Am
IFK hält Michael Dominik Hagel heute einen Vortrag zum Thema
Der Spiegel des Staats. Christoph Martin Wielands Reflexion der optimalen Regierung;
Science ORF vreöffentlicht dazu einen Beitrag des Referenten.
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Veranstaltungen - Mo, 20. Apr. 2009, 08:12
In den letzten Tagen habe ich mich mit den Wiener Lekturkabinetten beschäftigt, vor allem mit dem von Jakob Bianchi 1772 eingerichteten, das 1776 von Karl von Zahlheim übernommen wurde. Nach einer gedruckten Ankündigung konnte dort wer wollte, Kaffee, Chokolat, Gefrornes, oder andere Erfrischungen beim Aufwärter bestellen, weiters standen Dinte, Feder und Papier zur Vefügung; die Besucher (und Besucherinnen?) sollten nicht humsen, nicht lärmen, den Hut nicht aufsetzen, noch andere Unanständigkeiten begehen (102).
Nicht ganz korrekt einschätzen kann ich folgenden Satz:
IV. [Absatz] Alletag, nach Ankunft der Post, wird ein Zettel im Cabinet angeheftet, was an diesem Tage an Neuigkeiten vorhanden ist. (104)
Heißt das nun, dass Neuigkeiten im Sinne von politischen Nachrichten quasi in damaliger Echtzeit dem Pubikum an die Wand geheftet wurden? Oder aber, dass auf diese Weise die Titel neu eingelangter Bücher und Journale verkündet wurden?
Interessant übrigens auch, dass das Lekturkabinet beabsichtigte, mit der erst ein paar Jahre zuvor gegründeten Wiener Stadtpost zu kooperieren:
Wäre ein oder der andere Abonnent irgend geneigt, etwas über das Gewöhnliche zu bezahlen, um, mit Schonung seiner Leute, zu eigenen Stunden, in seinem Hause bedient zu werden, so wird das hiesige privilegirte kleine Postamt, gegen eine sehr mäßige Vergütung die Sorge auf sich nehmen, und jedermann auf das allergenaueste bedienen. (104)
Einrichtung des neuen LecturCabinets zu Wien im Jahr 1776, Wien 1776, zit. nach dem Faksimile bei Jesinger, Alois: Wiener Lekturkabinette. Wien: Berthold & Stempel, 1928.
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Communication - So, 19. Apr. 2009, 10:39
Klaus Bittermann hat einen Nachruf auf den Anarchisten und Durruti-Biographen Abel Paz verfasst, der zugleich eine Geschichte der deutschen Übersetzung der Paz'schen Durruti-Biographie ist. Diese erschien ja 1994 bei der
Edition Nautilus.
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Politik - Sa, 18. Apr. 2009, 11:58
Passend zu meinen
Anmerkungen zu Darnton eine in einer Dissertation von Lucia Franc gefundene Stelle aus der Realzeitung:
Unterdessen muß sich doch die Aufmerksamkeit einer guten Polizey auf alles erstrecken, und eine Art Polizeyamt ist ja das Rezensirwesen in der gelehrten Republik.
Realzeitung, 9.3.1784, Nr. 10, zit. nach Franc, Lucia: Die Wiener Realzeitung. Ein Beitrag zur Publizistik der theresianischen-josefinischen Epoche. Dissertation an der philosophischen Fakultät der Universität Wien. Wien: masch. Univ. Dissertation, 1953, S. 186.
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Wissenschaft - Fr, 17. Apr. 2009, 09:04
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Fotos - Do, 16. Apr. 2009, 09:21
Seit 50 Jahren gibt es das
Wienmuseum am Karlsplatz;
Ö1 sendet dazu heute (14:05-14:45) ein Live-Interview mit Direktor Wolfgang Kos.
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HistorikerInnen - Mi, 15. Apr. 2009, 09:55
Zum heutigen 70. Geburtstag von Carlo Ginzburg bringt die
SZ ein Porträt des Hexen-Historikers, das allerdings nur kostenpflichtig zugänglich ist.
[via
Perlentaucher]
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HistorikerInnen - Mi, 15. Apr. 2009, 09:35
Das von Anne und Marine Rambach 2001 veröffentlichte Buch
Les intellos précaires sorgte für ziemliche Furore (vgl. diese Rezension bei
Malmoe); im Dezember 2002 lud die
IG Externe LektorInnen und Freie WissenschafterInnen Anne Rambach zu einer Veranstaltung in Wien ein (
Folder [PDF]). Vor wenigen Tagen haben die Rambachs ein neues Buch zum Thema veröffentlicht, die Ankündigung lautet wie folgt:
Précaires de la presse ou de l’édition, enseignants ou chercheurs jetables, architectes sous-payés ou stagiaires au musée, depuis 2001, avec la sortie du livre d’Anne et Marine Rambach, ils portent un nom : les Intellos précaires. On découvrait cette population au destin paradoxal : diplômée et compétente, studieuse et créative, elle vit, pas toujours mal, dans des conditions de grande précarité : avenir incertain, revenus fluctuants, déni de droits. Malgré une couverture sociale minimale ou inexistante, les Intellos précaires continuent à exercer ces métiers qu’ils ont choisis par passion. On annonçait alors leur disparition : les baby-boomers partant à la retraite, les OS de l’intellect n’allaient pas tarder à prendre leur place et, enfin, s’embourgeoiser.
Mais non. Les plans de titularisation de la fonction publique ont fait long feu, les postes abandonnés par les jeunes retraités sont supprimés, et puis, surtout, les entreprises et les institutions ont pris goût à cette main-d’œuvre si flexible et si économique. La précarité a le vent en poupe.
Disons-le : l’intello précaire est le modèle secret du patronat. Il n’est pas précaire, il est indépendant. Il n’est pas soumis, il est professionnel. Il n’est pas sous-payé, il est compétitif. Même quand il est de gauche, il est ultra-libéral.
Reste une question : mal défendus par les syndicats et rêve inavoué du patronat, jusqu’où iront les Intellos précaires dans la soumission et la paupérisation ?
Réforme de la recherche, réforme des universités, réforme de l’audiovisuel, réforme de la presse écrite, les Intellos précaires sont au cœur de l’actualité. Le savent-ils ? Qu’en pensent-ils ? Vont-ils se faire entendre un jour ?
Rambach, Anne/Rambach, Marine: Les nouveaux intellos précaires. Paris: Stock, 2009. [
Amazon.fr,
Verlags-Info;
Besprechung vom Nouvel Obs,
Interview mit Anne Rambach bei Radio France]
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Wissenschaft - Di, 14. Apr. 2009, 08:45
Sehr schön: Letzten Dezember habe ich mit Julia Schilly vom Online-Standard einen Hausnummern-Spaziergang durch Wien unternommen; nunmehr veröffentlicht der
Standard.at eine Ansichtssache mit dem Titel
Die Vergänglichkeit von Ordnung. Den Inhalt des bislang einzigen Kommentars kann ich nur zustimmen: Es wäre tatsächlich wünschenswert, die verschiedenen Häuserverzeichnisse digitalisiert zur Verfügung zu haben, um damit schneller alte Adressen ausfindig machen zu können.
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Fotos - Di, 14. Apr. 2009, 08:33
Schon einige Jahre ist es her, dass mir Stefan Eminger diesen Scan aus der Schulchronik Pfösing (in Niederösterreich bei Wolkersdorf gelegen) zukommen hat lassen:
Der Text lautet wie folgt:
Hausnumerierung. 1953
Auf Grund des Landesgesetzes vom 27. Juni 1951, LGBl. N.32. wurde die einheitliche Hausnumerierung in Pfösing durchgeführt. Die Nummerntafeln wurden von der Firma U. Reichart in Wien XII., Schlöglgasse 4, um den Betrag von 1052.70 S geliefert. Die Tafeln wurden zum Preise von 18.50 S an die Hausbesitzer abgegeben. Sechs von ihnen weigerten sich beharrlich, die Tafeln abzunehmen. Sie wurden jedoch auf Veranlassung der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach zur Abnahme der Nummerntafeln verhalten.
Der zitierte Gesetzestext ist übrigens bei
Alex leicht zugänglich.
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Hausnummerierung - Mo, 13. Apr. 2009, 09:12
Sein 75. Geburtstag jährte sich im März, und heute vor 48 Jahren fand Jurij Gagarins berühmter Weltraumflug statt; für das
Standard-Album hat Gagarin-Aficionado Walter Famler ein schönes Porträt verfasst, und Monochrom laden hierzulande zur
Yuri Night im Schikaneder ein.
Und was die im Titel nach Heiner Müller zitierte Gagarin-Aussage betrifft, würde ich mir ein bisschen Recherchearbeit wünschen: An welcher Stelle ist das Zitat erstmals zu finden?
Müller, Heiner: Germania 3. Gespenster am toten Mann. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1996, S. 81.
Mal wieder ein Hinweis auf die Verwendung von Türnummen: Unter dem Titel
Mineralien zu verkaufen: verkündet
Johann Eichinger, k.k. privil. Naturalienhändler und Mineralog aus Wien, dass er nunmehr
allhier in Brünn eingetroffen sei; in Wien befindet sich
[s]eine k.k. privil. Naturalienhandlung (...) in der Wollzeile, Nro. 825; für seine Brünner Adresse verwendet er Hausnamen, Stockwerk und Türnummer:
Er wohnt allhier bei 3 Hahnen, im 1.Stocke, Nro.7.
Brünner Zeitung, Beilage zu Nr.104, 27.12.1800, S.1548.
Moravská Zemská Knihovna, Signatur: Nov. 9.058/1800
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Nummerierung - So, 12. Apr. 2009, 10:27
Neben vielen anderen Texten, bei denen es eine Freude ist, sie zu lesen, veröffentlicht die aktuelle Ausgabe von
konkret (4/2009, S.34f,
PDF-Fassung bei
Kritiknet) auch eine sehr zu empfehlende Kritik Magnus Klaues an Bildungsideen, die sich als links bezeichnen; Klaues Sorge gilt dem Eigenbrötler, für dessen Entwicklung Anonymität wichtig ist. Hier nur ein Abschnitt aus dem im Ganzen lesenswerten Text:
Besonders perfide ist dabei die Euphorie über die vermeintliche Heilkraft kleiner Klassen und individueller Lerngruppen, weil sie die Intensivierung paternalistischer Überwachung, die jeden Einzelnen nicht mehr nur auf seine Lernerfolge hin überprüft, sondern als „ganzen Menschen“ in Dienst nehmen will, als liebevolles Eingehen auf „individuelle Bedürfnisse“ verkauft. In Wahrheit war die sich progressiv gebende Kritik an der „Anonymität“ und „Kälte“ großer Klassenverbände – ähnlich wie die Denunziation der „Massenuniversität“ – stets rückschrittlich und autoritär. Große Klassen und anonyme Erziehungsinstitutionen mögen den Einzelnen brutal an seine reale Überflüssigkeit erinnern, sie erlauben ihm aber auch, sofern sie personell und infrastrukturell angemessen ausgestattet sind, sich in der Auseinandersetzung mit der Institution auf seine eigenen Interessen und Bedürfnisse zu besinnen und gegebenenfalls dafür zu kämpfen – wofür „Anonymität“, mithin der Schutz des Einzelnen vor gemeinschaftlichen Zumutungen, eine Voraussetzung ist.
-Klaue bezieht sich v.a. auf die Schulbildung; eine mögliche Konsequenz könnten aber auch Uni-Lehrende ziehen: Wenn schon kein Weg vorbei an E-Portfolios führt, so müsste dafür gesorgt werden, dass hier die Studierenden selber die Rechte über die diversen Formen der Veröffentlichung haben, d.h. bestimmen können, was nun für den bzw. die Lehrenden, was für die Mit-Studierenden, und was für die gesamte Öffentlichkeit freigeschaltet ist.
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Wissenschaft - Sa, 11. Apr. 2009, 11:02