Wie findet man das Haus eines Feindes, zumal, wenn es sich in einer Gasse befindet, in der alle Häuser einander gleichen? Im Märchen Die Geschichte von Ali Baba und den vierzig Räubern (1) ist genau dies ein entscheidendes Problem: Wie können die Räuber das mittlerweile von Ali Baba bewohnte Haus seines ermordeten Bruders Kâsim auffinden, wenn es sich durch nichts von den anderen Häusern unterscheidet? Der als Kundschafter geschickte Räuber findet eine Lösung: Er malt mit Kreide ein kleines weißes Zeichen auf die Haustür. Ali Babas kluge Sklavin Mardschâna entdeckt das Zeichen und schöpft Verdacht: Es muss von einem Feinde, der Böses im Schilde führt, angebracht worden sein. Ihre Reaktion: Sie malt auf alle anderen Haustüren in der Gasse dasselbe Zeichen, und siehe da, sie hat Erfolg: Als die Räuber nun gesammelt auftauchen, um Ali Baba niederzumetzeln, sind sie verwirrt und können das gesuchte Haus nicht ausmachen. Wieder wird ein Kundschafter ausgeschickt, der das Haus ausspioniert und auf dieselbe Idee wie sein Vorgänger verfällt, nur, dass er das Zeichen mit roter Farbe an einer verborgenen Stelle anbringt. Vergebens, denn wieder wird es von Marschâna entdeckt und wieder zeichnet sie auf alle Haustüren am betreffenden Ort dasselbe Zeichen. Einmal mehr kommen die Räuber nicht an ihr Ziel, worauf es dem Räuberhauptmann zu blöd wird: Er beschließt, die Sache selber in die Hand zu nehmen und lässt sich zu Ali Babas Haus führen: Dann beobachtete er das Haus und betrachtete es genau; aber er brauchte keine Zeichen daran zu machen, sondern er zählte die Haustüren der Straße bis zu der Tür des gesuchten Hauses und merkte sich die Zahl. Ferner zählte er auch die Ecken und Fenster des Hauses und prägte sich alle Merkmale so genau ein, daß er es nun sicher kannte; - die Zahl hat demnach eine unterscheidende Macht; und sie wird die Räuber tatsächlich in Ali Babas Haus führen. Allerdings ist sie nicht am Haus angebracht, sondern bleibt verborgen im Gedächtnis des Hauptmanns. Wäre sie auf das Haus aufgemalt, so würde sie massiven Verdacht erwecken; wer Häuser nummeriert, kann keine guten Absichten haben. Doch ist die Geschichte von Ali Baba wirklich aus den Zeiten von Tausend und einer Nacht? - Keineswegs; neuere Forschungen haben ergeben, dass sie erst Anfang des 18. Jahrhunderts vom Orientalisten Antoine Galland auf Grund von Erzählungen eines maronitischen Mönchs niedergeschrieben und stark ausgeschmückt wurde. Der Umstand, dass der Räuberhauptmann die Haustüren zählt, wird überhaupt erst in einem vermutlich Anfang des 19. Jahrhunderts verfassten Manuskript erwähnt, also zu einem Zeitpunkt, als Hausnummern schon verbreitet sind. (2)
(1) Die Geschichte von Ali Baba und den vierzig Räubern, in: Die Erzählungen aus den tausendundein Nächten. Übersetzt von Enno Littmann. 12 Bände. Frankfurt am Main: Insel it 224, 1976, Bd. 4, S. 791-859, hier 826-834, 845 f.; zum verwendeten Manuskript siehe Bd. 12, S. 650.
(2) Chraibi, Aboubakr: Galland's “Ali Baba” and Other Arabic Versions, in: Marvels & Tales 18.2004, 159-169; Mahdi, Muhsin: The Thousand and One Nights. Leiden u.a.: Brill, 1995, S. 72-86.
Wow, im oberösterreichischen Wels gibt es das
Lebensspuren.museum, das sich Objekten
zum Thema Abdruck, Kennzeichnung, Markierung, Identitfikation, Legitimation und Rationalisierung widmet. Es handelt sich dabei um das Privatmuseum einer Stempelfirma, und es wimmelt da nur so vor lauter Stempeln und Siegeln, dass es eine Freude ist. Aufmerksam darauf geworden bin ich durch einen Dokumentarfilm von Gustav Trampitsch mit dem Titel
Mit Siegel und Stempel. Die Geschichte des Markierens, der Montag vor zwei Wochen in
3Sat wiederholt wurde.
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Communication - Fr, 6. Okt. 2006, 09:00
Arte zeigt am Sonntag (8.10., 12.55-14.00; zweiter Teil am 15.10., 13.00-14.00) den ersten Teil eines Dokumentarfilms über Adorno, Regie Meinhard Prill. Aus der Ankündigung:
Prominente Schüler und Zeitzeugen Adornos wie Alexander Kluge, Rüdiger Safranski, Joachim Kaiser, Richard Sennett oder Pierre Boulez erhellen die Zusammenhänge und geben auch erstaunlich offen über Adornos Privatleben Auskunft.
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Theorie - Do, 5. Okt. 2006, 09:00
Heute fliege ich nach Köln, wo ich endlich mal das
4711-Schild live sehen und fotografieren möchte; ebenfalls am Programm steht ein Abstecher nach Düsseldorf, zur dortigen
Caravaggio-Ausstellung. Eigentlicher Anlass meiner Reise ist aber ein Workshop in Bielefeld mit deutschen und französischen KollegInnen, mit dem Titel
Statistische Wissensbestände und Techniken der Herrschaft zwischen Aufklärung und 1848: Hervorbringung, Verbreitung und Implementierung. Ich selbst werde dort einen Vortrag zum Thema
Description des âmes et État-providence militaire dans la monarchie des Habsbourg halten.
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Veranstaltungen - Mi, 4. Okt. 2006, 09:00
Edward Hatton erwähnt in seinem Werk A New View of London 1708, dass in London die Häuser der Prescot Street nummeriert sind: Prescot street, a spacious and regular Built str. on the S. side of the Tenter Ground in Goodmans fields, betn Hooper square E. and Mansel str. end W. K. 330 Yds, and from T.L. NEly, 450 Yds. Instead of Signs, the Houses here are distinguished by Numbers, as the Stair Cases in the Inns of Court and Chancery. Verwendet wird diese Nummerierung in den folgenden Jahrzehnten allerdings nicht, die bekannten Anordnungen zur Nummerierung der Londoner Häuser datieren aus den Jahren 1762 und 1765. (1) Es gibt allerdings einen vereinzelten Befund aus dem Jahr 1718, gemäß dem in London Hausnummern vorhanden sein sollen. So schreibt der Reisende Johann Gottlieb Deichsel über die britische Metropole: Die Häuser sind in der Höhe auf einem güldenen Täfelchen, einer Hand breit, mit schwarzen Ziffern numerieret. - Über Deichsel ist so gut wie nichts bekannt; das Zitat stammt aus einem Reisebericht, der aus seinem Nachlass ausgegraben und erst 1788 von Johann Bernoulli in seinem Archiv zur neuern Geschichte, Geographie, Natur- und Menschenkunde veröffentlicht wurde.(2)
(1) Hatton, Edward. A new view of London; or, an ample account of that city, in two volumes, or eight sections. London: Chiswell u.a., 1708. 2 Bände, hier Bd. 1, S. 65; Heal, Ambrose: The Numbering of Houses in London Streets, in: Notes and Queries, 183.1942, S. 100-101, hier 100; weitere Literatur zur Hausnummerierung in London: Ycul: House Numbering, in: Notes and Queries, 9.1866, Nr.227 5.5.1866, S. 374; P.D.M.: Street Numbers in London, in: Notes and Queries, 156, 1929, S. 264; R.S.B.: Street Numbers in London, in: Notes and Queries, 156, 1929, S.304; MacPhail, J. St. M.: Street Numbers in London, in: Notes and Queries, 156, 1929, S.323; Low, D. M.: Street Numbers in London, in: Notes and Queries, 156, 1929, S. 339.
(2) Deichsel, Johann Gottlieb: Reise durch Deutschland, nach Holland und England, in den Jahren 1717-1719. Dritter und letzter Abschnitt: Aufenthalt in England, in: Johann Bernoulli’s Archiv zur neuern Geschichte, Geographie, Natur- und Menschenkunde, Bd. 8, o.O. o.J. [Leipzig 1788], S. 165-242, Zitat 175f., hier zitiert nach: Deichsel, Johann Gottlieb: Vermischte Notizen über das Londoner Leben, in: Maurer, Michael (Hg.): O Britannien, von deiner Freiheit einen Hut voll. Deutsche Reiseberichte des 18. Jahrhunderts. München u.a.: Beck/Kiepenheuer, 1992, S. 75-76, hier 75, 510.
In der
English Historical Review (September 2006, Vol CXXI, Nr.493, S.1222, Zugriff nur bei Subskription) befindet sich folgende Annotation der von Michael Hochedlinger und mir herausgegebenen Quellenedition:
MÖStA , Sonderband viii, prints reports by the Austrian Hofkriegsrat on most of the (non-Hungarian) core provinces of the Monarchy compiled at the time of the military census in 1770 - 1 . These are fascinating documents, mainly unpublished, though the two fullest, for Bohemia and Moravia, have long been available in print (ed. J. Kalousek and J. Kocí in Archiv Ceský xxix, and Sborník Matice Moravské , lxxix, respectively). The editors, M. Hochedlinger and A. Tantner, contribute a valuable introduction on the whole pioneering operation, lastingly famous as the occasion for house numeration throughout the region.
Hochedlinger, Michael/Tantner, Anton (Hg.): "... der größte Teil der Untertanen lebt elend und mühselig". Die Berichte des Hofkriegsrates zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Habsburgermonarchie 1770-1771. (=Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs; Sonderband Nr.8). Innsbruck/Wien/Bozen: Studienverlag, 2005. (
Inhaltsverzeichnis)
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Socialpolitik - Mo, 2. Okt. 2006, 09:24
Über dubios anmutende Praktiken der Zeitschrift
Historicum - sie wird von einer Partei herausgegeben, fungiert aber v.a. als Privatorgan einer Einzelperson - berichtet ein Artikel auf
kakanien. (Abstract;
hier die PDF-Version). Man darf gespannt sein, wie die Redaktion auf den Vorwurf reagiert, manche ihrer RezensentInnen würden gar nicht existieren...
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HistorikerInnen - So, 1. Okt. 2006, 11:47
Wer nächste Woche bei der Frankfurter Buchmesse ist, hat die Gelegenheit Luciano Canfora, den Autor der
Kurzen Geschichte der Domokratie, live zu erleben: Leider sind die Angaben von
Papyrossa so wie sie derzeit auf der Verlagshomepage stehen, etwas widersprüchlich, denn Canfora müsste sich aufspalten, da er gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten auftritt: So ist er einerseits am Messestand von Papyrossa (Halle 3.1 B 171, Mittwoch, 4.10.2006, 16.15 bis 17.45 Uhr) anzutreffen, andererseits aber bei einer Podiumsdiskussion im Italienischen Kulturinstitut (Senckenberganlage 10-12 60325 Frankfurt, Nähe Messe Haupteingang, Mittwoch, 4.10.2006,
16.15 bis 17.45 Uhr), an der auch Georg Fülberth, Lorenz Jäger und Giuseppe Laterza teilnehmen. Vielleicht korrigiert ja Papyrossa noch die Angaben.
Update: Mittlerweile hat Papyrossa korrigiert, die Podiumsdiskussion findet am 4.10.2006 um
19.00 Uhr statt.
Nachgetragen sei auch noch, dass in
konkret 8/2006 Detlef Felken, Cheflektor von Beck, der das Buch von Canfora ablehnte, sich verteidigte, worauf in derselben Ausgabe Georg Fülberth replizierte. Mittlerweile erschien auch in der
Literaturkritik.de eine Rezension.
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HistorikerInnen - Sa, 30. Sep. 2006, 12:41
Im Dezember (15.-17.12.) findet im Wiener Architekturzentrum eine
Austromarxismuskonferenz statt. Veranstaltet wird sie von der Europäischen Linkspartei, KPÖ, transform!european network of alternative thinking und transform.at. Viel ist über das Programm noch nicht bekannt, geplant ist jedenfalls auch eine internationale Podiumsdiskussion zu den Perspektiven der Linken.
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Politik - Fr, 29. Sep. 2006, 09:40
Das Adresscomptoir nimmt nun am Amazon Partnerprogramm teil und integriert Google-Ads; bin ja neugierig, ob dadurch die Mehrkosten bei Twoday reinkommen, aber dieser Versuch interessierte mich einfach.
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Blogosphaere - Do, 28. Sep. 2006, 17:56