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Dienstag, 10. Juli 2007

Hanno Millesi: Die Aufgabe des Historikers

Auf den Roman von Hanno Millesi hat mich Martin Gasteiner (Homepage/Weblog) aufmerksam gemacht; Millesi lässt darin folgende Position zur Aufgabe der Geschichtsschreibung zu Wort kommen: Der Historiker, so Allmeyer schon damals, der Historiker habe die Aufgabe, für sein Publikum – er nannte die Rezipienten eigenartiger Weise Publikum – unter Aufbietung all seiner Kräfte, seiner Erfahrung und seines Geschicks, die wirklich aussagekräftigen, die nahe gehenden Dokumente aufzuspüren. Es gehe nicht um Hypothesen, um Theorien, sondern um reale Zeugnisse. Wie kümmerlich etwa würden diverse Spekulationen über dieses und jenes sagenhafte Bauwerk verglichen mit dem Auffinden seiner Ruine anmuten. Was ließe sich schon mit dem Vorstellungsvermögen eines Bücherwurms im Vergleich zu einem Blick, einem Satz aus dem Wahrnehmungsapparat eines direkt Beteiligten ausrichten? In manchen Fällen präsentiere sich sogar ein Gegenstand aussagekräftiger als eine aus unzähligen Quellen angereicherte Conclusio. [Absatz] Darin, so Allmeyer, mich schmunzeln machend, darin liege eines der Geheimnisse, wie die Geschichtsforschung einem Publikum, von dem die theoretischen Konstellationen mittlerweile meilenweit abgerückt seien, wieder näher gebracht werden könne. (...) Seine Generation, so Allmeyer bei unserem ersten Treffen (...) habe sich von der Gier nach trefflichen, bemerkenswerten, erstaunlichen Schlüssen weitgehend befreit. Sie sähe es als ihre Aufgabe an, aussagekräftige Dokumente aufzustöbern und zugänglich zu machen. Mehr nicht.

MILLESI, Hanno: Mythenmacher. Wien: Luftschaft, 2005, S. 96 f.