Der Kardinal-Erzbischof von Prag, Ernst Adalbert von Harrach (1598-1667) verfasste 48 Jahre lang so genannte
Tagzettel. In ihnen beschrieb er seinen Alltag sowie politische Ereignisse, verschickt wurden sie an ausgewählte Mitglieder seiner Familie sowie seines Freundeskreises. Ein Forschungsprojekt am Wiener Institut für Geschichte (BearbeiterInnen: Alessandro Catalano und Katrin Keller) ediert nun dieses Weblog des 17. Jahrhunderts und hat eine
Projektbeschreibung ins Netz gestellt.
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Blogosphaere - Do, 9. Mär. 2006, 09:45
In einem Interview mit der
Jungle World moniert Wikipedia-Gründer Jimmy Wales, dass sich verhältnismäßig wenige GeisteswissenschafterInnen an der Online-Enzyklopädie beteiligen. Kommt schon noch, denke ich mir. Wie wär's denn überhaupt mit der Idee, dass die Vergabe von Projektgeldern in Zukunft an die Bedingung geknüpft wird, zumindest Teile der Ergebnisse auch in der Wikipedia zu veröffentlichen?
Die Veröffentlichungen der österreichischen Historikerkommission zum Vermögensentzug zwischen 1938 und 1945 sowie Rückstellungen und Entschädigungen nach 1945 können nun unter
http://www.oldenbourg.at/histkom/ online durchsucht werden. Bei der Eingabe der Suchbegriffe ist die Groß- und Kleinschreibung zu berücksichtigen, die Ergebnisse liefern nur einen kurzen Ausschnitt des Textes, in dem der Treffer auftaucht. Es muss also weiter die Printversion (49 Bände) konsultiert werden.
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Oesterreich - Mi, 8. Mär. 2006, 16:32
Via
London Leben: Eine Hausnummer ohne Ziffern, aufgenommen in Spitalfields.
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Fotos - Mi, 8. Mär. 2006, 09:42
Letzten Freitag hielten Hans Erich Bödeker und Bernhard Struck im Rahmen eines von
CRIA veranstalteten Seminars Vorträge zum Reisen in der frühen Neuzeit und im frühen 19. Jahrhundert. Bödeker verwies dabei auf einen Aufsatz, den er auf deutsch und französisch zum Kaffeehaus veröffentlicht hat. Die Koordinaten lauten:
Bödeker, Hans Erich: Das Kaffeehaus als Institution aufklärerischer kommunikativer Geselligkeit, in: François, Etienne (Hg.): Sociabilité et société bourgeoise en France, en Allemagne, et en Suisse/Geselligkeit, Vereinswesen und bürgerliche Gesellschaft in Frankreich, Deutschland und der Schweiz, 1750-1850, Paris: A.D.P.F., 1986, S. 65-80.
Bödeker, Hans Erich: Le café allemand au XVIIIe siècle: Une forme de sociabilité éclairée, in: Revue d’Histoire Moderne et Contemporaine, 37.1990, S. 571-588.
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Adressbueros - Di, 7. Mär. 2006, 09:18
In der Pariser Bibliothèque Nationale hat am 1. März die Ausstellung
Lumières! Un héritage pour demain eröffnet; die dunklen Seiten der Aufklärung, geschweige denn die Philosophie des eminenten Aufklärers Marquis de Sade kennt diese Jubelschau nicht. Es ist, als ob die Forschung der letzten Jahrzehnte komplett ignoriert wird, was die Anschaulichkeit der durchaus bedacht ausgewählten Objekte nicht schmälern soll. Ich bin ja gespannt, ob die am 16. März in der Wiener
Albertina beginnende Ausstellung des
Daponte-Instituts Mozart. Experiment Aufklärung - an dieser habe ich am Rande mitgearbeitet - besser wird.
Zwei weitere der genannten Emigranten, Johann Georg Wiedemann und Franz Xaver Huber waren an gegen die österreichische Regierungspolitik gerichteten Zeitungsprojekten beteiligt: Ersterer war Redakteur der während der Besatzung von 1809 unter französischer Aufsicht erscheinenden Wiener Zeitung1, Franz Xaver Huber, der bereits seit der Regierungszeit Joseph II. gegen die feudale Opposition publizistisch gekämpft hatte, gab 1809 gemeinsam mit dem bayrischen Hofbibliothekar und Schriftsteller Johann Christoph Freiherr von Aretin die von Bayern aus lancierte Zeitschrift Der Morgenbote heraus2, in der der von österreichischen Politikern begonnene Krieg gegen Napoleon als Krieg der Barbarei des Mittelalters gegen die hellen Begriffe des neuen Jahrhunderts, als Krieg der Dummheit und des Übelwollens gegen den Verstand und die Philantropie bezeichnet wurde.3 Friedrich Ludwig Lindner wiederum arbeitete während seiner zeitweisen Wienaufenthalte unter anderem an dem von Joseph von Schreyvogel herausgegebenen Sonntagsblatt mit und wurde gemeinsam mit anderen Mitarbeitern des Sonntagsblatts der Kollaboration mit den französischen Truppen während der Besatzung von 1809 verdächtigt.4 Der ungarische Literat Johann Batsányi, der bereits wegen Teilnahme an der "Jakobinerverschwörung" von Ignaz Joseph von Martinovics zwei Jahre im Spielberger Gefängnis verbringen hatte müssen, hatte 1805 die Schriftstellerin Gabriele von Baumberg geheiratet und war 1809 nach Paris geflüchtet, weil er - vermutlich zu Unrecht - beschuldigt wurde, eine napoleonische Proklamation ins Ungarische übersetzt zu haben; 1815 in Paris verhaftet und nach Österreich ausgeliefert, wurde er nach Linz verbannt.5 Im Gegensatz zu Batsányi kehrte der Statistiker Johann Andreas von Demian in den folgenden Jahrzehnten nicht mehr nach Österreich zurück; in den Rezensionszeitschriften schon vor seiner Auswanderung wegen seiner oft fehlerhaften Kompilationen kritisiert, blieb auch in Wien nicht unbeachtet, dass er in einem 1810 erschienenen Artikel die Auffassung vertrat, die österreichische Monarchie sei in den Vorurteilen des Mittelalters befangen.6
1 Wagner, Karl: Die Wiener Zeitungen und Zeitschriften der Jahre 1808 und 1809, in: Archiv für Österreichische Geschichte 104 (1915) S. 197-401, hier 285 f.; Wurm, Alfred: Die amtliche Pressepolitik während der napoleonischen Besetzung Wiens 1805/09 (An Hand der k. k. privilegierten Wiener Zeitung). Dissertation Universität Wien 1947, S. 89 f.
2 Wagner, Wiener Zeitungen, S. 316-382; Bodi, Leslie: Tauwetter in Wien. Zur Prosa der österreichischen Aufklärung 1781 - 1795. Wien/Köln/Weimar 21995, u. a. S. 296-311, 403-405.
3 Zit. nach Wagner, Zeitungen, S. 359.
4 Ebd., S. 318-320; Allgemeine Deutsche Bibliographie. Leipzig 1875-1912. Bd. 18. Leipzig 1883, S. 703 f.
5 Zu Batsányi (alternativ auch János Bacsány) vgl. Farkas, Margarethe: Gabriele Batsányi geb. Baumberg. Ihr Leben und dichterisches Schaffen. Dissertation Universität Wien 1949, S. 7-15, die neben Briefen u. a. einen Artikel Wertheimers in der Neuen Freien Presse von 1884 (Nr.7194) heranzieht.
6 Zu Demian: Czikann, Johann Jacob Heinrich / Gräffer, Franz (Hrsg.): Oesterreichische National-Encyklopädie. Wien 1835-1837, Bd.1, S. 694 f.; Wurzbach Ritter von Tannenberg, Constantin: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich (=Wurzbach) Wien [u. a.] 1856-1891, Bd.3, S. 235-237; Rezension der Zeitschrift Europäische Annales in: Annalen der Literatur und Kunst des In- und Auslandes, Dezember 1810, S. 490.
Mehr zum Thema: Aspalter, Christian/Tantner, Anton: Ironieverlust und verleugnete Rezeption: Kontroversen um Romantik in Wiener Zeitschriften, in: Aspalter, Christian/Müller-Funk, Wolfgang/Saurer, Edith/Schmidt-Dengler, Wendelin/Tantner, Anton (Hg.): Paradoxien der Romantik. Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft in Wien im frühen 19. Jahrhundert. Wien, Wiener Universitätsverlag, 2006 im Erscheinen, S. 47-120.
Paris, Quai du Marché Neuf 8: Hier stand das Bureau d'Adresse des Théophraste Renaudot; eine Gedenktafel erinnert an den Gründer der Gazette de France.

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Adressbueros - Fr, 3. Mär. 2006, 09:34
Ela Hornungs Dissertation ist als Buch erschienen und wird am 8.3. präsentiert:
Das Buch widmet sich dem im Mythos 'Penelope und Odysseus' charakterisierten Geschlechterverhältnis, das sich in der Zeit nach 1945 als Chiffre des idealen Verhaltens von Frauen und Männern in zeitgenössischen Diskursen beschrieben findet. Gefragt wird, was diese Bilder - der treu wartenden Frau und des von seinen Kriegsabenteuern heimkehrende Mannes - mit gelebten Eheverhältnissen in und nach dem Zweiten Weltkrieg zu tun hatten. Dies wird anhand einer Fallgeschichte - der Biographie eines Wiener Ehepaares - untersucht.
Buchpräsentation: Mittwoch, 8. März, 18h 1070 Wien, Burggasse 47
Hornung, Ela: Warten und Heimkehren. Eine Ehe während und nach dem zweiten Weltkrieg. (=Kultur als Praxis; Bd. 6). Wien: Turia + Kant, 2005. ISBN 3-85132-385-8, 240 S., EUR 22,-
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- Do, 2. Mär. 2006, 09:11
Vor einem Jahr war er Visiting Fellow am IFK, heute rezensiert die
NZZ seine Habilitationsschrift:
Schüttpelz, Erhard: Die Moderne im Spiegel des Primitiven. Weltliteratur und Ethnologie (1870-1960). München: Fink, 2005.
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Theorie - Do, 2. Mär. 2006, 09:09
Ab sofort ist das Adresscomptoir in Paris eröffnet, der Stadt des originalen
Bureau d'Adresse von Théophraste Renaudot. Gebloggt wird nun für die nächsten Monate aus Belleville.
Und gleich zum Einstieg gibt's den Hinweis auf eine Veranstaltung, die allerdings schon in einer halben Stunde beginnt:
Projection-Débat « Bùsqueda Piquetera » - Documentaire 62 mn -
Autoproduction - France 2005
Film de Jeanne GAGGINI et David PLANQUE
Les manifestations, émeutes et pillages de décembre 2001 ont révélé à la scène internationale la grave crise économique que traverse l’Argentine. Cependant dès le milieu des années 90, les licenciements massifs ont poussé les plus pauvres à s’organiser collectivement pour faire face à la misère. En dehors des structures syndicales ou politiques, apparaissent des mouvements de chômeurs et les premiers « piquetes » blocages de routes. À travers cette nouvelle pratique se développe une forme d’organisation basée sur l’horizontalité et une recherche constante d’autonomie face aux institutions. Tourné en 2003, « Bùsqueda Piquetera » donne la parole aux piqueteros du MTD Solano (Movimiento de trabajadores desocupado). Rencontre – débat avec les réalisateurs après la projection.
Zu sehen im Restaurant
La Passerelle, 3 rue Saint-Hubert, 75011 Paris.
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Politik - Mi, 1. Mär. 2006, 19:28
Zwei Monate besetzen nun schon AnrainerInnen den Bacherpark im 5. Wiener Gemeindebezirk, um gegen den Bau einer so genannten
Volksgarage zu protestieren. [
ORF-Bericht; Homepage der
Bürgerinitiative]
An den Bacherpark habe ich ja meine eigenen beruflichen Erinnerungen, da ich dort im Auftrag der Parkbetreuung vor fast zehn Jahren ein Oral History-Projekt durchgeführt habe, in dem ich die älteren ParkbesucherInnen nach ihren Kindheitserinnerungen befragt habe. Ich musste mir zunächst mal allerhand rassistischen Schrott und Klagen über die migrantischen Kinder und Jugendlichen, die mangels andere Alternativen und angesichts von Substandardwohnungen im Park spielten, anhören, bevor die PensionistInnen dann ihre eigenen Kindheits- und Jugendstreiche erzählten.
Ergebnis des Projekts war die
Broschüre "Parkgeschichten", deren Inhaltsverzeichnis ich vor einiger Zeit ins Netz gestellt habe. Die Broschüre beschäftigt sich u.a. mit dem Bacherpark, dem Einsiedlerpark sowie dem heute gänzlich vergessenen Rosenpark (offiziell Herweghpark), der mittlerweile ein bescheidenes Dasein als Parkplatz zwischen zwei Fahrbahnstreifen führt. Vielleicht scanne ich eines Tages den Rest der Publikation ein, damit sie vollständig in digitaler Form verfügbar ist.
Ilona Schachhuber/Anton Tantner: Parkgeschichten. Wien: Verein "Spiel mit New Games", 1998.
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Parkgeschichten - Mi, 1. Mär. 2006, 09:38
Im Mai wird ein Buch von Dario Azzellini zu Venezuela erscheinen; die Ankündigung lautet wie folgt:
Kaum ein anderes internationales Thema wird so kontrovers diskutiert wie Venezuela: Ist Hugo Chávez ein Populist oder ein Revolutionär? Abkehr vom Neoliberalismus oder Modernisierung? Tiefgreifende Veränderung oder bloß erdölfinanzierte Sozialprogramme?
Dario Azzellini beschreibt und analysiert in Venezuela bolivariana die ersten sieben Jahre des mit der Wahl von Chávez zum Präsidenten eingeleiteten Transformationsprozesses. Der Autor legt die gesellschaftlichen Reformen dar und widmet sich den Basisbewegungen. Er geht auf die Entwicklung Venezuelas seit 1958 ein, die schließlich in der Wahl von Chávez mündete. Die wichtigsten Etappen der vergangenen Jahre, der verfassungsgebende Prozess, der Putsch, der Unternehmerstreik, das Abwahlreferendum und die Wahlen werden ebenso behandelt wie die Gewerkschaften und Kämpfe um Selbstverwaltung in Betrieben, die Bauernbewegungen und die Landfrage, Rassismus, Medien, Frauenpolitik, Umweltpolitik und die indigenen Rechte. Die Untersuchung der ökonomischen Entwicklung und der Versuche, die Wirtschaftsstruktur zu verändern, sowie der internationalen Politik Venezuelas und der Destabilisierungspolitik der USA runden das Bild ab. Durch die Mischung aus Reportagen, Interviews und vertiefenden Texten entsteht ein fundierter, wie auch lebendiger Eindruck der Veränderungen in Venezuela. Ein wichtiger Beitrag gegen die vorherrschende Desinformation.
Azzellini, Dario: Venezuela Bolivariana - Revolution des 21. Jahrhunderts? Karlsruhe: Neuer ISP Verlag, erscheint Anfang Mai 2006. [via Newsletter von
Dario Azzellini]
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Politik - Di, 28. Feb. 2006, 08:14