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Auskunftscomptoire im Wien der 1840er Jahre

Grillparzers Novelle Der arme Spielmann wurde in den 1830er und 1840er Jahren verfasst und 1848 erstmals veröffentlicht. Darin berichtet der vom Erzähler aufgesuchte Spielmann, wie er vom Sekretär seines verstorbenen Vaters betrogen wurde: Der Sekretär hatte ihm den Plan zur Errichtung eines Auskunfts-, Kopier- und Übersetzungs-Comptoirs (Grillparzer, Sämtliche Werke, I. Abt., 13.Bd., 67) vorgeschlagen und für dessen Verwirklichung dreitausend Gulden bekommen; auch Kopierarbeiten von Musikalien sollten dort vorgenommen werden. Die vom Spielmann angebetene Barbara hält jedoch nichts von dem Plan: Auskunft einziehen kann ein Jeder selbst und schreiben hat auch ein Jeder gelernt in der Schule. (Grillparzer, Sämtliche Werke, I. Abt., 13.Bd., 72) Es kommt, wie es kommen muss, aus Zeitungen erfahren die Protagonisten, dass der Sekretär geflüchtet ist und eine Menge von Schulden hinterlassen hat.
Der Kommentar in der Grillparzer-Werkausgabe (Grillparzer, Sämtliche Werke, I. Abt., 13.Bd., 311) weist darauf hin, dass es in den 1840er Jahren eine Menge solcher Einrichtungen gegeben hat: So existierten nach dem Neuesten Wien-Wegweiser für Fremde und Einheimische der Publikation Austria oder Österreichischer Universal-Kalender 1843 zwei allgemeine Auskunfts- und Anfrage-Comptoire (Hof Nr. 322, Freyung Nr.137) sowie zwei Copier- und Übersetzungs-Anstalten (Graben Nr. 620, untere Breunerstraße Nr. 1131). 1844 werden weiters ein Allgemeines technisches- und Industrie-Auskunfts-Bureau (Josephstädter Glacis Nr.210) sowie zwei Copieranstalten (Kohlmarkt Nr. 1149, 1150) verzeichnet, sowie 1845 ein Allgemeines Handels- und Industrie-Auskunfts-Comptoir (Kärntnerstraße 1005) und drei neue allgemeine Auskunfts- und Anfrage-Comptoire (Tiefer Graben Nr. 160, Kohlmessergasse Nr.475, Rauhensteingasse Nr.927) verzeichnet; die Anstalt am Hof Nr.322 taucht nicht mehr auf. Außerdem gibt es ein Auskunfts-Bureau für musikalische Angelegenheiten (Strauchgasse Nr.242) sowie eine Copier-Anstalt des n.ö. Gewerbs-Vereines (Neubau, Hauptstraße Nr. 228). Gemäß F.B.Frays Allg. Handels- Gewerbs- & Fabriks-Almanach gab es das Auskunfts-Bureau für musikalische Angelegenheiten bereits 1840 (Kohlmarkt Nr. 260, Inhaber Franz Glöggl, 1844 dann Tuchlauben Nr.558); in der Ausgabe von 1844 wird erwähnt, dass das allgemeine Übersetz-, Copir- und Schreib-Comptoir von Leonhard Salm in der unteren Breunerstr Nr.1131 schon seit über 13 Jahren, das heißt seit 1831 besteht.