Mödling, Hochbründlgasse 1
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Fotos - So, 2. Apr. 2006, 12:49
Äußerst lesenswert: Valentin Groebner über die verloren gegangene Nützlichkeit der geschichtswissenschaftlichen Beschäftigung mit der Vormoderne für den Staat; vor allem seit dem 2. Weltkrieg hat diese ihre Brauchbarkeit eingebüßt, was aber nicht heisst, dass Geschichte für die Legitimation staatlichen Handelns keine Rolle mehr spielt. Nunmehr hat die Shoah die Rolle des Ursprungsmythos des demokratischen Westens (117) übernommen: In den letzten eineinhalb Jahrzehnten wurde in Westeuropa und in den USA bei mindestens drei bewaffneten Konflikten (anläßlich des ersten Golfkriegs, der Intervention der NATO im Kosovo und erneut im zweiten Golfkrieg) der direkte historische Bezug auf die Ermordung der europäischen Juden als politische Legitimation für militärisches Eingreifen verwendet. (ebd.)
Groebner, Valentin: Historische Kostüme, in: Nach Feierabend. Zürcher Jahrbuch für Wissensgeschichte, 1.2005, S. 111–123.
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HistorikerInnen - Sa, 1. Apr. 2006, 11:14
Soferne die EHESS nicht blockiert ist, werde ich dort in einer Woche im Seminar von Marie-Elizabeth Ducreux einen Vortrag über die wichtigsten Ergebnisse meiner Dissertation halten:
Anton Tantner: L’ordre des maisons, description des âmes. Numérotation des maisons et conscription des âmes dans la Monarchie des Habsbourg. Ort: EHESS, 54 Boulevard Raspail, Saal 507, 75006 Paris. Zeit: Fr 7.4.2006, 13h
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Hausnummerierung - Fr, 31. Mär. 2006, 09:54
Ich glaube ja Herrn Kittler gerne, wenn er der Ansicht ist, dass Adorno/Horkkeimer im Vergleich zu Heidegger wenig Sinnvolles zu Technik zu sagen hatten; ich glaube auch Herrn Kittsteiner, dass man Marx mit Heidegger und Heidegger mit Marx prächtig lesen kann. Nur, muss der lederbehoste Schwarzwaldphilosoph wirklich Sätze wie diesen verbrechen:
Überall ist es bestellt, auf der Stelle zur Stelle zu stehen, und zwar zu stehen, um selbst bestellbar zu sein für ein weiteres Bestellen.
Ich meine doch, wer so schreibt, kann kein guter Mensch sein!
Heidegger, Martin: Die Technik und die Kehre. Pfullingen: Neske, 1962, S. 16. [E-Text]
Kittler, Friedrich: Copyright 1944 by Social Studies Association, Inc., in: Weigel, Sigrid (Hg.): Flaschenpost und Postkarte. Korrespondenzen zwischen Kritischer Theorie und Poststrukturalismus. Wien/Köln/Weimar: Böhlau, 1995, S. 185-193.
Kittsteiner, Heinz Dieter: Mit Marx für Heidegger - Mit Heidegger für Marx. München: Fink, 2004.
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Theorie - Do, 30. Mär. 2006, 09:48
Kann ich nur wärmstens empfehlen: Die Berichterstattung über die Demonstrationen und Proteste in Frankreich auf
Labournet.de.
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Politik - Mi, 29. Mär. 2006, 09:46
Grabsteinfotografie ist eine eigene Kunst, die ich, noch dazu nicht mit der geeigneten Beleuchtung ausgestattet, nicht wirklich beherrsche. Hier also ein Versuch: Im rechten Seitenaltar von Saint Germain en Auxerrois, der Pfarrkirche des Louvre, wurde 1986 (
Quelle) diese Grabplatte eingelassen, auf der folgendes zu lesen steht:
DEVANT CET AUTEL / FUT INHUME / THEOPHRASTE RENAUDOT / CONSEILLER ET MEDECIN / ORDINAIRE DE LOUIS XIII / HISTORIOGRAPHE DU ROI / COMMISSAIRE GENERAL / DES PAUVRES DU ROYAUME / INTENDANT GENERAL DES / BUREAUX D'ADRESSE DE FRANCE / FONDATEUR DE LA GAZETTE / PERE DU JOURNALISME FRANCAIS / NE A LOUDUN EN 1586 / MORT AU LOUVRE / LE SAMEDI 25 OCTOBRE 1653

(Für ein größeres Bild draufklicken)
Nachtrag 2.4.2006: Dem Mitteilungsblatt
Conférences. Bulletin des Amis de Théophraste Renaudot, Nr.6/1988, (unpaginiert) entnehme ich die nicht gerade weltbewegende Information, dass der Grabstein vom Bildhauer Costas Spourdos gestaltet wurde.
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Adressbueros - Mi, 29. Mär. 2006, 09:42
Aufnahme von der heutigen Demo in Paris; Quelle:
Flickr
Bericht von Bernhard Schmid auf
Labournet.de.
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Politik - Di, 28. Mär. 2006, 22:35
Gallimard/France Culture veröffentlichten letzen Februar eine CD, die ein von Claude Bonnefoy im Frühjahr 1969 geführtes Interview mit Michel Foucault enthält. Es handelt sich allerdings nicht um eine Originalwiedergabe, der Text wird von zwei Schauspielern wiedergegeben. Einen Ausschnitt aus der Transkription der Radioausstrahlung bringt
vi-r-us.
Michel Foucault à Claude Bonnefoy [2006]. Entretien interprété par Éric Ruf et Pierre Lamandé. Spieldauer: 1 h 6 min. Collection À voix haute, Gallimard, 15 Euro. [
Verlags-Info]
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Theorie - Di, 28. Mär. 2006, 09:21
Lars Behrisch hat für
H-SOZ-U-KULT den Bericht über die vor einem Monat in München abgehaltene Tagung
Information in der Frühen Neuzeit verfasst.
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Communication - Mo, 27. Mär. 2006, 10:05
Aus aktuellem Anlass, oder: Was man alles schon damals hätte wissen können, hätte man's nur gelesen. Konkret bringt auf seiner Homepage eine Wiederveröffentlichung eines Leitartikels von
Hermann L. Gremliza aus dem Jahr 1991, in dem auch die österreichische Beteiligung an der Sezession der jugoslawischen Teilrepubliken thematisiert wird. Ebenfalls wiederveröffentlicht: Ein Beitrag von
Wolfgang Pohrt über die deutsche Pressekampagne gegen Jugoslawien.
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Politik - So, 26. Mär. 2006, 11:49
Bekannt ist er vor allem durch seine wunderbaren Dramolette, das Extra der
Wiener Zeitung bringt ein Porträt.
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Belletristik - Sa, 25. Mär. 2006, 11:49
Was ich bislang nicht wusste: Frauen wird der Zutritt zu Théophraste Renaudots Bureau d'Adresse untersagt, aus moralischen Gründen; Renaudot fürchtet die üble Nachrede, eventuell meint er, man könnte ihm vorwerfen, der Prostitution Vorschub zu leisten. Er weiß aber nur zu gut, dass er damit potenzielle Kundinnen – sowohl Dienstgeberinnen als auch Dienstbotinnen – ausschliesst, weswegen er eigens klarstellt, dass Männer, die von ihren arbeitssuchenden Frauen zum Bureau geschickt werden, an die ältesten und unbescholtensten Frauen weitervermittelt werden, mit deren Hilfe die entsprechenden Frauen Arbeit finden könnten.1 Es gibt also Hinweise darauf, dass Frauen trotz aller Widrigkeiten die Dienste des Bureau in Anspruch nehmen; auch heisst es in einem bald nach der wahrscheinlich 1630 erfolgten Eröffnung des Bureau d'Adresse aufgeführten Ballett folgendermaßen: Chacun se fait enregistrer, / Les serviteurs & les maistresses, / Afin de se mieux rencontrer / Courent au Bureau des addresses.2 Interessant auch, dass es in den zum Ballet veröffentlichten Versen das Bureau als Stätte der Heiratsvermittlung bezeichnet wird: Filles qui cherchez maris, / Beaux garçons qui cherchez femmes, / Voici l'unique à Paris / Pour satisfaire vos ames, / Donnez trois sols tant seulement, / Vous aurez contentement.3 Durch die im Inventaire des addresses du Bureau de Rencontre veröffentlichte Aufzählung der Dienstleistungen des Bureau wird dies allerdings nicht gedeckt: Dort wird nur angeboten, eine erfolgte Heirat mittels öffentlichem Anschlag bekanntzumachen sowie geeignete Räumlichkeiten für die Hochzeit zur Verfügung zu stellen.(S.29f) Das Bureau ist also zugleich auch eine Event-Agentur.
(1) Renaudot, Théophraste: Inventaire des addresses du Bureau de Rencontre, Ou chacun peut donner et recevoir avis de toutes les necesitez, et commoditez de la vie et societé humaine. Paris: o. V., 1631, S. 26f.
(2) Balet du Bureau de Rencontre. Dancé au Louvre devant Sa Majesté. Paris: Iulian Iacquin, 1631, S.22.
(3) Vers du ballet du bureau des addresses. o.O.: o.V., 1631, S.4.
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Adressbueros - Fr, 24. Mär. 2006, 09:31