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Freitag, 19. August 2005

Der Hausnummernstreit zu Beuren, 1768

Genauso wie in Tirol, wird auch in Vorderösterreich die Hausnummerierung 1767 angeordnet. Bis die Häuser aber tatsächlich nummeriert sind, verstreicht einige Zeit; im Dorf Beuren in der Nähe von Ulm, zum Kartäuserkloster Buxheim gehörig, dauert es bis in den Oktober 1768, als der dortige Bader Johann Georg Wauthier damit beginnt, die Häuser durchzunummerieren. Beim Haus des Schreiners Johann Mayrhoffer stößt er allerdings auf Widerstand: Die Frau des Schreiners, Franziska Jehlin, ruft ihm zu, dass ihr Mann (...) befohlen [habe], wann der Bader komme, so solle sie ihm nur sagen, er lasse an sein haus keinen Numerum machen; Wauthier bringt aber trotzdem die Nummer an. Als der Hausnummerierer am Abend das Wirtshaus betritt, wird er vom dort ebenfalls befindlichen Schreiner als Spitzbub beschimpft, woraufhin Wauthier letzterem eine Ohrfeige gibt. Umgehend führt dies zu einer gröberen Rauferei, in deren Verlaufe Wauthier in den Finger gebissen und am Fuß verletzt wird. Mayrhoffer zerstört im Anschluss noch die Nummer an seinem Haus, scheint sich dann aber doch bald eines besseren zu besinnen: Er verantwortet sich damit, betrunken gewesen zu sein und bittet den Bader, die Nummer wieder am Haus anzubringen; letzterer gibt zumindest gegenüber dem Amtsmann an, dass er Mayrhoffer alles verzeihe. Ob die Episode noch weitere Folgen für den unbotmäßigen Schreiber hat, ist unbekannt; sicher ist nur, dass der Schreiner mehr als 200 Jahre später zu Theaterehren kommen wird, da die geschilderte Begebenheit als Theaterstück aufgeführt wird.

Österreichisches Staatsarchiv/Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Wien, Bestand Kabinettsarchiv, Staatsratsprotokolle, Bd. 32 (1769/III), Nr. 2477: Ah. Resolution zu Vortrag der Hofkanzlei vom 30.6.1769, 20.7.1769; diese Resolution auch in Österreichisches Staatsarchiv/Kriegsarchiv, Wien, Bestand Hofkriegsrat 1769/89/398; 1770/74/161 N°4 sowie Österreichisches Staatsarchiv/Allgemeines Verwaltungsarchiv, Wien, Bestand Hofkanzlei, VII A 4 Böhmen, Kt. 1964, 211 ex Oktober 1769, f. 70r-72r; MATZKE, JOSEF/HILLER, JOSEFA: Beuren an der Biber. Geschichte eines schwäbischen Dorfes. Weißenhorn: Anton H. Konrad, 1985, S. 22f., Zitate 22. Dank an Manfred Eichhorn für diesen Hinweis. EICHHORN, MANFRED: Johann Meyerhofer oder Die Einführung der Hausnummern. Eine Bauernkomödie. Weinheim: Deutscher Theaterverlag, 1994.

Raul Zelik, die Linkspartei und Berliner Verhältnisse

Raul Zelik schätze ich sehr; nicht nur, dass er ein guter politischer Analytiker ist - heute z.B. schreibt er im Freitag über die deutsche Linkspartei, und auch sein Buch über Venezuela ist sehr empfehlenswert -, ist er ein hervorragender Literat; besonders gut haben mir seine Erzählungen Grenzgängerbeatz gefallen. Nun hat er einen neuen Roman mit dem Titel Berliner Verhältnisse veröffentlicht, der in der FAS wohlwollend rezensiert wird.

Zelik, Raul: Berliner Verhältnisse. Unterschichtenroman. München: Blumenbar, 2005.

Walter Benjamin Archiv

An der Akademie der Künste in Berlin wurde ein Walter Benjamin Archiv errichtet, das - finanziert durch Jan Philipp Reemtsma - erstmals die verschiedenen Teilnachlässe zusammenführt; einen Überblick über die verworrene Geschichte der Benjamin-Edition sowie des Nachlasses liefert der Freitag in seiner heutigen Ausgabe. Eine eigene Homepage des Archivs gibt es (noch) nicht, nur eine Pressemitteilung mitsamt einem Foto von Benjamins Reisepaß.