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Dienstag, 21. Juli 2009

David Foster Wallace zum Fremd machen des Vertrauten

Passt zu meinen Recherchen zur Entfamiliarisierung (1/2): Eine Passage aus David Fosters 1990 verfassten Essay E Unibus Pluram:

Dabei ist Image-Fiction im Grunde gar nicht so avantgardistisch, sondern weit eher der gute alte Realismus unter der veränderten Wahrnehmung des Medienzeitalters. Der klassische Realismus wollte uns Lebensbereiche zeigen, die uns neu waren, machte uns also mit dem Fremden bekannt. Heute, wo wir selbst beim Chinesen mexikanisch Essen können, während im Hintergrund Reggae läuft und im Fernsehen eine sowjetische Sendung über den Fall der Berliner Mauer, heute wo uns alles verdammt bekannt vorkommt, hat sich die Aufgabe des Realismus ebenfalls verwandelt. Um einen ähnlichen Erkenntnisschub zu erzielen wie vor hundert Jahren, müsste realistische Literatur eigentlich im Bekannten das Fremde aufdecken, müsste paradoxerweise das, was wir für >real< halten, das heißt die zweidimensionalen Medienbilder, in die dreidimensionale Welt zurückführen, also aus flachen Images des Fernsehens die verloren gegangene Wirklichkeit rekonstruieren.

Wallace, David Foster: E Unibus Pluram. Das Fernsehen und der amerikanische Roman, in: Schreibheft. Zeitschrift für Literatur, 56.2001, S. 133-157, hier S.145. (Erstdruck: E Unibus Pluram. Television and US Fiction, in: Review of Contemporary Fiction, 13.1993/2, S. 151–94.)