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Ebenfalls durchaus hörenswert,...
Ebenfalls durchaus hörenswert, die in der Diagonal-Ausgabe...
adresscomptoir - 2022/10/25 22:33
Guardian: listed status...
Guardian: listed status für 6 Denmark Street - https://www.theguardian.co m/music/2016/mar/22/sex-pi stols-house-denmark-st-lon don-listed-status
adresscomptoir - 2022/09/09 09:53

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Montag, 14. Januar 2008

Radiobeitrag zu IFK-Tagung über Befürchtungen des 18. Jahrhunderts

Donnerstag sendet Ö1 (17.1.2008, 19.05-19.30) einen Beitrag über die im Dezember am IFK abgehaltene Tagung Befürchtungen des 18. Jahrhunderts:
Als in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Gerüchte über mordende Untote aus den Randgebieten der Habsburgermonarchie in die urbanen Zentren dringen, entsteht Panik. Eine Panik, die so gar nicht zeitgemäß für ein Bürgertum scheint, das mit Hilfe der Aufklärung eben erst alle irrationalen Befürchtungen abgeschüttelt zu haben vermeint.
Doch die Furcht - "die Unlust über ein bevorstehendes Übel, mag es nun wirklich oder nur in der Einbildung bevorstehen" (Johann Christoph Adelung, 1775) - verschwindet auch im Zeitalter der Aufklärung nicht. Im Gegenteil: Oft scheinen die Anstrengungen der Aufklärer Befürchtungen aller Art erst recht mitzuproduzieren.
Woher kam die Furcht vor Vampiren, vorzeitigen Begräbnissen und Monstrositäten? Wer schürte sie, und zu welchem Zweck? Und mit welchen Bewältigungsstrategien rückte man der Furcht zu Leibe?

Sonntag, 13. Januar 2008

Daheim: Interview mit Hermann L. Gremliza

Die nunmehr online zugängliche Ausgabe 11/2007 des Online-Magazin Daheim hat den Schwerpunkt Links VS Rechts (PDF) und enthält u.a. ein Interview mit konkret-Herausgeber Hermann L. Gremliza. Dessen Schluss lautet wie folgt:

Können Sie mir die Spaltung der Linken in Anti-Imperialisten und Anti-Deutsche erklären?

Der Antiimperialist sieht die Welt so, dass die USA die Kontinente unterjochen, wobei die anderen Staaten und besonders Deutschland die Rolle unfreiwilliger und landesverräterischer Vasallen spielen. Der Antideutsche sieht, dass schlimmer als Imperialismus deutscher Imperialismus ist - und was hätte die deutsche Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts erwiesen, wenn nicht dies -, und tendiert leider dazu, über dieser richtigen Einsicht den amerikanischen Imperialismus als Reich der Freiheit misszuverstehen. Antideutscher Antiimperialismus - das wäre die hierzulande adäquate linke Position.

Wie sähe eine bessere Welt aus? Und vor allem: Welche konkreten Schritte wären dafür notwendig?

Ich bin Kritiker, ich kann nur zersetzen und niederreißen. Und leider nicht einmal
das so gut, wie ich möchte. Was über eine bessere Welt gesagt werden kann, steht bei Marx auf wenigen Zeilen: 'Das Elend der Philosophie', MEW Band 4, Seite 181.


Da das Marx-Zitat in Daheim nicht geliefert wird, sei es hier als Service nachgereicht, ich vermute mal, dass dieses gemeint ist:

Heißt dies, daß es nach dem Sturz der alten Gesellschaft eine neue Klassenherrschaft geben wird, die in einer neuen politischen Gewalt gipfelt? Nein.
Die Bedingung der Befreiung der arbeitenden Klasse ist die Abschaffung jeder Klasse, wie die Bedingung der Befreiung des dritten Standes, der bürgerlichen Ordnung, die Abschaffung aller Stände[Fn] war.
Die arbeitende Klasse wird im Laufe der Entwicklung an die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft eine Assoziation setzen, welche die Klassen und ihren Gegensatz ausschließt, und es wird keine eigentliche politische Gewalt mehr geben, weil gerade die politische Gewalt der offizielle Ausdruck des Klassengegensatzes innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft ist.
[MEW Bd. 4, S. 181 f.]

Samstag, 12. Januar 2008

Die Stadt hören - Peter Payer. Und: 100 Jahre Ohropax

Bereits im April letzten Jahres strahlte Radio Orange eine Sendung der Gegensprechanlage aus, anlässlich einer von Peter Payer redigierten Ausgabe der Zeitschrift für Stadtforschung derive zum Thema Stadt hören. Dank des mittlerweile gehörten Soundfiles weiss ich nun, was für ein wichtiges Jubiläum 2007 an mir vorüberging: 100 Jahre Ohropax. Ein paar Infos dazu im entsprechenden Wikipedia-Artikel mit Links zu Artikeln in der Welt und der taz.

Freitag, 11. Januar 2008

Auf nach ...

... Düsseldorf, zur Tagung des Interdisziplinären Forum »Jüdische Geschichte und Kultur in der Frühen Neuzeit und im Übergang zur Moderne«. Thema ist Jüdische Migration und Mobilität in der Frühen Neuzeit, ich werde dort über Erfassung und Vertreibung. Das Beispiel der habsburgischen »Judenkonskriptionen«, 17.-19. Jahrhundert referieren.

Rezension von Michael Pammer im Historicum

In der aktuellen, soeben verschickten Ausgabe der Zeitschrift Historicum (Herbst 2006 [sic!], S.34-36) rezensiert der gestrenge Michael Pammer die von Michael Hochedlinger und mir herausgegebene Quellenedition sowie mein Buch Ordnung der Häuser, Beschreibung der Seelen. Pammers Urteil ist in beiden Fällen positiv, die Edition hält er für gründlich und benutzerfreundlich, mein Buch für nicht nur kenntnisreich, sondern auch oft recht unterhaltsam; er findet dafür die abschließende Einschätzung: Insgesamt ein lesenswerter Band.

Der Rezensent hat auch ein paar kleinere Kritikpunkte und Anregungen, auf die ich gerne eingehen möchte, ist doch ein Weblog gerade dafür wie geschaffen:
  • Was meine Behandlung des Widerstands gegen die Seelenkonskription betrifft, so hält Pammer Überschriften wie »Widerstand« und »Renitente Adlige und maulende Mönche« für etwas missverständlich, da sie mehr erwarten lassen, als dann herauskommt. Allerdings, gerade wenn man die Reaktionen auf die erbländische Seelenkonskription mit denen im folgenden Jahrzehnt in Ungarn vergleicht, waren diese verhältnismäßig moderat. Was mich aber frappiert hat, war, wie sensibel die Behörden auf mögliche Widerstände eingestellt waren, ja geradezu damit rechneten. Die Befürchtungen waren doch recht groß, und so auch die - zeitgenössischen - Erwartungen, die ganze Aktion könnte vollkommen scheitern.
  • Wie kann man die Wichtigkeit und die Auswirkungen einer Maßnahme wie der Hausnummerierung einschätzen? Pammer schreibt: An sich wichtig war sicher die Einhebung von Abgaben und Steuern; ob sie durch die Numerierung der Häuser erleichtert wurde, könnte man durch einen Vergleich der Steuereinnahmen und der Einhebungskosten vor und nach der Hausnumerierung prüfen (eine über die üblichen Schwankungen hinausgehende Änderung wäre allerdings eine Überraschung). - Nun, das ist doch eine gute Anregung für die künftige Forschung! Der Rezensent weiter: Billiger wurde wahrscheinlich die Postzustellung, aber das wurde erst später relevant. - Hier ist ja interessant, dass kurz nach der Hausnummerierung in Wien die Stadtpost, die so genannte Kleine Post eingerichtet wurde; in zeitgenössischen Briefen (wie ich am Beispiel Mozarts [PDF] gezeigt habe) wurden die Hausnummern schon bald verwendet, wobei dies sicher noch eingehender untersucht werden könnte.
  • Pammer beurteilt die Arbeit auch aus der Perspektive eines Wirtschaftshistorikers: Daß die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Maßnahmen in dieser Untersuchung praktisch nicht behandelt werden und auch eine Erörterung unterbleibt, wie man zu einer brauchbaren Abschätzung gelangen könnte, ist bedauerlich. Immerhin gehören die wirtschaftlichen Ergebnisse institutioneller Neuerungen zu den wichtigsten und anregendsten Themen der historischen Forschung. - Auch dies reiche ich doch gerne an die künftige Forschung weiter!
  • Kulturwissenschaftliche Zugänge, die auch sensibel für die Sprache der untersuchten Dokumente sind, scheinen nicht ganz auf die Gegenliebe des Rezensenten zu stoßen: Wie erwähnt, hat der Band durchaus einen Unterhaltungswert, jedenfalls dann, wenn man bereit ist, die eine oder andere irrelevante Anekdote zu akzeptieren, und den betont an der Quelle orientierten Stil goutiert. Manche Teile sind eher literarisch interessant, zum Beispiel ein längerer Abschnitt unter dem Titel »Vermischungen«, in dem der Autor auf verschiedene Zusammenhänge eingeht, in denen der Begriff auftaucht: (...) Ein vermischtes Kapitel also, und die Behörden des 18. Jahrhunderts hatten ganz recht, wenn ihnen so etwas mißfiel. - Die Bewertung literarisch interessant kann ich ja als Kompliment nehmen! Was die Relevanz für die Beschäftigung mit dem 18. Jahrhundert anbelangt, würde ich allerdings darauf beharren, dass das Ringen um Ordnung und Klassifikation bei gleichzeitigem Kampf gegen Vermischung ein charakteristisches Merkmal der Behörden (sicher nicht nur, aber besonders auffallend) des klassischen Zeitalters ist, das durchaus erforscht gehört.
  • Pammer hätte gerne eine Gesamtübersicht über alle verfügbaren Zahlen der fünfziger bis siebziger Jahre, d.h. der zeitgenössischen Volkszählungsergebnisse abgedruckt gehabt. Ich habe darauf bewusst verzichtet, zum einen, weil meine Fragestellungen eher auf das Zustandekommen der Ergebnisse gerichtet waren und nicht darauf, diese auszuwerten, zum anderen, da die meisten erhaltenen Tabellen in der einschlägigen Literatur (u.a. Gürtler und Grossmann) ohnehin schon abgedruckt sind und ich nur jene Ergebnisse veröffentlicht habe, die ich bislang in der Literatur nicht finden konnte und die für mich relevant erschienen. Aber es stimmt sicher, dass es von Vorteil wäre, eine Aufstellung der unterschiedlichen Ergebnisse leicht verfügbar zu haben. Vielleicht findet sich ja jemand, der in naher Zukunft diese im Internet veröffentlicht (was im Übrigen die Existenz einer geeigneten Publikationsplattform dafür voraussetzt; vielleicht tut sich da ja mal was!); in manchen Fällen (insbesondere für die Männer in manchen steirischen Kreisen) sind in den Akten recht detaillierte Tabellen vorhanden, die für die weitere Forschung recht interessant sein könnten. Was allerdings die Verwendung dieser Ergebnisse durch die heutige historische Forschung betrifft, so wäre ich eher skeptisch, würden diese für aktuelle historisch-demographische Fragestellungen herangezogen werden, erscheinen sie mir doch dafür aus vielen im Buch angeführten Gründen zu ungenau. Sehr wohl geben diese Ergebnisse aber Aufschluss darüber, auf welchen Grundlagen die damalige Verwaltung zu ihren Entscheidungen kam, und das macht eine Publikation selbstredend immer noch wichtig genug.
  • Nur, um nicht fälschlich eine Autorenschaft zugeschrieben zu bekommen, die nicht die meine ist: Das Zitat in Pammers Rezension aus der Quellenedition (S. LXIII) stammt - wie aus deren Inhaltsverzeichnis hervorgeht - nicht von mir, sondern von Michael Hochedlinger.
Nicht unlustig - wenn auch für den Betroffenen sicherlich schmerzhaft - finde ich übrigens, dass das Erscheinen der Rezension eventuell einem abgerissenen Zehennagel geschuldet ist. Sie wollen wissen, warum? Lesen Sie das Editorial!

Donnerstag, 10. Januar 2008

Rudolf Forster zu Karl Schranz

Es ist schon etliche Jahre her, dass ich mich mit dem so genannten "Schranz-Rummel" beschäftigt habe, der im Februar 1972 zeigte, wozu unverfälschtes Österreichertum fähig ist; mein ursprünglich 1995 in der Zeitschrift ZeitRaum veröffentlichter Artikel wurde ein paar Jahre später auf der Homepage des Demokratiezentrums wiederveröffentlicht. 2006 ist nun ein Sammelband zu den österreichischen Sportstars erschienen, der auch einen Beitrag zu Karl Schranz enthält:

Forster, Rudolf: Karl Schranz. Skirennläufer, in: Marschik, Matthias/Spitaler, Georg (Hg.): Helden und Idole. Sportstars in Österreich. Innsbruck/Wien/Bozen: Studienverlag, 2006, S. 259-273.

Gagge statt Flagge!

Soso, Peter Pilz (Eintrag vom 13.12.2007) geriert sich jetzt als österreichischer Patriot und watscht verbal die Grüne Parteijugend, die den Slogan Nimm dein Flaggerl für dein Gaggerl kreierte. Über die ganze Angelegenheit schreibt Franz Schandl treffend in der Online-Ausgabe der Streifzüge. Irgendwie geht Pilz ja nicht weit genug, wenn er den vaterlandslosen Gesellen rät, sich eine Scheisspartei [zu] suchen, und eben nicht die Grünen. Wie wär's mit den in Deutschland diskutierten wohltuenden Erziehungslagern? Und selbstverständlich Hubschraubereinsatz!

Sigrid Wadauer als Geistesblitz im Standard

In der gestrigen Wissenschaftsbeilage des Standard wurde die Wiener Historikerin Sigrid Wadauer als Geistesblitz porträtiert. Wadauer hat vor kurzem das auf sechs Jahre anberaumte START-Stipendium zugesprochen bekommen und arbeitet an einem Projekt mit dem Titel Die Erzeugung von Arbeit.

Mittwoch, 9. Januar 2008

Nach Feierabend, 3.2007

Das Inhaltsverzeichnis des Jahrgangs 2007 der Zeitschrift Nach Feierabend. Zürcher Jahrbuch für Wissensgeschichte (Schwerpunkt: Daten) liest sich nun wirklich spannend, u.a. befinden sich darin folgende Artikel:

David Gugerli: Die Welt als Datenbank. Zur Relation von Softwareentwicklung, Abfragetechnik und Deutungsautonomie
Markus Krajewski: In Formation. Aufstieg und Fall der Tabelle als Paradigma der Datenverarbeitung
Dominique Linhardt: Die »Informationelle Frage«. Elemente einer politischen Soziologie der Polizei- und Bevölkerungsregister in Deutschland und Frankreich
Hans-Jörg Rheinberger: Wie werden aus Spuren Daten, und wie verhalten sich Daten zu Fakten?
Helmut Müller-Sievers: Der Vorbeifahrer. Thomas Pynchons »Against the Day«

[Via Archivalia]

Dienstag, 8. Januar 2008

Historische Sozialkunde 3/2007: Krieg und Integration

Vor kurzem ist die Ausgabe 3/2007 der v.a. für GeschichtslehrerInnen konzipierten Zeitschrift Historische Sozialkunde mit dem Thema Krieg und Integration. MILITÄR MACHT GESELLSCHAFT erschienen. Die Einleitung ist online.

Thomas Kolnberger: Krieg und Integration - zur Einführung (PDF) (2-4)

Anton Tantner: Der „militärische Wohlfahrtsstaat“ der Habsburgermonarchie. Eine kurzlebige schwarze Utopie (5-12)

Asli Odman: Das Militär in der Türkei: die große Unbekannte? (13-20)

Saskia Stachowitsch: Gendering of War. Warum Krieg als männlich gilt und dennoch eigentlich nichts mit Männlichkeit zu tun hat (21-27)

Drehli Robnik: Teamwork, Gedächtnis, Ohnmacht. Handlungsorientierungen, Geschichtsbilder und Sinnlichkeitsentwürfe im US-Kriegsfilm (28-37)

Jutta Nowosadtko: Vor Dilettantismus wird gewarnt - Ein Plädoyer für die schulische Auseinandersetzung mit Krieg und Kampf (38-40)

Ausstellung zu 75 Jahre "Die Arbeitslosen von Marienthal"

Das Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich hat eine Ausstellung zur klassischen soziologischen Studie Die Arbeitslosen von Marienthal kuratiert, die laut Standard ab 24. Jänner im Linzer Wissensturm gezeigt wird.

Montag, 7. Januar 2008

Ausstellung zu Vauban

Schon seit November läuft in der Pariser Cité de l'architecture et du patrimoine eine Ausstellung zu Vauban, zu besichtigen noch bis Anfang Februar; Lob dafür spendet heute die NZZ.

Internationales Jahr der Kartoffel

Fein, für das International Year of the Potato gibt es auch eine eigene mehrsprachige Homepage: http://www.potato2008.org [via Early Modern Notes]

Sonntag, 6. Januar 2008

Berliner Hausnummern

Wieder mal eine Glosse zu den Schwierigkeiten, sich mit den Berliner Hausnummern zurecht zu finden, diesmal im Wiener Zeitung-Extra von Verena Mayer:

Dazu kommt, dass Berlins Straßen nicht nur länger sind als anderswo, sondern auch anders nummeriert. In Berlin befinden sich nicht auf der einen Seite die geraden Nummern – und auf der anderen die ungeraden. Nein, die Straßen sind fortlaufend nummeriert: erst steigen die Nummern auf der einen Seite an und gehen dann auf der anderen in der entgegengesetzten Richtung weiter.
Ich erinnere mich an einen meiner ersten Termine, den ich in Berlin hatte. Ein Interview in einer Galerie mit der Hausnummer 260. Ich schaute auf den Stadtplan, sah, dass die Straße ungefähr so lang war wie der Jakobsweg, und schloss daraus, dass Nummer 260 knapp an der brandenburgischen Grenze liegen müsse. Als ich aus der S-Bahn-Station am Ende der Straße trat, stand ich vor Nummer 130. Danach ging es nicht mehr weiter. Ich musste also auf der anderen Seite wieder zurück. Nummer 260 lag genau gegenüber von Nummer 1. Vollkommen zentral. Mit den Worten "Diese Distanzen!" betrat ich eineinhalb Stunden zu spät die Galerie.
Angeblich wurde die Nummerierung von Häusern erfunden, damit das Finanzamt die Bewohner leichter findet. In Berlin scheint die Nummerierung allerdings dafür da zu sein, um die Leute zu verwirren. Vor allem, wenn man in einer der wenigen Straßen landet, die dann doch nach geraden und ungeraden Zahlen nummeriert sind. Vielleicht ist das Berliner Haushaltsdefizit ja deshalb so hoch.

Neuerfindung der Geisteswissenschaften dank Internet?

In der taz zieht Stefan Heidenreich eine Bilanz des in Deutschland soeben abgelaufenen Jahrs der Geisteswissenschaften. Ihm ist in folgendem wohl recht zu geben:

Was ist zu tun? Der Schauplatz der Lösung liegt im Netz. Denn es treibt nicht nur den kulturellen Wandel an, sondern bildet auch das Fundament künftiger Wissenschaften. Das Netz ist nicht die Gefahr, sondern die Gelegenheit für die Geisteswissenschaften, wahrscheinlich die letzte Gelegenheit zur Rettung, wenn man es dramatisch sehen will. Es betrifft die Kulturwissenschaften nicht nur als Gegenstand, sondern auch methodisch. Noch zeichnet sich die Zukunft nur schemenhaft ab, sowohl was die Zirkulation von Texten und Thesen betrifft als auch die Formen der Lehre und des Austauschs von Wissen. Andere Disziplinen sind dort weiter als die Geisteswissenschaften. Nicht nur Informatiker weisen den Weg, sondern auch all jene teils unter Programmierern und Hackern, teils in Unternehmensberatungen entwickelten Lehr- und Lernformen, die derzeit nur ganz langsam in die Universitäten einsickern.

Die dort herrschende Rückständigkeit zeigt sich wohl am deutlichsten in der Tradition der Sammelbände. Sicher ist und bleibt ein Buch das bevorzugte Medium des Lesens. Sobald es aber beim Lesen um die Zirkulation von Wissen, von Thesen und Gedanken geht, ist das Netz dem Papier überlegen. Dennoch bestehen gerade die Vertreter der Geisteswissenschaften darauf, für das Fachpublikum bestimmte Aufsätze und Doktorarbeiten repräsentativ in Buchform vorzulegen, zumeist mit Hilfe horrender Druckkostenzuschüsse. Dieses Geld wird zu einem geradezu widersinnigen Zweck verschwendet. Anstatt im Netz frei verfügbar zu sein, dämmert der Fachaufsatz zwischen Buchdeckeln in ausgewählten Bibliotheken vor sich hin. Der Wille zum Wissen kommt gegen den Willen zur Repräsentation nicht an.

(...) Die Aufgaben sind einfach und schlicht: das Netz als Organisationsform von Wissen und Lehre ernst nehmen. Geschichte nicht als Selbstzweck, sondern Vergegenwärtigung betreiben. Und endlich der Theologie eine Absage erteilen: Rezeption also wieder an die Produktion binden, Wissen und Handeln vereinen.


[via Perlentaucher]

Interview mit Helmut Lethen

Na bitte, es geht ja auch anders, nämlich entspannt und seriös: Im Wiener Zeitung-Extra interviewt Hermann Schlösser den IFK-Direktor Helmut Lethen.

Samstag, 5. Januar 2008

Sonderseite zu 40 Jahre 1968

Die Rosa Luxemburg Stiftung Nordrhein-Westfalen hat eine Sonderseite zum Jubiläum 40 Jahre 1968 eingerichtet: http://ag68.rls-nrw.de/. (Von dort wird auf ein Weblog bei Twoday weitergeleitet.)

Die Ankündigung:
Anlässlich des 40. Jubiläums des 'Bewegungsjahres' 1968 blickt die rls NRW zurück auf diese spannende Zeit.

Es muss etwas dran sein am "Mythos 68", wenn noch heute der konservative wie neo-liberale Teil der Gesellschaft, offensichtlich meint, sich an den 68ern abarbeiten zu müssen. Sie sind vorgeblich an allem Schuld: dem Werteverfall, der unerzogenen Jugend oder sogar am neoliberalen Diskurs selber. Anerkannt wird höchstens die NS-Aufarbeitung oder die Liberalisierung der (bundesdeutschen) Gesellschaft.

Aber sind das 'die' 68er? Ging es da nicht um den radikalen Umbau vom Bildungssystem bis zur Fabrik? Um die Ablehnung von Krieg, Kapital und Konservatismus? Den Traum von einer völlig anderen, befreiten Gesellschaft?
Und wo stehen wir heute? Während die einen zurück in die 50er Jahre wollen und die anderen den totalen Markt ausrufen, ist die Linke mehr denn je auf der Suche:
Zwischen Sozialdemokratie und Massenblockaden, Repression und Anpassung, Parlament und APO, vergangenen Erfolgen und Niederlagen und der Frage an die Zukunft, wie sie denn nun zu machen ist, diese andere Welt.

Möglicherweise ist es heute hilfreich die Spur der Geschichte aufzunehmen und zu fragen, ob denn 'die 68er' eigentlich schon vorbei sind. Jedenfalls in dem Sinne, was da an unerfüllten Forderungen und unüberwundener Vergangenheit noch vor uns liegt.

Geschichte wird gemacht - damals wie heute. Möge es unsere Geschichte sein.


[via Kritische Geschichte]