Ich bin nunmehr aus Berlin zurück und in der Post lag passenderweise der Sammelband
Wien und seine WienerInnen, bei dem es sich um die Festschrift zu Karl Vocelkas 60. Geburtstag handelt; das Buch ist für akademische Verhältnisse recht flott erschienen, vor einem Jahr fand die dazu gehörige Konferenz statt.
Inhaltsverzeichnis gibt's auf der Homepage von Martin Scheutz, mein Beitrag behandelt
Wahrheitsproduktion durch „Auskampelung“. Zum Kampf gegen den Wichtelzopf (S.221-233). Ich werde mich noch darum bemühen, eine PDF-Version zu bekommen und online zu stellen. [Update 1.7.2008: Ist nunmehr geschehen.]
Scheutz, Martin/Valeš, Vlasta (Hg.): Wien und seine WienerInnen. Ein historischer Streifzug durch Wien über die Jahrhunderte. Festschrift für Karl Vocelka zum 60. Geburtstag. Wien/Köln/Weimar: Böhlau, 2008. [
Verlags-Info]
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HistorikerInnen - Sa, 31. Mai. 2008, 11:08
Weimar, Brauhausgasse 13: Hier wohnte 1821-1831 Johann Peter Eckermann.
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Fotos - Fr, 30. Mai. 2008, 11:17
Das letzte Wochenende habe ich in Weimar verbracht (die obligate Hausnummer folgt demnächst), und am Weg zu Werner Tübkes formidablen
Panorama "Frühbürgerliche Revolution in Deutschland" fiel mir der Hinweis auf das
Thüringer Kloßmuseum auf; der Thüringer Kloß (für gelernte ÖsterreicherInnen: er unterscheidet sich nicht wirklich massiv vom Waldviertler Knödel) soll übrigens
Weltkulturerbe werden! Selbstredend wird auch das Internationale Jahr der Kartoffel mit den zwei Ausstellungen
Denkma(h)l Kartoffel und
Kartoffelkulturland Peru gewürdigt, auch die
Deutsch-Schwedische Kartoffelfreundschaft kommt nicht zu kurz. Ja, und es gibt selbst ein eigenes Weblog zu
Thüringer Kloß & Kartoffelkult(ur)! Wow! Und weil's zum Thema passt:
Science ORF berichtet über einen zwischen Peru und Chile entbrannten Streit um den Ur-Erdäpfel.
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Alltag - Do, 29. Mai. 2008, 08:30
Berlin, Prinzregentenstraße 66: Im Vorgängergebäude wohnte Walter Benjamin von 1930 bis zur Emigration 1933.
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Fotos - Mi, 28. Mai. 2008, 09:00
In seinem sehr informativen Conversations-Handbuch für Berlin und Potsdam beschreibt Leopold Freiherr von Zedlitz in dankenswerter Deutlichkeit die kontrollierende Kraft der Nummerierung:
Eckensteher (die), eine der Hauptstadt eigenthümliche Art Arbeitsleute, welche aber, wie der Name schon andeutet, noch häufiger in einer erwartenden Unthätigkeit, als in einer nützlichen Beschäftigung angetroffen werden; ein Umstand, welcher nicht aus Mangel an Gelegenheit zur Arbeit, sondern mehr aus einer gewissen speculativen Indifferenz und einem bequemen Erwarten der Dinge, die ihrer Meinung nach noch einträglichern Lohn, als das ihnen Gebotene oder Zukommende abwerden sollen, hervorgeht. Eine sehr nothwendige, seit einigen Jahren eingeführte polizeiliche Kontrolle und Bezeichnung durch Nummern hält diese, früher nur durch ihre derbe Eigenthümlichkeit bekannte, in neuerer Zeit aber dramatisirte, niedere Volksklasse in möglichen Schranken, wodurch sich die Behörde ein nicht geringes Verdienst um das Publikum erworben hat. Im Ganzen werden sie mehr gescheut als zu Dienstleistungen benutzt, da traurige Erfahrungen der verschiedensten Art das Publikum veranlaßt haben, sich lieber auf irgend eine andere Weise Dienstleistungen zu verschaffen, als sich diesen stereotypen und numerirten Straßen-Lakaien anzuvertrauen.
Zedlitz, Leopold Frhr v: Neuestes Conversations-Handbuch für Berlin und Potsdam zum täglichen Gebrauch der Einheimischen und Fremden aller Stände. Berlin: Eisersdorff, 1834. ND Leipzig: Zentralantiquariat der DDR, 1979, S.159f.
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Nummerierung - Di, 27. Mai. 2008, 09:00
Gleich zwei interessante Bildungs-Angebote zu Prekarisierung hat die Schweiz anzubieten: Zum einen läuft noch bis Anfang Juni in der Zürcher Shedhalle in der Roten Fabrik die Projektreihe
Work to do! Selbstorganisation in prekären Arbeitsbedingungen (vgl. einen Bericht in der
Jungle World). In Luzern wiederum findet 6./7. Juni 2008 das Symposium
Prekarität und Protest statt. [via
Kulturwissenschaftliche Technikforschung]
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Arbeit - Mo, 26. Mai. 2008, 09:00
In seinem Buch über Breslau beschreibt Julius Krebs folgenden Gebrauch von Blechmarken mit Nummern:
Wie anders {als in manchen öffentlichen Gärten, wo es kein ungezwungenes Volksleben gibt} ist es dagegen in Pöpelwitz vor dem neuerbauten Kaffeehause am Walde; wie frei, wie sicher wandelt sich's unter den grünen, hohen Eichenhallen, unter dem muntern Gewühl, für welches Raum genug ist im gastlichen Natursaal, der von einem guten Concert einladend wiederhallt. Und da kommen die Spaziergänger in bunten Gruppen, suchen die einfachen Plätze auf, und die Mutter eines jugendfrohen Kreises übergibt feierlich unter den nöthigen Winken dem eiligen Marqueur eine dicke Familendüte mit gemahlnem Kaffee, indeß der Papa Bier bestellt. Aber auch der Einzelne, der Elegant schämt sich nicht, der beflügelten Grünschürze seine schlanke Kaffeedüte aufzudringen, und der Marqueur verzieht nicht eine Miene des philantropischen Gesichts, sondern gibt höflich dagegen eine Blechmarke mit draufgeschlagner Nummer. Denn es ist eine patriarchalische Sitte, so alt als das Kaffeetrinken der Breslauer selbst, in öffentliche Gärten Kaffee und Zucker mitzubringen, und die Blechmarke gilt als Empfangschein des Wirths, gegen welche die fertige Portion, deren Nummer der Marqueur schmetternd ausruft, eingelöst wird. An Bereitungsgebüren, für's Geräth und die gelieferte Sahne empfängt er einen bescheidenen Silbergroschen.
Krebs, Julius: Wanderungen durch Breslau und dessen Umgebungen nebst weitern Ausflügen. Breslau: M. Friedländer, 1836, S. 294 f.
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Nummerierung - Fr, 23. Mai. 2008, 09:00
In Wien nimmt die Hausnummerierung am 11. Oktober 1770 ihren Anfang; knapp ein Monat später berichtet der preußische Gesandte Rohde darüber nach Berlin:
C'est deja depuis quelque temz qu'on est ocupé ici a numerotter touttes les maisons de Vienne et à compter tous les habitanz quy y sont domiciliés et sujets à la domination de S.M. Le denombrement se fait aussi avec la meme applications dans d'autres villes et dans les provinces, où l'on etablit des cantons pour le militaire. Les citoyens de Vienne en sont fort allarmés craignant que cela ne tende à fournir le logement aux soldats de la garnison ou a en payer le montant sous le titre d'autres charges onereuses pour le Bourgeois. Mais la cour ayant donné a connoitre qu'en agissant ainsi elle n'avoit d'autre but que de savoir le nombre de ses sujets, afin de prendre ses mesures au juste pour les vivres et des magasins a entretenir, pour obvier a la disette des mauvaises recoltes et aux calamités, qu'en resailliroient principalement sur le menu peuple et sur les pauvres. Il es tres possible, que ce qui n'a dabord ete etabli que dans ce point de vue, serve egalement dans la suite a d'autres usages, qu'en commensant par faire du bien au peuple, on ne finisse par lui etre fort a charge. C'est une des raisons pourquoi celui-ci est si fort en garde contre les nouveautes.
90. Relation des Gesandten v Rohde, Wien 10.11.1770, in: Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin, I. Hauptabteilung Geheimer Rat, Rep. 1, Nr. 486, f.330r-v. (vgl. auch: I. HA, Rep.96, Fach 47 D)
-Alarmiert ist demnach die Bevölkerung angesichts der Seelenkonskription und Hausnummerierung; genau dieselbe Begrifflichkeit verwendet übrigens der französische Gesandte Durand in seinem Bericht nach Paris:
L'execution du dénombrement répand ici l'allarme, surtout dans les Villages. Quantité de Jeunes Gens cherchent à se soustraire par la faite, à la nécessité où ils craignent être dans la Suite à porter les Armes. C'est en vain qu'on a cherché a faire sentir à l'Empereur la conséquance d'un arrangement qui semble annoncer à Sa noblesse et a son Peuple une administration aussi dure que celle du Roy de Prusse. Il a rejetté toutes les representations qu'on a pu lui faire à ce sujet.
Bericht des Gesandten Durand, Wien 5.12.1770, in: Archives du Ministère des Affaires étrangères, Paris, CP, Autriche, n° 314, f.316,r-317v
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Hausnummerierung - Do, 22. Mai. 2008, 09:00
Die
Springerin veröffentlicht ein Interview mit dem indischen Historiker Dipesh Chakrabarty; interessant u.a. diese Passage:
In den 1980ern führten die marxistischen Historiker Eric Hobsbawm und Terence Ranger den Begriff der »erfundenen Tradition« ein, den sie für eine wunderbare Möglichkeit hielten, die reaktionäre Mythenbildung zu entlarven. Sie bedachten jedoch nicht, dass die Unterdrückten, aus politischen Gründen und unter bestimmten Umständen, die so genannten Mythen oft auch den Fakten vorziehen könnten, die in den offiziellen Archiven bzw. denen der herrschenden Klasse »entdeckt« werden könnten. Interessante Folgen hatte die These von Hobsbawm und Ranger in Australien. Ein sich für die Rechte der Aborigines in Australien einsetzender Anthropologe dokumentierte vor ein paar Jahren, wie Bergbauunternehmen in Australien ausgebildete HistorikerInnen genau zu dem Zweck engagierten, nachzuweisen, dass es sich bei der Berufung der Aborigines auf die »Tradition« – wenn es um Land ging, an dem die Bergbauunternehmen interessiert waren – lediglich um »erfundene Traditionen« und nichts anderes handeln würde.
[via
kritische Geschichte]
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HistorikerInnen - Mi, 21. Mai. 2008, 09:00
Heute hält Mario Wimmer im
Instituts-Kolloquium des Instituts für Europäische Ethnologie der HU einen Vortrag zum Thema
Verschwinden der Handschrift. Kulturen des Archivs und Obsessionen für Geschichte
Ort: HU Berlin, Institut für Europäische Ethnologie, Mohrenstraße 41, Raum 311
Zeit: 20.5.2008, 18 Uhr
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Veranstaltungen - Di, 20. Mai. 2008, 09:00