Als
meisterhafter Versuch, die Formung des modernen Menschen aus dem Geist der Bürokratie zu erklären wird Bernhard Siegerts Buch über die spanische
Seelenbuchhaltung zur Zeit der Kolonisierung Lateinamerikas in der
NZZ bezeichnet:
Siegert, Bernhard: Passagiere und Papiere. Schreibakte auf der Schwelle zwischen Spanien und Amerika. München/Zürich: Fink/NZZ libro, 2006. [
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Communication - Mi, 20. Dez. 2006, 08:55
Via dem flinken
Kakanien:
H-SOZ-U-KULT veröffentlicht einen Tagungsbericht über die
2. Österreichisch-Tschechischen Historikertage, bei denen ich vor ein paar Wochen ultrakurz (5 Minuten waren Zeit!) referiert habe. Mit der Drucklegung meiner im Literaturverzeichnis des Tagungsberichts bereits als veröffentlicht angeführten Dissertation wird's,
wie geblogt, noch etwas dauern.
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Veranstaltungen - Mi, 20. Dez. 2006, 08:23
Manchmal kommt es vor, dass in den Akten zur Konskription der Wahn auftaucht. Meistens wird er beim Volck verortet, wie zum Beispiel in Schlesien, wo es angeblich von Irrwahn befallen ist, weil es sich den so genannten falschen Wichtelzopf zulegt, um seine Gebrechen zu heilen: Die Kommissare der Wichtelzopfkommission sind beseelt davon, endlich dem gemeinen Volke diesen gefasten Irrwahn, und Aberglauben auf einmahl zu benehmen1 und hoffen, dass sich durch ihre Tätigkeit der Irrwahn, und sträfliche Aberglauben des von der falschen plica ganz bethörten gemeinen Volks sich veroffenbahren werde.2 Aberglaube, und Irrwahn firmieren also mehrfach als Zwillingspaar und haben sogar namensstiftende Kraft, denn sie sind es, die den durch Unsauberkeit verworrenen Haaren (...) den Nahmen des WichtelZopfs beylege[n].3
Auch die Konskription selbst kann den Wahn des Volcks schüren, wenn sie wie in Tirol Anfang der 1760er Jahre den allgemeine[n] Wahn anstachelt, es würde durch ihre Vornahme die Leibeigenschaft eingeführt.4 Öfters werden solche und andere Gerüchte oder Reaktionen auf die Konskription als irrige[r] Wohn {sic!}5, als Üble[r] Wahn6 oder falsche[r] Wahn7 bezeichnet; dabei soll unbedingt verhindert werden, dass das Volk irre werde.8
Der Wahn ist zuweilen auch in den Köpfen der zum Militär gestellten Männer anzutreffen: In Krain muss ein vom Stift Landstraß abgegebener Rekrut namens Mathias Fuhrer nach Hause entlassen werden, da er bei der Assentierung als im Köpfe verruckt befunden wird.9
(1) Zemský Archiv v Opavě, Opava (ZAO), Královský Úřad (Kr Ú), 28/29, Kt. 914: Wichtelzopfprotokoll, 14.9.1771.
(2) ZAO, Kr Ú, 28/29, Kt. 914: Wichtelzopfprotokoll, 17.9.1771.
(3) ZAO, Kr Ú, 28/29, Kt. 914: Wichtelzopfprotokoll, 5.10.1771.
(4) Österreichisches Staatsarchiv/Allgemeines Verwaltungsarchiv, Wien (AVA), Hofkanzlei, IV M 3 Tirol, Kt. 1350, 48 ex November 1762: Protokoll der Hofkanzlei und der Hofkammer über die Beschwerden der Tiroler Landschaft, 20.9.1762–27.10.1762.
(5) AVA, Hofkanzlei, IV A 8 Niederösterreich, Kt. 501, 54 ex November 1771: Vortrag des Hofkriegsrats, 10.10.1771; ediert bei HOCHEDLINGER/TANTNER (Hg.): „Teil“, S. 108.
(6) Národní Archiv, Prag (NA), Bestand České Gubernium-Militare, 1763–1783, Q 1, Kt. 268: Saatzer Kreisamt an böhmische Konskriptionskommission, 14.2.1771.
(7) NA, Bestand České Gubernium-Diaetale, 1764–1783, C 556/1, Kt. 135: Hofdekret, 11.11.1775.
(8) Österreichisches Staatsarchiv/Kriegsarchiv, Wien (KA), Bestand Hofkriegsrat (HKR) 1770/74/161 N°6: Vortrag des Hofkriegsrats, 25.11.1769.
(9) KA, HKR 1772/74/115: Protokoll der krainerischen Konskriptionskommission, 26.12.1771.
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Socialpolitik - Di, 19. Dez. 2006, 09:38
In einem mit 1. Jänner 1786 datierten Brief an den Oberkommissarius Meyenberg schlägt der aufklärerische Statistiker August Ludwig Schlözer vor, in der Universitätsstadt Göttingen ein großes Kaffeehaus einzurichten; geleitet werden soll es von Schlözers ehemaligen Bedienten namens Schminke. Ein Café literaire solle das neue Institut sein, und Schlözer präzisiert auch die weiteren Aufgaben des Kaffeehauses: Um besonders das Universitätspublicum anzuziehen, u(nd) nützlich zu unterhalten, würde das Haus zugleich ein Bureau d’adresse seyn. Man würde Jar aus (und) ein zum Lesen und Anschauen auf dem Tische liegen haben – die vornemsten politischen u(nd) gele(h)rten Zeitungen von Europa – neue Journale, Kupferstiche u(nd) Seltenheiten –. Buchführer werden mit der Zeit ihre Avertissements da niederlegen u(nd) die Policei wird durch eigene Instructoren und Kreffte wissen, daß durch diese Erlaubnis das Haus nicht eine Niederlage von sabischen Büchern, Pasquillen (Schmähschriften) usw. werde. Was diese möglich[e] nützlich[e] Errichtung des Bureau d’adresse beträfe, so versicherte Schlözer, dass er dazu das meinige aus meiner Correspondence jar aus jar ein beizutragen gedenke. – Als Adressbüro versteht Schlözer demnach ein Lektürekabinett, das als Umschlagplatz für gedruckte Information dienen soll; dieser weitläufige Vorschlag wird übrigens nur in eingeschränkter Form bewilligt, die Bureau d’Adresse-Funktion des Cafés wird nicht verwirklicht: Dem Bedienten Schminke wird nur die Konzession für eine Billardstube samt verbundener Kaffeeschänke erteilt.
Albrecht, Peter: Kaffee. Zur Sozialgeschichte eines Getränks. (=Veröffentlichung des Braunschweigischen Landesmuseums; 23). Braunschweig 1980, S. 26f. [Mit einem Teilfaksimile des Briefs von Schlözer, leider ohne Quellenangabe]
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Adressbueros - Mo, 18. Dez. 2006, 09:48
Morgen wird die DVD zur Ausstellungsserie Remapping Mozart präsentiert:
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Präsentation der DVD-ROM "Verborgene Geschichte/n - remapping Mozart"
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HERZLICHE EINLADUNG ZU DVD-PRÄSENTATION UND ABSCHLUSSFEST
*Montag, 18. Dezember 2006, 18 Uhr*
brick-5, Fünfhausgasse 5, 1150 Wien
www.remappingmozart.mur.at
Die viersprachige DVD "Verborgene Geschichte/n - remapping Mozart" ist eine künstlerische Arbeit und gleichzeitig Dokumentation des vierteiligen Ausstellungsprojekts, das von März bis Oktober 2006 an verschiedenen Orten in Wien zu sehen war. Sie umfasst die gezeigten Kunstwerke, Texte, Dokumente und Informationen und dient als ein nachhaltiges vielschichtiges Archiv.
Vorstellung gemeinsam mit Peter Marboe, Intendant WIENER MOZARTJAHR 2006 und beteiligten KünstlerInnen, TheoretikerInnen und den KuratorInnen des Projekts
Moderation: Lisl Ponger & Tim Sharp
anschließend drinks & bites mit DJ dfkt
Laptop mitbringen und gleich vor Ort ausprobieren!
Die DVD ist bei der Präsentation und im Anschluss in der basis wien gratis erhältlich.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit basis wien - Kunst, Information und Archiv
Dank an: Lioba Reddeker (basis wien), Thomas Haffner (brick-5)
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Verborgene Geschichte/n - remapping Mozart
Ein Projekt von WIENER MOZARTJAHR 2006
Idee: Peter Marboe, Lisl Ponger
KuratorInnenteam: Ljubomir Bratic, Araba Evelyn Johnston-Arthur, Lisl Ponger, Nora Sternfeld, Luisa Ziaja
Koordination: Luisa Ziaja; Katharina Jeschke (WIENER MOZARTJAHR 2006)
Konzept DVD-ROM: Lisl Ponger, Tim Sharp
Code & Design DVD-ROM: Martin Sägmüller
Graphic Design: Toledo i Dertschei
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brick-5, Fünfhausgasse 5, 1150 Wien
Erreichbarkeit:
U6-Station Gumpendorferstraße, 3 min. Gehzeit: Sechshauserstraße, 2. rechts in die Fünfhausgasse
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Veranstaltungen - So, 17. Dez. 2006, 11:37
Wer die äußerst erfreulichen Groll-Geschichten von Erwin Riess lesen möchte, kann dies im Moment - soweit ich das überblicke - nur offline, in der Zeitschrift der Dachorganisation der Behindertenverbände Österreichs mit dem Titel
monat - Sozialpolitische Rundschau (
Homepage). Immerhin, eine Groll'sche Weihnachtsgeschichte samt Punschhüttensoziologie ist heute im
Presse-Spectrum veröffentlicht.
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Belletristik - Sa, 16. Dez. 2006, 12:32
In der bei UTB herausgekommenen Neuauflage des
Schreib-Guide Geschichte gibt es nun auch ein neues Kapitel über Weblogs und Hypertext. Verfasst von Martin Gasteiner und Jakob Krameritsch wird darin unter anderem darauf eingegangen, wie gemeinschaftlich Texte im Internet verfasst werden können und wie Weblogs und Content Management Systeme in der universitären Lehre eingesetzt werden können:
Krameritsch, Jakob/Gasteiner, Martin: Schreiben für das WWW: Bloggen und Hypertexten, in: Schmale, Wolfgang (Hg.): Schreib-Guide Geschichte. Schritt für Schritt wissenschaftliches Schreiben lernen. Wien/Köln/Weimar: Böhlau/UTB 2854, 2006, S. 231-271. [
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Blogosphaere - Fr, 15. Dez. 2006, 08:44
1070 Wien: Bandgasse 11
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Fotos - Do, 14. Dez. 2006, 09:21
Im
Wiener Zeitung-Extra macht Walter Klier auf die Neuausgabe eines aktuell gebliebenen Werks des tschechischen Autors
Jaroslav Hašek aufmerksam; Hašek - zunächst anarchistisch, dann kommunistisch politisch aktiv - schreibt darin über eine 1911 von ihm gegründete Spaßpartei, die einmal zur Wahl antrat und gigantische 36 Stimmen bekam. Stolz ist allerdings der Preis, um den das 144-Seiten-Buch vom Parthas-Verlag nun angeboten wird, nicht weniger als 48 Euro werden verlangt.
Hašek, Jaroslav: Geschichte der Partei des gemäßigten Fortschritts im Rahmen der Gesetze. Berlin: Parthas, 2005. [
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Politik - Mi, 13. Dez. 2006, 10:11
Da ich ein bisschen zu der Literatur zu Jazz und Jugend im Nationalsozialismus recherchiert habe, die seit meiner Diplomarbeit erschienen ist, möchte ich die Ergebnisse meiner Recherche (DNB, ÖVK, Historical Abstrachts, Historische Bibliographie) nicht vorenthalten:
BARBER-KERSOVAN, Alenka/UHLMANN, Gordon (Hrsg.): Getanzte Freiheit. Swingkultur zwischen NS-Diktatur und Nachkriegsdemokratie. Hamburg: Dölling u. Galitz, 2002.
FELLEITNER, Michael: Jazz im Nationalsozialismus. Linz: Diplomarbeit an der Universität Linz, 2000.
HASENBEIN, Heiko: Unerwünscht - toleriert - instrumentalisiert. Jazz und Swing im Nationalsozialismus. In: 1999. Zeitschrift für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts. 10.1995. S.38-52.
HUMER, Christian: Verweigerung und Protest im „Dritten Reich“. Jugendliche Oppositionsformen in Deutschland und Österreich. Linz: Diplomarbeit an der Universität Linz, 2003.
KATER, Michael H.: Hitlerjugend. Darmstadt: Primus, 2005.
KENKMANN, Alfons: Wilde Jugend. Lebenswelt großstädtischer Jugendlicher zwischen Weltwirtschaftskrise, Nationalsozialismus und Währungsreform. Essen, Klartext, 2. Aufl., 2002.
LÜCKE, Martin: Jazz im Totalitarismus. Eine komparative Analyse des politisch motivierten Umgangs mit dem Jazz während der Zeit des Nationalsozialismus und des Stalinismus. Münster: Lit, 2004.
MEJSTRIK, Alexander: Urban Youth, National-Socialist Education and Specialized Fun. The Making of the Vienna Schlurfs, 1941-1944. In: SCHILDT, Axel/SIEGFRIED, Detlef (Hrsg.): European Cities, Public Sphere and Youth in the 20th Century. London: Ashgate, 2005, S. 57-79.
RATHGEB, Kerstin: Helden wider Willen. Frankfurter Swing-Jugend zwischen Verfolgung und Idealisierung. Münster: Westfälisches Dampfboot, 2001.
SCHIEFELBEIN, Dieter: Zur Verfolgung der Swing-Jugend in Frankfurt am Main. In: KNIGGE-TESCHE, Renate/ULRICH, Axel (Hrsg.): Verfolgung und Widerstand in Hessen 1933-1945. Frankfurt am Main: Eichborn, 1996, S. 392-403.
SCHULZ, Klaus: Jazz in Österreich 1920-1960. Wien: Album, 2003.
Nachtrag:
KURZ, Jan: „Swinging Democracy“. Jugendprotest im 3. Reich. (=Geschichte der Jugend; 21). Münster u.a.: Lit-Verlag, 1995.
UEBERALL, Jörg: Swing Kids. [Bad Tölz]: Tilsner, 2004.
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Swings - Di, 12. Dez. 2006, 08:00

Es wird noch ein bisschen dauern, bis meine Dissertation erscheint, Finanzierungsprobleme, das übliche. Ein Cover gibt es jedenfalls schon mal, und ich hoffe, dass sie Anfang nächsten Jahrs herauskommen wird:
Tantner, Anton: Ordnung der Häuser, Beschreibung der Seelen - Hausnummerierung und Seelenkonskription in der Habsburgermonarchie. (=Wiener Schriften zur Geschichte der Neuzeit; 4). Innsbruck/Wien/Bozen: Studienverlag, geplanter Erscheinungstermin Anfang 2007.
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Hausnummerierung - Mo, 11. Dez. 2006, 08:00