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Odoevskijs Hauszeitung

Folgendermaßen lautet die Passage aus Vladimir Odoevskijs Text Das Jahr 4338 (erster Teilabdruck 1835), die als Ankündigung von Internet und Bloggen gewertet wird:
Heute endlich erhielten wir die Hauszeitung von hiesigen Premier-Minister, in der unter anderen auch wir zur Soiree geladen wurden. Du mußt wissen, daß in vielen Häusern, besonders bei Leuten, die eine große Bekanntschaft haben, derartige Zeitungen herausgegeben werden; sie ersetzen die üblichen Einladungsschreiben. Die Verpflichtung, ein solches Mitteilungsblatt einmal in der Woche oder täglich herauszugeben, obliegt in jedem Hause dem Oberhofmeister. Die Sache geht ganz einfach vor sich. Jedesmal, wen er eine Anweisung vom Chef des Hauses erhält, schreibt er sie auf, dann nimmt er mit der Camera obscura die nötige Zahl Exemplare auf und versendet sie an die Bekannten. In solchem Blatt findet man gewöhnlich Mitteilungen über Gesundheit oder Krankheit der Familienoberhäupter und andere häusliche Neuigkeiten, sodann verschiedene Gedanken, Bemerkungen, kleine Erfindungen und Einladungen. Wenn zum Diner aufgefordert wird, gibt man auch die Speisenfolge bekannt. Außerdem gibt es für eine Benachrichtigung in unvorhergesehenen Fällen zwischen Bekannten magnetische Telegrafen, mit deren Hilfe man auf weite Entfernung miteinander sprechen kann. (S. 306 f.)
-Die Hauszeitungen scheinen also sehr wohl gedruckt zu werden, allerdings nicht auf Papier, denn das Wissen, dieses Speichermedium zu produzieren, ging mittlerweile verloren (S. 319), wie auch die meisten Bücher verloren gingen (S. 294, 304). Die Telegrafen, die ein zusätzliches Kommunikationsmedium darstellen, dienen nicht nur der mündlichen Kommunikation, sondern auch dem Verschicken privater Briefe (S. 301).
Recht witzig ist auch, dass es magnetische Bäder gibt, die ihre BenützerInnen in den Zustand des Somnambulismus versetzen und sie dazu bringen, ihre geheimsten Gedanken und Gefühle auszuplaudern (S. 312 f); und in den Hotelrestaurants gibt es für jeden Stand eigene Speisekarten, so auch eine eigene Speisekarte für Historiker (S. 324).

Odojewskij, Wladimir: Das Jahr 4338. Petersburger Briefe, in: Schneider, Martin (Hg.): Erzählungen der russischen Romantik. Stuttgart: Reclam UB 8629, 1990, S. 292-328.