Franz Eder hat nun das
Vorwort sowie das
Inhaltsverzeichnis zum Band
Geschichte Online
ins Netz gestellt.
Eder, Franz X./Berger, Heinrich/Casutt-Schneeberger, Julia/Tantner, Anton: Geschichte Online. Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten. Wien/Köln/Weimar: Böhlau/UTB 2822, 2006.
Hier ist sie nun also, die Aufnahme einer der berühmtesten Hausnummern der Welt: 4711 am (nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebauten) Flagshipstore des gleichnamigen Kölnisch Wasser in der Kölner Glockengasse 22-28. Es war der Stadtkommandant General Daurier, der im Oktober 1794 die Hausnummerierung anordnete, die dann im darauffolgenden Jahr durchgeführt wurde. Das spätere Haus des Duftwasserproduzenten Mülhens bekam damals die Nummer 4.711, insgesamt wurden 7.404 Häuser mit einer Nummer versehen.
Literatur:
Signon, Helmut: Alle Straßen führen durch Köln. Köln: Greven Verlag, 1975, S.8f.
Goebel, Benedikt: 4711. Kurze Geschichte der Hausnummerierung, in: Tyradellis, Daniel/Friedlander, Michal S. (Hg.): 10+5=Gott. Die Macht der Zeichen. Köln: DuMont, 2004, S. 198.
Frühbeis, Xaver: 08.10.1792: Hochzeit als Startimpuls zu Kölnisch Wasser 4711, in: BR Online, Kalenderblatt 8.10.2002, http://www.br-online.de/wissen-bildung/kalenderblatt/2002/10/kb20021008.html.
http://www.eau-de-cologne.com; http://www.eau-de-cologne.com/edc-literatur.html.
Folgender Artikel enthält auch was zur Hausnummerierung in Köln, ich kenne ihn allerdings noch nicht; darauf hingewiesen hat mich Peter Wilson: Holt, Paul: Die militärische Einteilung der Reichsstadt Köln von 1583-1794, in: Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins, 8/9.1927, S.135-82.
Nachtrag 1.12.2007: Vgl. die Korrekturen und Präzisierungen
hier.
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Fotos - Mi, 11. Okt. 2006, 09:59
Das
ND bringt eine Rezension zu Dario Azzelinis Buch über Venezuela:
Azzellini, Dario: Venezuela Bolivariana – Revolution des 21. Jahrhunderts?. Köln: Neuer ISP-Verlag, 2006.
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Politik - Di, 10. Okt. 2006, 09:06

Nettes Büchlein, erschienen im Jonas Verlag: Eine Anthologie zur Farbe Orange, die ja leider auch von wenig sympathischen Gruppierungen verwendet wird. Der Klappentext:
Orange ist die Opportunistin unter den Farben: Ob CDU, ZDF oder Kosmetik - allen dienst sie. Den Durchbruch hatte die Farbe in den 70er Jahren. Mit Creme 21 und Pril-Blumen wurde das Jahrzehnt zwischen Olympia-Attentat und Deutschem Herbst farbenprächtiger als jedes davor. Und mit der 70er-Retrowelle kam Orange wieder. Das Buch beschreibt auch das politische Orange des Orange Order in Irland, der Orangenen Revolution in der Ukraine und der Oranjes, der Niederländer, für die die Farbe Heimat ist.
Und wer noch ein bisschen mehr zu Orange lesen will, ist mit dem deutschsprachigen Service von
Radio Prag bestens bedient.
Weißler, Sabine (Hg.): Mein Orange. Mehr als nur eine Generationenfarbe. Marburg: Jonas Verlag 2006. [
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Communication - Mo, 9. Okt. 2006, 17:57
Durchaus lesenswert, leider aber nur in Print: Die Wochenendausgabe des
ND (7./8.10.2006, S.22) bringt ein Interview mit dem Philosophen Christoph Türcke über die Regensburger Papst-Rede.
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Politik - So, 8. Okt. 2006, 20:24
Wie findet man das Haus eines Feindes, zumal, wenn es sich in einer Gasse befindet, in der alle Häuser einander gleichen? Im Märchen Die Geschichte von Ali Baba und den vierzig Räubern (1) ist genau dies ein entscheidendes Problem: Wie können die Räuber das mittlerweile von Ali Baba bewohnte Haus seines ermordeten Bruders Kâsim auffinden, wenn es sich durch nichts von den anderen Häusern unterscheidet? Der als Kundschafter geschickte Räuber findet eine Lösung: Er malt mit Kreide ein kleines weißes Zeichen auf die Haustür. Ali Babas kluge Sklavin Mardschâna entdeckt das Zeichen und schöpft Verdacht: Es muss von einem Feinde, der Böses im Schilde führt, angebracht worden sein. Ihre Reaktion: Sie malt auf alle anderen Haustüren in der Gasse dasselbe Zeichen, und siehe da, sie hat Erfolg: Als die Räuber nun gesammelt auftauchen, um Ali Baba niederzumetzeln, sind sie verwirrt und können das gesuchte Haus nicht ausmachen. Wieder wird ein Kundschafter ausgeschickt, der das Haus ausspioniert und auf dieselbe Idee wie sein Vorgänger verfällt, nur, dass er das Zeichen mit roter Farbe an einer verborgenen Stelle anbringt. Vergebens, denn wieder wird es von Marschâna entdeckt und wieder zeichnet sie auf alle Haustüren am betreffenden Ort dasselbe Zeichen. Einmal mehr kommen die Räuber nicht an ihr Ziel, worauf es dem Räuberhauptmann zu blöd wird: Er beschließt, die Sache selber in die Hand zu nehmen und lässt sich zu Ali Babas Haus führen: Dann beobachtete er das Haus und betrachtete es genau; aber er brauchte keine Zeichen daran zu machen, sondern er zählte die Haustüren der Straße bis zu der Tür des gesuchten Hauses und merkte sich die Zahl. Ferner zählte er auch die Ecken und Fenster des Hauses und prägte sich alle Merkmale so genau ein, daß er es nun sicher kannte; - die Zahl hat demnach eine unterscheidende Macht; und sie wird die Räuber tatsächlich in Ali Babas Haus führen. Allerdings ist sie nicht am Haus angebracht, sondern bleibt verborgen im Gedächtnis des Hauptmanns. Wäre sie auf das Haus aufgemalt, so würde sie massiven Verdacht erwecken; wer Häuser nummeriert, kann keine guten Absichten haben. Doch ist die Geschichte von Ali Baba wirklich aus den Zeiten von Tausend und einer Nacht? - Keineswegs; neuere Forschungen haben ergeben, dass sie erst Anfang des 18. Jahrhunderts vom Orientalisten Antoine Galland auf Grund von Erzählungen eines maronitischen Mönchs niedergeschrieben und stark ausgeschmückt wurde. Der Umstand, dass der Räuberhauptmann die Haustüren zählt, wird überhaupt erst in einem vermutlich Anfang des 19. Jahrhunderts verfassten Manuskript erwähnt, also zu einem Zeitpunkt, als Hausnummern schon verbreitet sind. (2)
(1) Die Geschichte von Ali Baba und den vierzig Räubern, in: Die Erzählungen aus den tausendundein Nächten. Übersetzt von Enno Littmann. 12 Bände. Frankfurt am Main: Insel it 224, 1976, Bd. 4, S. 791-859, hier 826-834, 845 f.; zum verwendeten Manuskript siehe Bd. 12, S. 650.
(2) Chraibi, Aboubakr: Galland's “Ali Baba” and Other Arabic Versions, in: Marvels & Tales 18.2004, 159-169; Mahdi, Muhsin: The Thousand and One Nights. Leiden u.a.: Brill, 1995, S. 72-86.
Wow, im oberösterreichischen Wels gibt es das
Lebensspuren.museum, das sich Objekten
zum Thema Abdruck, Kennzeichnung, Markierung, Identitfikation, Legitimation und Rationalisierung widmet. Es handelt sich dabei um das Privatmuseum einer Stempelfirma, und es wimmelt da nur so vor lauter Stempeln und Siegeln, dass es eine Freude ist. Aufmerksam darauf geworden bin ich durch einen Dokumentarfilm von Gustav Trampitsch mit dem Titel
Mit Siegel und Stempel. Die Geschichte des Markierens, der Montag vor zwei Wochen in
3Sat wiederholt wurde.
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Communication - Fr, 6. Okt. 2006, 09:00
Arte zeigt am Sonntag (8.10., 12.55-14.00; zweiter Teil am 15.10., 13.00-14.00) den ersten Teil eines Dokumentarfilms über Adorno, Regie Meinhard Prill. Aus der Ankündigung:
Prominente Schüler und Zeitzeugen Adornos wie Alexander Kluge, Rüdiger Safranski, Joachim Kaiser, Richard Sennett oder Pierre Boulez erhellen die Zusammenhänge und geben auch erstaunlich offen über Adornos Privatleben Auskunft.
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Theorie - Do, 5. Okt. 2006, 09:00
Heute fliege ich nach Köln, wo ich endlich mal das
4711-Schild live sehen und fotografieren möchte; ebenfalls am Programm steht ein Abstecher nach Düsseldorf, zur dortigen
Caravaggio-Ausstellung. Eigentlicher Anlass meiner Reise ist aber ein Workshop in Bielefeld mit deutschen und französischen KollegInnen, mit dem Titel
Statistische Wissensbestände und Techniken der Herrschaft zwischen Aufklärung und 1848: Hervorbringung, Verbreitung und Implementierung. Ich selbst werde dort einen Vortrag zum Thema
Description des âmes et État-providence militaire dans la monarchie des Habsbourg halten.
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Veranstaltungen - Mi, 4. Okt. 2006, 09:00
Edward Hatton erwähnt in seinem Werk A New View of London 1708, dass in London die Häuser der Prescot Street nummeriert sind: Prescot street, a spacious and regular Built str. on the S. side of the Tenter Ground in Goodmans fields, betn Hooper square E. and Mansel str. end W. K. 330 Yds, and from T.L. NEly, 450 Yds. Instead of Signs, the Houses here are distinguished by Numbers, as the Stair Cases in the Inns of Court and Chancery. Verwendet wird diese Nummerierung in den folgenden Jahrzehnten allerdings nicht, die bekannten Anordnungen zur Nummerierung der Londoner Häuser datieren aus den Jahren 1762 und 1765. (1) Es gibt allerdings einen vereinzelten Befund aus dem Jahr 1718, gemäß dem in London Hausnummern vorhanden sein sollen. So schreibt der Reisende Johann Gottlieb Deichsel über die britische Metropole: Die Häuser sind in der Höhe auf einem güldenen Täfelchen, einer Hand breit, mit schwarzen Ziffern numerieret. - Über Deichsel ist so gut wie nichts bekannt; das Zitat stammt aus einem Reisebericht, der aus seinem Nachlass ausgegraben und erst 1788 von Johann Bernoulli in seinem Archiv zur neuern Geschichte, Geographie, Natur- und Menschenkunde veröffentlicht wurde.(2)
(1) Hatton, Edward. A new view of London; or, an ample account of that city, in two volumes, or eight sections. London: Chiswell u.a., 1708. 2 Bände, hier Bd. 1, S. 65; Heal, Ambrose: The Numbering of Houses in London Streets, in: Notes and Queries, 183.1942, S. 100-101, hier 100; weitere Literatur zur Hausnummerierung in London: Ycul: House Numbering, in: Notes and Queries, 9.1866, Nr.227 5.5.1866, S. 374; P.D.M.: Street Numbers in London, in: Notes and Queries, 156, 1929, S. 264; R.S.B.: Street Numbers in London, in: Notes and Queries, 156, 1929, S.304; MacPhail, J. St. M.: Street Numbers in London, in: Notes and Queries, 156, 1929, S.323; Low, D. M.: Street Numbers in London, in: Notes and Queries, 156, 1929, S. 339.
(2) Deichsel, Johann Gottlieb: Reise durch Deutschland, nach Holland und England, in den Jahren 1717-1719. Dritter und letzter Abschnitt: Aufenthalt in England, in: Johann Bernoulli’s Archiv zur neuern Geschichte, Geographie, Natur- und Menschenkunde, Bd. 8, o.O. o.J. [Leipzig 1788], S. 165-242, Zitat 175f., hier zitiert nach: Deichsel, Johann Gottlieb: Vermischte Notizen über das Londoner Leben, in: Maurer, Michael (Hg.): O Britannien, von deiner Freiheit einen Hut voll. Deutsche Reiseberichte des 18. Jahrhunderts. München u.a.: Beck/Kiepenheuer, 1992, S. 75-76, hier 75, 510.