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Donnerstag, 26. Juli 2007

Marpergers Meßadresscontoir, 1710 oder: von Amazon über Google nach Köln

Manchmal braucht man dank der diversen Digitalisierungsprojekte gar nicht mehr auf gedruckte Bücher zurückgreifen, sondern es ist nur nötig, zwischen den Projekten hin- und her zu jonglieren und dann dabei noch Google einzusetzen. Als Beispiel dafür kann ich das Auffinden einer Erwähnung von Adressbüros zur Unterstützung des Kaufmanns in einem Buch von Paul Jacob Marperger anführen:
marperger_1
Ich suchte mit Amazons Search Inside nach dem Begriff „Adressbüro“ und bekam als Ergebnis einen Eintrag im Deutschen Fremdwörterbuch zum Begriff der „Adresse“; dort war u. a. zu lesen:
marperger_2
Ein MeßAdreßContoir also, erwähnt in einem Buch von Marperger, Titelkürzel MJ, erschienen 1711, Band 1, Seite 390.(*) Mittels Search Inside innerhalb des Buchs (nach dem im Inhaltsverzeichnis eruierten Begriff „Zweitquellen“) konnte ich dann noch aus Amazon die bibliographischen Angaben von Schirmer herauskitzeln, der mich interessierende Marperger wird aber nicht erwähnt. Nun also schnell Marperger in der Wikipedia nachgesehen, dort aber Fehlanzeige, das Verzeichnis seiner Werke ist dort nur schmal und bei den Reprints werden die Originalerscheinungsjahre nicht erwähnt. Also Google, Suche nach Marperger 1711; voila: unter den Ergebnissen findet sich auch der Hinweis auf eine Beschreibung der Messen und Jahr-Märckte von 1711 (mit dem KVK wär’s selbstredend auch gegangen). Schnell geht’s weiter mit Google, Marperger "Beschreibung der Messen"; und schon kommt das Digitalisat von der Uni Köln (wenn auch mit dem Erscheinungsjahr 1710).
Dort dann die Erwähnung des Meß-Adress-Contoirs, in einem Kapitel, das die Tätigkeiten eines Kaufmanns auf der Messe beschreibt; es wird an dieser Stelle eine Arbeitsvermittlungsstelle für die auf der Messe benötigten so genannten Marckt-Helffers und Handlangers oder Tag-Löhners (389) verstanden:
Und wolte ich dißfalls als ein sonderbares und zur Aufnahm der Meß gereichendes Arcanum ein so genanntes Meß-Adress-Contoir recommendiret haben, welches die beeydigte Stadtmäcklers oder Sensalen halten müste, in welchem alle diejenige Kauf-Dieners oder Jungen, welche Herren, oder die Herren, so Jungen suchten, sich angeben, ihre Namen anschreiben, und fernere Nachweisung gegen Erlegung einer gewissen leidlichen Discretion gewärtig seyn müsten, in welchen Fall die Mäcklers dergleichen sich angebende und Dienst-suchende Leute vorhero examiniren und ihres Thuns und Lassens halber genaue Nachricht einziehen, und folglich den Herrn oder Kauffmann, der einen Jungen oder Diener suchet, so viel sicherer bedienen könten. Wann auch so gleich in einem solchen Adress-Contoir (von dessen grossen Nutzen in einer Stadt unser neu-eröffnetes Adress-Contoir ausführlich handelt,) ein Notarius bestellet wäre, der so gleich die zwischen Herrn und Diener aufzurichtende Contracten verfertigte, (sonderlich wann sich einige gesessene Leute vor den in Dienst tretenden Jungen oder Diener bürglich einliessen, in welchem Fall ein Notariale Instrumentum allerdings nothwendig seyn will,) so gienge ein Kauffmann so viel sicherer, erspahrte auch die Müh des selbst-Aufsetzens des Contracts, und sonderlich die in denen Meß-Zeiten sehr nütze und kostbare Zeit, wäre auch dabey des vielen Inquirirens auf des in Dienst zu nehmenden seines Lebens und Wandels überhoben, indem das Adress-Contoir solches der Kauffmannschaft zum Besten vorher zu bewerckstelligen endlich verbunden seyn müste.
Ob es sich nun noch auszahlt, nach Alfred Schirmers Wörterbuch der deutschen Kaufmannssprache auf geschichtlichen Grundlagen (Straßburg: Trübner, 1911) zu suchen? Nun, in Google Books ist es zumindest in Auszugs-Ansicht vorhanden, die gibt (bei einer Suche innerhalb des Buchs nach Marperger) folgendes her:
marperger_3
Noch ein Hinweis also, auf [Friedrich Wilhelm] Eitzen 1894 Seite 5, gemeint ist Fremdwörter der Handelssprache (Leipzig: Haessel, 1894); klingt nicht unbedingt verlockend, mehr als die diversen Übersetzungen von Adressbüro dürfte dort nicht zu finden sein. Aber vielleicht schau’ ich ja doch mal wieder nach, wenn’s in Google Books aufgenommen ist (derzeit befinden sich dort nur die bibliographischen Angaben).

MARPERGER, Paul Jacob: Beschreibung der Messen und Jahr-Märckte (...). Leipzig: Gleditsch, 1710, Bd.1, S. 390 f.

STRAUSS, Gerhard (Bearb.): Deutsches Fremdwörterbuch. Berlin u.a.: de Gruyter, 2. Aufl., 1995, Bd. 1., S. 138.

(*) Kurze Randbemerkung: Das Deutsche Fremdwörterbuch wäre auch in Google Books vorhanden, alleine, dort taucht es nicht als Ergebnis einer Suche nach Adressbüro auf, wohl auf Grund der schlechten OCR-Scans.