhaltsverzeichnis:
Einleitung (7-14)
Philip Bauer, Richard Heigl, Petra Ziegler
Geschichte wird gemacht - geht sie voran? Leo Kofler und die Dialektik der Geschichte (15-32)
Christoph Jünke
Parteilichkeit und Objektivität (33-60)
Wolfgang Fritz Haug
Film als historische Forschung (61-86)
Olaf Berg
"Alles was uns fehlt, ist die Solidarität". Geschichtsschreibung und soziale Bewegung (87-113)
Richard Heigl, Anja Ebersbach
"Täglich grüßt das Murmeltier." Für eine 'Geschichte von unten' der radikalen Linken (114-132)
Bernd Hüttner
An Boden gewinnen. Perspektiven der Sozialgeschichte (133-143)
Marcel van der Linden
Bizarre Autonomie: Turmuhren, Stoppuhren und Fabrikarbeit in Dänemark bis ca. 1973 (145-171)
Peter Birke
Die soziale Frage aus Sicht des Militärs. Seelenkonskription, Hausnummerierung und militärischer Wohlfahrtsstaat in der Habsburgermonarchie (173-191)
Anton Tantner
"Dokumentation und Aktion" - Möglichkeiten geschichtspolitischer Intervention am Beispiel der Traditionspflege deutscher Gebirgsjäger (193-212)
Ralph Klein, Regina Mentner, Stephan Stracke
Heigl, Richard/Ziegler, Petra/Bauer, Philip (Hrsg.): Kritische Geschichte - Perspektiven und Positionen. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag, 2005. ISBN 3-937209-94-8 [
Info, Preprint der
Einleitung (RTF)]
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Theorie - Fr, 15. Jul. 2005, 08:44
In der Zeitschrift Social Epistemology ist ein anregender Artikel erschienen, verfasst vom Sozialanthropologen F. Allan Hanson. Darin beschäftigt er sich mit dem computerbedingten Wandel von der klassifizierenden zur indexikalischen Weltsicht: Im Zeitalter der Klassifikation wurden partikulare Wissenseinheiten in ein vorgegebenes Schema eingeordnet, wer neues Wissen schuf, musste dieses der Struktur des hergebrachten Wissens hinzufügen. Charakteristisch an der Klassifikation war, dass sie Ideen über bedeutungsvolle Beziehungen zwischen zu klassifizierenden Informationseinheiten beinhaltet; genau daran scheitern, so Hanson, zumeist computergestützte Versuche, Wissen zu klassifizieren, da künstliche Intelligenz nur Bedeutungen behandeln können, die explizit geäussert werden und eindeutig sind; mit Metapher, Satire oder Mehrdeutigkeiten können sie nur schwer umgehen.
Um wie viel leichter sei es demgegenüber, maschinell Indizes anzulegen, da ein Index nichts über die Beziehungen zwischen verschiedenen Informationseinheiten aussage, sondern schlicht auf diese verweise. Kann die Klassifikation mit einer Baumstruktur verglichen werden, ist die Indizierung mit Deleuze/Guattari als Rhizom aufzufassen. In der indexikalischen Weltsicht heißt Informationen zusammentragen, das existierende Wissen nach dem zu sieben, was für die eigenen Interessen relevant ist; Schlussfolgerungen können nun zunehmend auf Grundlage von Fakten und Konzepten gezogen werden, die davor nie in dieser Art kombiniert wurden. Flexibel, kontingent und weltaufgeschlossen, so charakterisiert Hanson die indexikalische Weltsicht; die Technik der Stichwortsuche sei mit einer problemorientierten, interdisziplinären Forschung höchst kompatibel. Sicher, man muss nicht so weit gehen wie der Autor und das nichtssagende Schlagwort
Postmoderne auf die indexikalische Weltsicht anwenden; bedenkenswert bleiben seine recht klar formulierten Überlegungen allemal.
HANSON, F. Allan: From Classification to Indexing: How Automation Transforms the Way We Think, in: Social Epistemology, 18, 4/2004, S. 333-356. [kostenpflichtiger Artikel bei Ingenta, billigere Bestellung bei Subito]
Markus Binder von Attwenger hat ein Buch veröffentlicht und der Standard
berichtet darüber:
BINDER, Markus: Testsiegerstraße. Short + very short Stories. Berlin: Verbrecher Verlag, 2005. [
Verlagsinfo,
Textprobe]
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Belletristik - Mi, 13. Jul. 2005, 13:36
Bereits wenige Jahre nach Eröffnung des Pariser
Bureau d’adresse (ca. 1630-1643) gibt es in der Habsburgermonarchie die Möglichkeit, eine vergleichbare Institution zu installieren. Es ist Johannes Angelus de Sumaran, Professor für fremde Sprachen an der Universität Wien, der 1636 darum ansucht, eine so genannte
offentliche fragstuben einzurichten. In seinem Gesuch skizziert er die Aufgaben einer solchen Fragstube: Sie solle nicht nur als Verkaufsagentur für Güter sowie der Wohnungs- und Arbeitsvermittlung dienen, sondern darüber hinaus die Funktion eines Debattierklubs, wenn nicht gar einer Akademie übernehmen: Jede Woche solle über eine der einkommenden neuen Nachrichten eine Diskussion veranstaltet werden, durchaus vergleichbar mit den Vorträgen, die das Pariser Vorbild wöchentlich abhält. Allein, Sumarans Vorschlag wird abgelehnt, weil die theologische Fakultät der Universität Wien diesen negativ begutachtet: Die Fragstube widerspräche der Würde der Universität, die traditionell mit Arbeitsvermittlung beschäftigten Agenten und Agentinnen würden um ihren Verdienst gebracht werden, so lauten die Argumente. In ihrer Ablehnung versteigt sich die Fakultät sogar soweit, die Fragstube als
Zuchtstätte der Sünde zu bezeichnen.
Zur Geschichte des Wiener Fragamtes, in: Wiener Communal-Kalender und städtisches Jahrbuch, 31.1893, S. 419-426, Zitat S. 420; zu Sumaran sind kaum biographische Daten bekannt, vgl. BRUZZONE, Barbara: Fremdsprachen in der Adelserziehung des 17. Jahrhunderts: Die Sprachbücher von Juan Angel de Sumarán, in: GLÜCK, Helmut (Hg.): Die Volkssprachen als Lerngegenstand im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Akten des Bamberger Symposions am 18. und 19. Mai 2001 Berlin/New York: Walter de Gruyter, 2002, S. 37-45.
Update 8.7.2008: Die entsprechenden Akten sind zu finden in: Universitätsarchiv Wien, Kodex Th 16: Acta Facultatis Theologicae IV 1567-1666, f.289,r - 291a,r; f.291b,v - 292b,v (Einträge vom 27.10.1636 und 23.11.1636).
Update 18.11.2011:
http://adresscomptoir.twoday.net/stories/49616282/
#FragamtWien
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Adressbueros - Mi, 13. Jul. 2005, 09:18
Im Juni 2003 wurde im niederösterreichischen Wolkersdorf eine Ausstellung eröffnet, die Feiern und Feste im 20. Jahrhundert zum Thema hatte und die von StudentInnen im Rahmen einer von Stefan Eminger und Ernst Langthaler am Wiener Institut für Zeitgeschichte geleiteten Lehrveranstaltung erarbeitet wurde.
Nun wurde das damals präsentierte Material nochmals in einer Lehrveranstaltung verwendet, und zwar im Kurs "Web-Design für HistorikerInnen", geleitet von
Bettina Kann. Drei studentische Arbeitsgruppen waren am Werk und haben je unterschiedliche Präsentationen fertig gestellt, die nun im Netz zu sehen sind:
Gruppe 1,
Gruppe 2,
Gruppe 3.
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Oesterreich - Di, 12. Jul. 2005, 09:17

Stefan Emingers Dissertation über das österreichische Gewerbe 1930-1938 ist nunmehr als Buch erschienen. Im Kapitel
Antisemitismus als Integrationsvehikel schreibt der Autor:
Wie schon erwähnt, waren antisemitische Tendenzen im österreichischen Gewerbe der Zwischenkriegszeit weit verbreitet, und schon vor der Etablierung der bürgerlichen Diktatur schwollen sie insbesondere zur Zeit des christlichen Weihnachtsfestes an, um danach wieder zurückzugehen.[Fn] In der Gewerbepresse waren bis etwa 1936 antijüdische Ausfälligkeiten noch relativ selten zu finden, seit Herbst 1936 ist eine deutliche Zunahme der antisemitischen Agitation v.a. in Wien und teilweise auch in Niederösterreich konstatierbar. Eine weitere signifikante Steigerung des halb-offiziellen Antisemitismus des ÖGWB [Österreichischer Gewerbebund] bedeutete die auch im Ausland Aufsehen erregende Boykottaktion der Wiener Ortsgruppe Alsergrund "Christen, kauft bei Christen!",[Fn] und diese intensive antisemitische Propaganda wurde bis zum "Anschluss" beibehalten und von den Nationalsozialisten dann bruchlos weitergeführt.
Die Stadtgruppe Wien des ÖGWB unter ihrem Obmann Vizebürgermeister Dr. Josef Kresse knüpfte an die judenfeindliche antikapitalistische und antimarxistische katholische Soziallehre Karl von Vogelsangs an und orientierte sich ostentativ an der antisemitischen Agitation Luegers.[Fn] Die judenfeindliche Tradition im Wiener Gewerbe, die in den Zwanziger und Anfang der Dreißiger Jahre im Deutschösterreichischen Gewerbebund etwas zurückgestellt worden war, wurde nun wieder öffentlich gepflegt, und durch die schärfere Akzentuierung eines gemeinsamen Feindbildes sollte auch der seit der organisatorischen Vereinheitlichung forcierten Fraktionierung des "bodenständigen Gewerbes" entgegengewirkt werden.
Die Ausgrenzung von Gewerbetreibenden, die vom ÖGWB als nicht "bodenständig" definiert wurden, äußerte sich in Wien und Niederösterreich schon in der Weigerung, diese Menschen in den ÖGWB aufzunehmen.[Fn] Der Wiener Obmann Kresse sagte das ganz offen: "Nie werde ich dulden, daß sich Elemente auf Kosten der bodenständigen und ehrlich arbeitenden Kollegen bereichern. Und ich lehne es ab, die Zahl der Gewerbebundmitglieder mit derartigen Fremdlingen zu vermehren."[Fn] Mit diesem Ausschluss waren handfeste wirtschaftliche Benachteiligungen verbunden. Denn ohne Mitgliedschaft beim ÖGWB war eine Beteilung mit den begehrten öffentlichen Lieferaufträgen sehr unwahrscheinlich,[Fn] und auch die Bekleidung einer Funktion im Pflichtverband des Gewerbes, dem BDÖG [Bund der österreichischen Gewerbetreibenden], war damit vereitelt. Offenkundig galt diese antisemitische Norm auch für die 730 Beamten des BDÖG. Denn im Zuge der "Säuberungsaktionen" in den Bünden nach dem "Anschluss" konnten die Nationalsozialisten feststellen: "Juden waren beim Gewerbebund nicht beschäftigt."[Fn]
EMINGER, Stefan: Das Gewerbe in Österreich 1930-1938. Organisationsformen, Interessenpolitik und politische Mobilität. Innsbruck/Wien: Studienverlag, 2005, S. 181f.
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Oesterreich - Di, 12. Jul. 2005, 08:59
In
dieUniversität: Ein Gastbeitrag von Ela Hornung und Irene Bandhauer-Schöffmann über die politische Instrumentalisierung der "Trümmerfrauen". Die Langfassung des Vortrags gibt's
hier (PDF).
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Oesterreich - Mo, 11. Jul. 2005, 09:02
In Zürich war ich Anfang Mai dieses Jahrs, anlässlich einer von den Schweizer Big Brother Awards organisierten Veranstaltungsreihe mit dem schönen Titel
Frühlingsüberwachen. Als ich zum ersten Mal durch die Zürcher Straßen ging, dachte ich zunächst, dass die Stadt hausnummernmäßig uninteressant wäre: Gut, es gibt recht viele Hausnamen an den Häusern, aber eben keine Reste von historischen Hausnummern. Erst ein Besuch des
Strauhofs, in dem eine Canetti-Ausstellung gezeigt wurde, belehrte mich eines besseren: An der Innenseite der Tür befindet sich eine dreistellige Nummer, und auch in einem anderen Gebäude entdeckte ich dann eine solche Nummer. Ein Besuch im
Zürcher Stadtarchiv brachte Aufklärung: Es handelt sich um die so genannten
Assekuranznummern oder
Brandkatasternummern, die im Zusammenhang mit der Brandschutzversicherung eingeführt wurden und bis ins Jahr 1865 zur Orientierung in der Stadt dienten. Dann wurden neue, straßenweise anzubringende Hausnummern eingeführt, die
Polizeinummern hießen. Die
Verordnung betreffend polizeiliche Nummerirung der Häuser datiert vom 11. Februar 1865 und legt das Aussehen der neuen Nummern fest: Blaue Tafeln mit weißer Schrift waren es, die
in angemessener Größe an den Hausmauern zu befestigen sind. Die Finanzierung erfolgte durch die Stadt; nur in Zukunft, wenn neue Nummern anzubringen oder beschädigte zu ersetzen waren, ist von den HauseigentümerInnen eine Vergütung von 1 1/2 Franken zu verlangen. Die Assekuranznummern blieben erhalten, konnten jedoch an eine andere Stelle, zum Beispiel in den Hausgang verlegt werden.
Verordnung betreffend polizeiliche Nummerirung der Häuser, 11.2.1865, in: Amtliche Sammlung der seit Annahme der Gemeindeordnung vom Jahr 1859 erlassenen Verordnungen und wichtigeren Gemeindebeschlüsse der Stadt Zürich. Zürich: J.J. Ulrich, 1869, Bd. 3, S. 40-42.
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Hausnummerierung - So, 10. Jul. 2005, 12:02
Zuletzt ist er ja durch recht jenseitige Meldungen aufgefallen, und seine Liebe zur Atombombe teile ich auch nicht. Nun ist er 60, und sein Verleger Klaus Bittermann
gratuliert an, nun ja, delikater Stelle.
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Politik - Sa, 9. Jul. 2005, 14:03