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Ebenfalls durchaus hörenswert,...
Ebenfalls durchaus hörenswert, die in der Diagonal-Ausgabe...
adresscomptoir - 2022/10/25 22:33
Guardian: listed status...
Guardian: listed status für 6 Denmark Street - https://www.theguardian.co m/music/2016/mar/22/sex-pi stols-house-denmark-st-lon don-listed-status
adresscomptoir - 2022/09/09 09:53

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Adressbueros

Donnerstag, 24. November 2011

Becker, Irmgard Christa (Hg.): Die Stadt als Kommunikationsraum

Frisch erschienen, mit einem Beitrag von mir zum Bureau d'adresse, den ich auf Verlangen gerne als PDF verschicke:

Becker, Irmgard Christa (Hg.): Die Stadt als Kommunikationsraum. Reden, Schreiben und Schauen in Großstädten des Mittelalters und der Neuzeit. (=Stadt in der Geschichte. Veröffentlichungen des Südwestdeutschen Arbeitskreises für Stadtgeschichtsforschung; 36). Ostfildern: Thorbecke, 2011. 216 S., 29 Euro, ISBN 978-3-7995-6436-6 [Verlags-Info]

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort

Irmgard Christa Becker
Die Stadt als Kommunikationsraum - Eine Einführung

I. DIE STADT ALS BÜHNE – URBANE HERRSCHAFT ALS KOMMUNIKATIVER PROZESS

Clemens Zimmermann
Zurück zum Sozialen? Stadtgeschichtsforschung zwischen den Kategorien Gesellschaft, Kultur und Medien

Harriet Rudolph
Adventus imperatoris. Mechanismen und Gehalt der politischen Kommunikation bei Kaisereinzügen im Reich

André Krischer
Politische Kommunikation und Öffentlichkeit in London. Zur Entwicklung einer Großstadt im 17. Jahrhundert in mediengeschichtlicher Perspektive

II. DIE (GROSS)STADT ALS INSZENIERUNGSRAUM – MASSENVERANSTALTUNGEN ALS KOMMUNIKATIONSPROZESS

Karl Vocelka
Religiöse Zeremonien in der Öffentlichkeit am Beispiel des barocken Wien

Franz J. Bauer
Via dell’Impero. Der Raum, die Leere und die Einsamkeit der Monumente in Mussolinis Rom

Marie Antoinette Glaser
Die Baustelle als Inszenierung im öffentlichen städtischen Raum

Bernd Reichelt
Das Spiel mit der Macht. Fußballspiele als urbaner Inszenierungsraum am Beispiel Saarbrücken

III. DIE STADT ALS LEBENSWELT – BÜRGER/INNEN UND DER URBANE KOMMUNIKATIONSRAUM

Anton Tantner
Die Register des Büros. Anonymisierung und Medialisierung sozialer Beziehungen im Bureau d’adresse, Paris 1630–1643

Martin Scheutz
Injurien, Rebellion und doch auch das feuchtfröhliche Vorzimmer der Macht. Wirtshäuser als Orte der Kommunikation in der Frühen Neuzeit

Henry Keazor
Art and the City. Monumente, Architektur, Urban Art

Freitag, 18. November 2011

Das Wiener Fragstuben-Projekt des Johannes Angelus de Sumaran

Demnächst erscheint in den "Wiener Geschichtsblättern" ein Beitrag von mir zum Wiener Fragamt, der sich auch mit dessen Vorgeschichte beschäftigt und eine Passage zu einem 1636 gescheiterten Adressbüro-Projekt enthält (vgl.):

In Wien ergab sich bereits wenige Jahre nach Eröffnung des Pariser Bureau d’Adresse die Möglichkeit, eine vergleichbare Institution zu installieren. Die Initiative dazu ging von einem gewissen Johannes Angelus de Sumaran (auch: Juan Àngel de Zumaran) aus, einem Sprachlehrer, zu dem nur wenige biographische Angaben bekannt sind: Geboren wohl Ende des 16. Jahrhunderts in der baskischen Provinz Guipúzcoa,1 entstammte er einer adligen Familie und hatte sich in Brüssel aufgehalten, bevor er sich im Oktober 1612 an der Universität Ingolstadt zum Studium der Rechte immatrikulierte.2 Seit Anfang der 1610er Jahre unterrichtete er Spanisch, Italienisch und Französisch sowie Tanzen;3 ab 1617 veröffentlichte er mehrere Sprachlehrbücher und bezeichnete sich in einem davon – einer 1620 erschienenen Grammatik – als „Sprachmeister in München“.4 1622 tauchte er in Wien auf und wird in den Matrikeln der hiesigen Universität als „prof. linguarum“ angeführt;5 zwei oder drei Jahre später lernte Sumaran den spanischen Botschafter am kaiserlichen Hof, Francisco de Moncada kennen und nahm eventuell an der Belagerung von Breda teil (1624/1625).6 Die folgenden Jahre verbrachte Sumaran als Sprachlehrer an der Universität Ingolstadt7 und spätestens ab 1633 befand er sich wieder in Wien,8 wo er 1634 eine spanische und deutsche Grammatik veröffentlichte.9 Sein mutmaßlicher Sohn – Matthias Rudolf de Sumaran – hatte sich, aus München kommend, 1626 in die Universität Ingolstadt zum Studium der Grammatik eingeschrieben10 und heiratete Katharina Rowenský von Libanberg.11 Er war ebenfalls Sprachlehrer und fungierte 1648/1649 als Kammersekretär Ferdinands IV.12
Besagter Johannes Angelus de Sumaran suchte im Herbst 1636 bei Erzherzog Leopold Wilhelm darum an, für sich und seine Familie ein Privileg für eine offentliche fragstuben zu erlangen.13 In seinem Gesuch, das er als Professor Linguarum dieser Universitet in Wienn unterschrieb,14 verwies er zunächst darauf, dass es bereits in vielen fremden Ländern und Städten gewisse tabernen oder öffentliche stuben gäbe. Wer etwas kaufen oder verkaufen wolle, könne sich dort anmelden und nach allen sachen fragen. In nicht mehr als in einer viertl stundt würden sie erfahren können, ob sich ihr Begehren befriedigen ließ. Da Sumaran erwähnte, dass er in den Gebrauch solcher Einrichtungen woll erfahren wäre, ist zu vermuten, dass er diese unter anderem dazu verwendete, um seine Dienste als Sprachlehrer anzubieten; als explizites Vorbild führte er Paris an, wo ein Doctor Medicinae – also Renaudot – dises neulich inventiret hätte.15
Die Fragstube sollte zunächst als Verkaufsagentur für bewegliche und unbewegliche Güter – z. B. hershafften, mühlen, heuser, höff, wein, traidt, haber, clainodien, silber, goldt, Ross, Viech, Wagen – dienen. Von jedem Kaufs- oder Verkaufswilligen sollten sechs Kreuzer Einschreibungsgebühr verlangt werden, explizit waren auch Frauen als Benützerinnen vorgesehen. Sumaran schlug weiters vor, dass die neue Einrichtung als eine Art Meldeamt beziehungsweise Auskunftsbüro über Aufenthaltsort und Leumund der StadtbewohnerInnen verwendet werden könnte: Mit ihrer Hilfe könnte man erfahren, was für Leute in der Stadt seien, wo sie herkämen, was ihr thuen und lassen sey, wo sie wohnen, undt mit wem sie sich aufhalten und von welchem Schlag sie seien. Auch sollte Arbeitsvermittlung betrieben werden: Leute, die promoviert werden wollten, könnten in der Fragstube ihre Namen samt Wohnstätte und Fähigkeiten einschreiben lassen, während auch Namen und Ort derjenigen Herrn oder Frauen, die solliche leith begehren, registriert werden sollten. Zu den weiteren Dienstleistung zählte die Wohnungsvermittlung: Wan frembde leuth herkhomen undt wollten gern auf ein Zeit ein khost oder mobiliertes Zimmer haben, so könnten sie dieses zugewiesen bekommen.16
Darüber hinaus schlug Sumaran vor, dass die Fragstube die Funktion eines Debattierklubs, wenn nicht gar einer Akademie übernehmen könnte: [A]llerley sprachen und freye künsten sollten dort ausgeübt werden, und wöchentlich sollte eine Diskussion über eine der neuen Nachrichten veranstaltet werden. Jeder – insbesondere geschikte, wollgeraiste undt belesene leüth – sollte seine Meinung sagen können und dabei von niemanden ausgelacht werden. Der discurs sollte aufgeschrieben werden und bei der Fragstube verbleiben. Dies wäre durchaus mit den Vorträgen des Pariser Vorbildes vergleichbar gewesen, die ebenfalls wöchentlich abgehalten wurden und anschließend in Druck erschienen. Außerdem kann die Fragstube als Nachrichtenbörse betrachtet werden, in der allerley Zeittungen zu erfindten und zu erfahren wären, da man dort von allen möglichen Orten correspondenzen und particularien empfangen würde.17 – Die erwähnten Angebote deckten nicht alle Dienstleistungen ab, die Sumaran anzubieten gedachte; vill anderer dergleichen nutzbarkheiten würden durch die Fragstuben dem gemainen Wesen zu guetten khommen, allein, es fehlte Sumaran an Platz, diese näher auszuführen.18
Ausreichend Raum nehmen in Sumarans Plan allerdings Beschuldigungen gegen die traditionellen Mittler von Dienstleistungen ein: Durch seine Einrichtung könnten schedlich[e] Partitamacher (d.h. Geschäftemacher)19 sowie allerley herumbstertzende Juden, undt Landtlauffer, die khein Gewerb treiben oder alhie hausgesessen sein, abges[c]haft20 werden; in seinem Adressbüro sollte kein Wucher, wie ihn ansonsten Juden undt Christen pflegen, betrieben werden.21 Außerdem würde sein Angebot den Zwischenhandel ausschalten und sich gegen Unterhandler und leitbetrieger richten.22 Insbesondere abgesehen hatte es Sumaran auf die schädlichen Zubringerinnen, d. h. Dienstbotenvermittlerinnen – ein dekhmantl alles Übels –, bei denen sich allerlei gesindl aufhalte und die in den Häusern hin und her liefen, Frauen, Töchter und Mägde verführten, einen Dienst anzunehmen und bald wieder aufzugeben. Diese könnten nun in ihrer Tätigkeit eingeschränkt werden, da mittels des Protokolls der Arbeitssuchenden niemand anderer als ein Zetl die arbeitssuchende Person an die Dienststelle vermitteln würde.23
Sumarans Vorschlag wurde abgelehnt, da die theologische Fakultät der Universität Wien ihn negativ begutachtete: Sie stellte zum einen Sumarans universitären Status als Professor der Sprachen in Frage, da diesen nur jene, die Hebräisch oder Griechisch lehrten, in Anspruch nehmen könnten; zum anderen behauptete sie, dass zwischen den Universitätsangehörigen und dem Vorsteher der Fragstube Zwist und Streitigkeiten zu befürchten wären und dass das aus der Vermittlungstätigkeit erzielte Einkommen nicht dem Staat, sondern nur dem Vorsteher zu Gute kommen würde. Als weiteres Argument führte die Fakultät an, dass die traditionell mit Arbeitsvermittlung beschäftigten Agenten und Agentinnen um ihren Verdienst gebracht und daraus Hass und Missgunst erwachsen würden. Auch wurde befürchtet, dass die Tätigkeit der Verkaufsagentur zu Betrügereien führen könnte, da potenzielle Verkäufer sich unter falschen Namen in die Register einschreiben lassen könnten. Überhaupt wäre es unwahrscheinlich, dass ein und dieselbe Institution ein so breites Spektrum an Dienstleistungen anbieten könnte; vielmehr würde eine solche Fragstube einer Chymäre gleichen. Und schließlich bestünde in der Fragstube eine Gefahr für die Seelen dadurch, dass dort Dienstboten und Dienstmädchen mit Herrschaften und Damen so häufig zusammenkämen. In ihrer Ablehnung verstieg sich die Fakultät sogar soweit, die Fragstube als „Zuchtstätte der Sünde“ (seminarium peccatorum) zu bezeichnen.24 – Diese negative Haltung der theologischen Fakultät belegt, als wie anstößig die potenzielle Einrichtung einer Vermittlungsstätte, in der die verschiedenen Klassen der Gesellschaft aufeinandertrafen, wahrgenommen wurde. Die Beschwerden über die traditionellen MittlerInnen waren zwar vorhanden, reichten jedoch nicht aus, die fragstube als wünschenswerte Alternative dazu aufzubauen; nicht zuletzt wurde sie in ihrem Bestreben, Aufgaben einer Akademie zu übernehmen, als Konkurrenz zur Universität wahrgenommen.25

1 Wippich-Roháčková, Katrin: „Der Spannisch Liebende Hochdeutscher“. Spanischgrammatiken in Deutschland im 17. und frühen 18. Jahrhundert. Hamburg: Buske, 2000, S. 85.
2 Pölnitz, Götz (Hg.): Die Matrikel der Ludwig-Maximilians-Universität Ingolstadt-Landshut-München. Teil I, Bd. 2, 1. Halbband: Ingolstadt 1600–1650. München: J. Lindauersche Universitätsbuchhandlung, 1939, Sp. 238.
3 Bruzzone, Barbara: Fremdsprachen in der Adelserziehung des 17. Jahrhunderts: Die Sprachbücher von Juan Angel de Sumarán, in: Glück, Helmut (Hg.): Die Volkssprachen als Lerngegenstand im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Akten des Bamberger Symposions am 18. und 19. Mai 2001 Berlin/New York: Walter de Gruyter, 2002, S. 37–45, hier 37.
4 Sumaran, Juan Angel de: Nothwendiger aber doch kurtzer Underricht für die Teutschen welche begeren Italienisch zu lernen. o. O.: o. V., 1620. Strahovská knihovna, Prag, Signatur AC XIV 92.
5 Gall, Franz/Paulhart, Hermine (Bearb.): Die Matrikel der Universität Wien. 4. Band: 1579/II–1658/59. Wien/Köln/Graz: Böhlau, 1974, S. 115.
6 Wippich-Roháčková, „Hochdeutscher“, S. 85 f.
7 Corvo Sánchez, María José: Los libros de lenguas de Juan Ángel de Zumaran. La obra de un maestro e intérprete de lenguas español entre los alemanes del siglo XVII. (=Saarbrücker Beiträge zur Sprach- und Translationswissenschaft; 12). Frankfurt am Main: Peter Lang, 2007, S. 41.
8 Gall/Paulhart (Bearb.), Matrikel, 4. Band, S. 151.
9 Corvo Sánchez, María José, libros, S. 52; Faksimile dieser Grammatik in: Messner, Dieter: Los manuales de español impresos en Viena en el siglo XVII. 2 Bände. Salzburg: Institut für Romanistik der Universität Salzburg, 2000, S. 1–494.
10 Pölnitz (Hg.): Matrikel, Teil I, Bd. 2, 1. Halbband, Sp. 484.
11 Das Testament letzterer liefert keine weiteren Informationen zu Johannes Angelus de Sumaran: Österreichisches Staatsarchiv, Wien (ÖStA), Haus-, Hof- und Staatsarchiv (HHStA), Obersthofmarschallamt (OMaA), Akten, Kt. 625, Testamente 1636-1670, Testament von Sumaran Catharina, 26.6.1655.
12 Freundliche Auskunft von Katrin Keller per E-Mail, 17.7.2008; vgl. Keller, Katrin/Catalano, Alessandro (Hg.), Die Diarien und Tagzettel des Kardinals Ernst Adalbert von Harrach (1598–1667). Wien/Köln/Weimar: Böhlau, 2010, Bd. 2, S. 196, 208, 217–219, 297.
13 [Anonym:] Zur Geschichte des Wiener Fragamtes, in: Wiener Communal-Kalender und städtisches Jahrbuch, 31.1893, S. 419–426. Die in diesem Aufsatz zitierten Dokumente, die Karl Schrauf, ein Mitarbeiter des Haus-, Hof-, und Staatsarchivs im Universitätsarchiv Wien (UAW) ausfindig gemacht hatte, konnten dort in den 1980er Jahren von Manfred Bobrowsky nicht aufgefunden werden: Bobrowsky, Manfred: Das Wiener Intelligenzwesen und die Lesegewohnheiten im 18. Jahrhundert. Wien: Dissertation an der Universität Wien (ungedruckt), 1982, S. V. Dank Thomas Maisel (UAW) konnten sie wieder lokalisiert werden: UAW, Kodex Th 16: Acta Facultatis Theologicae IV 1567–1666, f. 289,r–291a,r; f. 291b,v–292b,v, Einträge vom 27.10.1636 und 23.11.1636. Der dort in Form einer Abschrift überlieferte Text weicht geringfügig von dem im Wiener Communal-Kalender abgedruckten ab, es könnte daher sein, dass Schrauf die Originaldokumente zur Verfügung standen.
14 UAW, Kodex Th 16: Acta Facultatis Theologicae IV 1567–1666, f. 291a,r.
15 UAW, Kodex Th 16: Acta Facultatis Theologicae IV 1567–1666, f. 289,v–290,r
16 UAW, Kodex Th 16: Acta Facultatis Theologicae IV 1567–1666, f. 290,v.
17 UAW, Kodex Th 16: Acta Facultatis Theologicae IV 1567–1666, f. 290,r.
18 UAW, Kodex Th 16: Acta Facultatis Theologicae IV 1567–1666, f. 291a,r.
19 UAW, Kodex Th 16: Acta Facultatis Theologicae IV 1567–1666, f. 289v.
20 UAW, Kodex Th 16: Acta Facultatis Theologicae IV 1567–1666, f. 290v.
21 UAW, Kodex Th 16: Acta Facultatis Theologicae IV 1567–1666, f. 290r.
22 UAW, Kodex Th 16: Acta Facultatis Theologicae IV 1567–1666, f. 291a,r.
23 UAW, Kodex Th 16: Acta Facultatis Theologicae IV 1567–1666, f. 290,v–291a,r.
24 UAW, Kodex Th 16: Acta Facultatis Theologicae IV 1567–1666, f. 292a,r–v.
25 Vgl. auch Blome, Astrid: Vom Adressbüro zum Intelligenzblatt – Ein Beitrag zur Genese der Wissensgesellschaft, in: Jahrbuch für Kommunikationsgeschichte, 8.2006, S. 3–29, hier 9.

#FragamtWien

Dienstag, 13. September 2011

Auskunftsmann in Zürich, 1970

Nette Archiv-Trouvaille der NZZ, erschienen am 13.3.1970: Ein Bericht über das im Zürcher Hauptbahnhof befindliche Auskunftsbüro des Verkehrsvereins, das im Jahr 200.000 Informationssuchenden Fragen aller Art beantwortete; Herzstück war eine mit viel Aufwand und Liebe zusammengestellte Kartothek: [W]er darin blättert, stellt fest, daß es wohl nichts gibt, das es in diesem Nachschlagewerk nicht gibt.

Freitag, 29. Juli 2011

Aufsatz zum Pressburger Fragamt erschienen

Frisch erschienen:

Tantner, Anton: Das Pressburger Frag- und Kundschaftsamt des Anton Martin, 1781–1783, in: Hungarian Studies, 25.2011/1, S. 127-142.
DOI: 10.1556/HStud.25.2011.1.11 (Zugang nur bei Subskription)

Abstract: Der Artikel beschäftigt sich mit dem im März 1781 von Anton Martin in Pressburg gegründeten Frag- und Kundschaftsamt. Einrichtungen dieser Art waren in habsburgischen Städten seit Beginn des 18. Jahrhunderts geschaffen worden; es handelte sich dabei um Adressbüros, die der Vermittlung von Waren, Arbeitsplätzen, Immobilien und Kapital dienen sollten. Im speziellen Pressburger Fall war damit auch eine Leihbibliothek verbunden und weiters wurde der in dieser Gegend praktizierte Kindertausch zum gegenseitigen Spracherwerb unterstützt. Das Fragamt veröffentlichte auch ein Intelligenzblatt mit dem Namen Preßburger Kundschaftsblatt, scheint aber trotz des weiten Spektrums an angebotenen Dienstleistungen nur auf wenig Resonanz gestoßen zu sein; 1783 musste Martin es schließen. Grundlage des Beitrags sind vorwiegend die in der Universitätsbibliothek Bratislava (Univerzitná knižnica v Bratislave) und in der Kathedralbibliothek Esztergom (Főszékesegyházi Könyvtár) aufbewahrten Ausgaben des Preßburger Kundschaftsblatts.

Update zum Artikel: Als ich den Artikel schrieb, wusste ich noch nicht, an welchem Ort sich in Pressburg das Fragamt befand; seit gestern bin ich nun klüger, denn ich fand bei meinem Besuch des Steiermärkischen Landesarchivs (Graz) ein weiteres, diesmal undatiertes, circa aus dem Februar 1781 stammendes Avertissement des Pressburger Fragamts, aus dem hervorgeht, dass es in dem Ormoschdischen Hause auf dem Ursuliner-Platz eröfnet werden sollte. Das Avertissement liegt im übrigen dem (bewilligten) Gesuch des Kaspar Heindl bei, der in Graz nach Pressburger Vorbild ein Fragamt errichten wollte.

Steiermärkisches Landesarchiv, Altes Gubernium, 1783-I-659 [Kt.663]: Avertissement, ca. Februar 1781.

Mittwoch, 13. Juli 2011

Anfrag- und Adressbüro, München 1825ff (Update)

Update zu: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/4887159/

Viel ist es bislang nicht, was ich über das im Dezember 1825 in München angekündigte Anfrag- und Addreß-Bureau in Erfahrung habe bringen können: Es wurde von den Herren Bernhardt, Lieberich, F. Hänlein und Kitzinger - allesamt honorige Beamte - betrieben und war in der Residenz-Schwabingerstraße 48 zu ebener Erde situiert. Die Dienstleistungen des Instituts richteten sich an Einheimische und Fremde und umfassten Auskunftserteilungen über die Adressen von Behörden und sonstige öffentliche Einrichtungen, Botschaften, Beamten, Ärzte, Sehenswürdigkeiten und Handlungshäuser genauso wie Arbeitsvermittlung, Geld- und Wohnungsvermittlung sowie Schreibarbeiten.1 Anfang 1826 eröffnete das Büro; über seine Angebote und Gebühren informierte eine eigens aufgelegte, um zwölf Kreuzer verkaufte Broschüre.2 Schon bald wurde ihm Erfolg attestiert, wenn auch bedauert wurde, dass ihm noch einige alte festgewurzelte Mißbräuche und Vorurtheile entgegenstünden und manche Dienstmägde sich lieber von alten Maklerinnen um einen ganzen Taler vermitteln lassen würden als um ein paar Groschen die Dienste des Büros in Anspruch zu nehmen.3


1 Bekanntmachung, in: Augsburger Allgemeine Zeitung, 13.1.1826, Nr. 13, Beilage, S. 51f. (GBS); vgl. auch BRUCKBRÄU, Friedrich Wilhelm: Neuestes Taschenbuch der Haupt- und Residenzstadt München und den Umgebungen für Einheimische und Fremde. München: Joseph Lindauer’sche Buchhandlung, 1828, S. 36.
2 Bekanntmachung, in: Königlich-Baierisches Intelligenz-Blatt für den Unterdonau-Kreis, Stück 3, Passau 18.1.1826, S. 30 (GBS).
3 Das Anfrag- und Addreß-Bureau in München, in: Der Bayerische Volksfreund, 11.11.1826, 3. Jg., Nr. 134, S. 589 (GBS).

Samstag, 18. Dezember 2010

Vortrag in Münster, 22.12.2010: Adressbüros im Europa der Frühen Neuzeit

Nächste Woche bin ich in Münster und halte im Rahmen des Forschungskolloquiums Frühe Neuzeit einen Vortrag zum Thema Adressbüros im Europa der Frühen Neuzeit.

Ort: Münster, Fürstenberghaus, Domplatz 20-22, F6
Zeit: Mi, 22.12.2010, 18h

Montag, 19. Juli 2010

Oxford, 21.-23.9.2010: Universal Reformation: Intellectual Networks in Central and Western Europe, 1560-1670

Im September findet in Oxford die Tagung Universal Reformation: Intellectual Networks in Central and Western Europe, 1560-1670 statt; ich werde dort über Intelligence Offices in Early Modern Central Europe referieren.

Freitag, 26. Februar 2010

Rezension zu Jubert (Hg): Renaudot

Schon einige Zeit her, dass Gérard Juberts Quellenedition zu Renaudot erschienen ist; Cornel Zwierlein kommt in seiner Rezension für Francia-Recensio 2009/4 zu einer durchwegs positiven Beurteilung, der ich mich anschließe.

Jubert, Gérard (Hrsg.): Père des journalistes et médecin des pauvres, Théophraste Renaudot (1586-1653). Paris: CHAM/Champion, 2005.

Donnerstag, 18. Februar 2010

Weblog Mercurius Politicus

Mercurius Politicus war der Name eines zur Zeit des englischen Commonwealth von Marchamont Nedham herausgegebenen News Books; Nick Poyntz betreibt unter dem gleichen Namen ein Weblog, in dem sich u.a. ein Eintrag zu Henry Walkers Office of Entries findet, bei dem es sich vielleicht um das erste in England zumindest kurzfristig errichtete Adressbüro handelte (nach mehreren nicht realisierten Projekten).

Freitag, 12. Februar 2010

UMP-Vortrag über Théophraste Renaudots Bureau d'Adresse, 8.3.2010

Nach einiger Zeit halte ich mal wieder einen University Meets Public-Vortrag an einer Volkshochschule:

Titel: Informationsvermittlung im Zeitalter Richelieus. Das Adressbüro des Théophraste Renaudot
Zeit: Mo 8.3.2010, 18–19:30 Uhr
Ort: VHS Wien-West, 1060 Wien, Damböckgasse 4, 2.Stock / Raum 4
Kosten: 5 €

Abstract: Théophraste Renaudot (1586-1653) gründete 1630 in Paris das Bureau d'adresse (Adressbüro), eine faszinierende Einrichtung, die als entscheidende Neuerung im Bereich der Informationsvermittlung betrachtet werden kann: Dieses Büro diente gleichzeitig als Arbeitsvermittlung, Verkaufsagentur und Zeitungsredaktion; es sorgte dafür, dass alle an die richtige Adresse gerieten.