Die
Neue Osnabrücker Zeitung berichtet über die Hausnummerierung in Lingen: Demnach wurden dort die Häuser erstmals 1755 im Zuge der Erstellung eines
Feuer-Societäts-Catastrum durchnummeriert:
Haus Nummer 1 in der Stadt war das Torschreiberhaus an der Burgstraße. Das Rathaus hatte die Nummer 324b, die reformierte Kirche die Nummer 333. Insgesamt waren 373 Häuser im Innenstadtbereich verzeichnet. In der Stadtflur begann man mit dem Gebäude der Provinzialen Wegebau-Verwaltung als Nummer 1 und endete mit dem Wohn- und Geschäftshaus Pagel als Nummer 402.
Die straßenweise Nummerierung wurde in den Jahren 1903 bis 1910 eingeführt.
Gestern bin ich zurück von meiner einwöchigen Tagungsreise gekommen, die mich nach Mailand (dort zur Zeit im Palazzo Reale u.a. eine Ausstellung des von Enrico Baj geschaffenen Monumentalbilds I funerali dell'anarchico Pinelli, das an den unter äußerst dubiosen Umständen 1969 in Polizeigewahrsam umgekommenen Anarchisten Giuseppe Pinelli erinnert), Como (Breughelausstellung und Voltatempel), Cadenabbia (Adenauerkultstätte), Bellagio, Monza (Eiserne Krone), München, Sulzbach-Rosenberg und Nürnberg (Dürerausstellung & gigantische Frühneuzeitsammlung im Germanischen Nationalmuseum) geführt hat; beim Flug von Mailand nach München ging mein Koffer verloren, der machte einen Abstecher nach Riga, aber drei Tage später konnte ich ihn am Flughafen Nürnberg wieder entgegennehmen.
Während es bei der Tagung der Knorr von Rosenroth-Gesellschaft in Sulzbach-Rosenberg vor allem um Gelehrtenbriefwechsel ging, waren viele der Themen, die bei dem von Daniel Jütte organisierten Workshop "Space and Culture in the Early Modern City" behandelt wurden, sehr eng an meinen Forschungsinteressen; so referierte Jütte selbst über die Kulturtechnik des Stadttordurchschreitens (nicht zu vergessen: die Torschreiber, die die Reisenden registrierten und deren Verzeichnis an diverse Obrigkeiten bzw. per Intelligenzblatt an die neugierige Öffentlichkeit weiterleiteten), Joachim Eibach stellte seinen zuletzt in der ZHF erschienenen Artikel zum offenen Haus vor und Christopher Friedrichs sprach zu den rituellen Hauszerstörungen.
adresscomptoir -
Veranstaltungen - Mo, 2. Jul. 2012, 13:07
Die
Jura Soyfer-Gesellschaft bietet in Zusammenarbeit mit dem INST (Institut zur Erforschung und Förderung regionaler und transnationaler Kulturprozesse) eine
E-Book-Edition des österreichischen Schriftstellers an, wobei die Preisgestaltung für einen Autor, der nicht mehr dem Urheberrecht unterliegt, etwas überteuert erscheint, werden doch für ein passwortgeschütztes PDF (kein Epub/Mobi) von
einem Theaterstück nicht weniger als 10 Euro verlangt. Aber immerhin unterstützt man damit eine löbliche Tätigkeit.
adresscomptoir -
Belletristik - Fr, 22. Jun. 2012, 09:21
Nächste Woche bin ich auf zwei Tagungen, bei denen ich über Adressbüros referieren werde: Zum einem in Cadenabbia, wo ein Workshop zum Thema
Space and Culture in the Early Modern City stattfindet, und dann in Sulzbach-Rosenberg, wo die
Knorr-von-Rosenroth Gesellschaft eine Tagung mit dem Titel
Gelehrten-Netzwerke in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Korrespondenzen im Umkreis des Sulzbacher Hofes und Nürnbergs veranstaltet.
adresscomptoir -
Veranstaltungen - Fr, 22. Jun. 2012, 09:20
Mira Lobes und Susi Weigels Identitäts-Klassiker
Das kleine Ich bin ich wird 40 (
vgl.) und
Ö1 würdigt dieses Theorieereignis nächsten Montag (25.6.2012, 21:00-21:40) mit einer eigenen Sendung:
Tonspuren
"Sicherlich gibt es mich!" Das kleine Ich bin ich wird 40. Feature von Isabelle Engels.
"Auf der bunten Blumenwiese geht ein buntes Tier spazieren
"
So fängt sie an, die Geschichte von einem kleinen namenlosen Wesen. Zunächst ist es glücklich, so wie es ist. Es freut sich an den grünen Halmen und den Schmetterlingen. Aber dann
Von Mira Lobe in Reimform geschrieben und von Susi Weigel illustriert, schildert das Buch die Suche nach der eigenen Identität. Das Phantasiegeschöpf hat Ähnlichkeiten mit verschiedenen anderen Tieren - aber immer sind ein paar Merkmale anders. Nirgends dazuzugehören erlebt das kleine Wesen als große Frustration und lässt es schließlich zweifeln, ob es überhaupt existiert. Doch plötzlich kommt ihm die berührende Erkenntnis: "Sicherlich gibt es mich: Ich bin ich!"
1972 erstmals gedruckt, erscheint es heuer in der 37. Auflage. "Das kleine Ich bin ich" ist im deutschsprachigen Raum ein Bestseller und erschien in vielen anderen Ländern. Nun gibt es erstmals eine viersprachige Ausgabe. Das deutsch- kroatisch -serbisch- türkische Buch wird in Österreichs Kindergärten und Volksschulen eingesetzt.
Kinderbücher zum Thema Identität, Einzigartigkeit und Anderssein gibt es inzwischen einige - doch was macht "Das kleine Ich-bin-ich" so einmalig?
adresscomptoir -
Theorie - Do, 21. Jun. 2012, 08:24
Kommende Woche halten Sabine Schweitzer und Johanna Wensch am Institut für Zeitgeschichte der Uni Wien einen Vortrag über die von ihnen mitgestaltete Ausstellung:
Zeit: Do, 28. Juni 2012, 12:00
Ort: Seminarraum 1 des Instituts für Zeitgeschichte, Universitäts-Campus, Spitalgasse 2-4/Hof 1, 1090 Wien
2007 beendete die deutsche Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ die Entschädigungszahlungen an ehemalige NS-ZwangsarbeiterInnen. Im gleichen Jahr beauftragte sie die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora mit der Erstellung einer internationalen Wanderausstellung zum Thema „Zwangsarbeit im Nationalsozialismus“. Neun HistorikerInnen erarbeiteten in drei Jahren eine Ausstellung, die das Phänomen NS-Zwangsarbeit sowohl in seiner gesamten geographischen Ausdehnung als auch auf dem gesamten kategorialen Spektrum zu erfassen versuchte. Im Herbst 2010 wurde die Ausstellung erstmals im Jüdischen Museum Berlin gezeigt und wandert seitdem durch Europa.
Zwei Mitarbeiterinnen des Ausstellungsteams bieten einen Einblick in die Möglichkeiten und Schwierigkeiten eines solchen Großprojektes. Sie berichten über die konzeptionellen Diskussionen zur Ausstellung, die zum einen ein sehr komplexes Thema zum Inhalt hatte, zum anderen aber auch international ‚funktionieren’ sollte. Fragen der Gestaltung werden ebenso angesprochen wie jene zur Präsentation an verschiedenen europäischen Standorten.
Dr. Sabine Schweitzer, Historikerin. Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei diversen zeitgeschichtlichen Forschungsprojekten (u.a. für die Historikerkommission der Republik Österreich) und Ausstellungsprojekten in Wien und bei der Gedenkstätte Buchenwald. Derzeit arbeitet sie am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien an einem Projekt zur „Restitution im Bereich des ÖGB nach 1945“.
Johanna Wensch, M.A., Historikerin. Konzeption, Erarbeitung und Projektkoordination diverser zeithistorischer Ausstellungen als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gedenkstätten Buchenwald, Flossenbürg und Ravensbrück. Derzeit ist sie Teil des KuratorInnenteams der neuen Dauerausstellungen der KZ-Gedenkstätte Mauthausen.
adresscomptoir -
Veranstaltungen - Mi, 20. Jun. 2012, 08:14
Ursula Reber hat für das Redaktionsblog von
de.hypotheses.org einen Rückblick auf die von ihr geleitete Internetplattform
Kakanien Revisited verfasst, die früh versuchte, Wissenschaftsbloggen im deutschen Sprachraum populär zu machen. Derzeit ist diese Plattform weitgehend inaktiv, aber wer weiß, vielleicht ändert sich das ja einmal.
adresscomptoir -
Blogosphaere - Di, 19. Jun. 2012, 09:08
Nonfiction.fr veröffentlicht ein dreiteiliges Interview mit Arlette Farge zu den Themen
Archives,
Le Sujet de l'histoire und
Ecrire l'histoire.
[via
Foucault News]
adresscomptoir -
HistorikerInnen - Mo, 18. Jun. 2012, 09:51
Na bitte, gestern nachmittag habe ich
angekündigt, dass mein E-Büchlein
Zuversicht und Sorgen des Informationsprofessionisten Caspar Rieß - Epub:
http://goo.gl/UcNLU / Kindle:
http://goo.gl/Lh6hm - zum Gratisdownload zur Verfügung steht (mittlerweile übrigens in der Version 1.1), und bis heute früh wurde die Epub-Version 75mal, die Kindle-Version 38mal downgeloadet.
adresscomptoir -
Communication - Mi, 13. Jun. 2012, 08:25
In einer Woche hält Pavel Himl im Rahmen des Jour Fixe des Instituts für die Erforschung der Frühen Neuzeit folgenden Vortrag an der Universität Wien:
Zeit: Mi 20.6.2012, 18:30
Ort: Universität Wien, Dr. Karl Luegerring 1, 1010 Wien, Hörsaal 45
Nicht aufgeklärt und ungehorsam. Widerstände gegen aufklärerische Reformen in Böhmen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
Moderation: Andrea Griesebner
Abstract: Die Reformen des aufgeklärten Absolutismus stießen auf Widerstand nicht nur bei den sozialen Gruppen, deren ständische Privilegien sie einzuschränken trachteten (etwa Adel oder Klerus), sondern auch bei der Dorf- und Stadtbevölkerung, deren Situation sie im Gegenteil verbessern wollten. Der Vortrag wird sich mit den Reaktionen der Landbevölkerung auf Kirchenreformen (Aufhebung der Feiertage, Verbot des Wetterläutens) beschäftigen und die Handlungslogiken der Untertanen sowie auch der Beamten analysieren. Zum Vergleich wird die Rezeption der Polizei- bzw. anderen administrativen Reformen herangezogen.
Zur Person: Pavel Himl studierte Geschichte und Tschechisch in České Budějovice, promovierte in Saarbrücken mit einer Arbeit über ländliche Gesellschaft im frühneuzeitlichen Böhmen. Derzeit ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Karls-Universität in Prag. Sein Forschungsinteresse gilt u.a. der Subkultur und sozialen Kontrolle der nichtsesshaften Bevölkerung sowie den Kontroll- und Identifikationsmechanismen und -techniken an der Schwelle der Moderne.
Manche historische Hausnummern haben die Tendenz zu verschwinden, was ich schon bei der früher in Wien am Schulhof 6 angebrachten Numero 413 bemerken musste, die ja immerhin am Cover der Buchversion meiner Diss zu sehen ist; nun berichtet der
Südkurier von einem ähnlichen Fall: Im südwestdeutschen Villingen-Schwenningen wurde eine auf die Hausnummerierung von 1786 zurückgehende Nummer 113 übermalt, auf die auch bei Stadtführungen hingewiesen wurde. Aber es naht Rettung, ein Vertreter des Baurechtsamts kündigt die Wiederherstellung der Nummer an.
adresscomptoir -
Hausnummerierung - Mi, 13. Jun. 2012, 08:20
Wer
das gelesen hat, wird
diese Wortmeldung, getätigt im österreichischen Parlament am 10.7.2008 ab 13:59 mit Vergnügen zu Kenntnis nehmen:
Dass die Rechtsanwälte seit 1945 – vielleicht sogar schon länger – permanent in ihren Befugnissen eingeschränkt wurden, zeigt ja schon alleine der Umstand, dass sich Hinz und Kunz – überhaupt, wenn die Republik Österreich dabei ist – „Anwalt“ nennen darf: „Patientenanwalt“, „Volksanwalt“ und weiß Gott, was es noch alles gibt! Es ist doch ohnedies schon jeder ein „Anwalt“! Es ist ja nicht einmal mehr ein Markenzeichen übrig geblieben – nur „Rechtsanwalt“ dürfen sie sich nicht nennen.
Fragt sich nur noch: Ist er jetzt Hinz oder Kunz? Bzw: Ein
Hump oder Dump?
[via FB]
adresscomptoir -
Politik - Di, 12. Jun. 2012, 18:29
Nach Vorbild von Günter Hacks
Drone Trigger (
vgl.) stelle ich nun eine kurze Einübung in geschichtswissenschaftlicher science fiction zum Gratisdownload zur Verfügung, selbstredend ohne DRM!
Voilà
Zuversicht und Sorgen des Informationsprofessionisten Caspar Rieß:
Epub:
http://goo.gl/UcNLU
Kindle:
http://goo.gl/Lh6hm
Update: In der Version 1.1 sind nun drei kleine Bugs korrigiert.
adresscomptoir -
Adressbueros - Di, 12. Jun. 2012, 13:58
Noch wenige Tage, bis zum 15.6.2012 läuft der Call for Papers von
historyblogosphere.org, einem Open Peer Review-Publikationsprojekt zum Bloggen in den Geschichtswissenschaften:
Das Medium Blog oder Weblog ist in den Geschichtswissenschaften angekommen: Historische Museen, Geschichtsdozierende, lokale Geschichtsvereine – in allen Bereichen des geschichtswissenschaftlichen Feldes wird gebloggt. Doch während im angelsächsischen Raum ein wissenschaftlicher Blog bereits zum persönlichen Portfolio insbesondere jüngerer Forscher/innen gehört, ist die Akzeptanz im deutschen Sprachraum noch prekär. Blogs werden als Teil der wissenschaftlichen Kommunikation bzw. des wissenschaftlichen Arbeitens noch nicht angemessen anerkannt. Das liegt auch daran, dass die Bedeutungen, Anwendungen und Potentiale der geschichtswissenschaftlichen Blogosphäre wenig bekannt sind. Hier setzt «historyblogosphere» an.
Das Buch- und Schreibprojekt «historyblogosphere. Bloggen in den Geschichtswissenschaften» dokumentiert und reflektiert die historische Blogosphäre: Wozu betreibt man als Historiker/in ein Blog? Was sind überhaupt geschichtswissenschaftliche Blogs? Gibt es geschlechtsspezifische Nutzungsformen? Wie schreibt man für ein Blog und wieviel Technikwissen braucht es dafür? Welche Möglichkeiten der Vernetzung gibt es und wozu braucht es diese? Haben Blogs einen wissenschaftlichen Nutzen und welche «Grenzen im Kopf» innerhalb der wissenschaftlichen Community gilt es aufzubrechen? Können Blogs die transnationale bzw. interdisziplinäre Betrachtung historischer Prozesse fördern und aktuelle Fragen in den öffentlichen Diskurs tragen? Wo ist sie, die Geschichte-Blogosphäre und wo ist die Community?
Als ein Novum in der deutschsprachigen Wissenschaftslandschaft entsteht dieses Buch in einem offenen Arbeitsprozess, indem es Tools und Prozesse des Netzes einsetzt und eine kooperative Arbeitsweise in den Entstehungsprozess einbezieht. Insbesondere findet ein Open Peer Review im Netz statt.
Abstracts mit ca. 2.500 Zeichen Umfang für einen Beitrag können bis zum 15. Juni 2012 bei info@historyblogosphere.org eingereicht werden. Die Autor/innen der ausgewählten Beiträge werden anschließend eingeladen, die fertigen Beiträge bis zum 30. September 2012 einzureichen. Danach findet ein Open Peer Review im Netz statt. Die Publikation wird zur Frankfurter Buchmesse im Oktober 2013 in hybrider Form sowohl digital als auch gedruckt beim Oldenbourg Verlag (München) veröffentlicht.
adresscomptoir -
Blogosphaere - Di, 12. Jun. 2012, 07:57
Schönes Interview mit dem Musiker Daniel Kahn im
Freitag; da kann man sich ja schon auf die zwei für dieses Jahr angekündigten Alben freuen!
adresscomptoir -
Musik - Mo, 11. Jun. 2012, 10:35
Gedanken von Miriam Meckel zum Google-Menschen, zum Googlem, zu dem wir durch Verschmelzung mit unseren technischen Hilfsmitteln werden, veröffentlicht heute die
NZZ; die Langfassung des am 7.6.2012 in Zürich gehaltenen Vortrags ist auf
NZZ Podium abrufbar, dort der Vortrag samt Diskussion (TeilnehmerInnen: Kathrin Passig, Peter Hogenkamp und Martin Meyer) auch als Podcast.
[via
Perlentaucher]
adresscomptoir -
Communication - Mo, 11. Jun. 2012, 09:48