Eine sehr brauchbare Reproduktion eines Plans von Prag aus dem Jahr 1856 ist letztes Jahr in Buchform erschienen; die Abbildungen sind sehr detailreich und in ausreichender Qualität abgedruckt, samt den 1805 zuletzt geänderten (und zum Großteil bis heute gültigen) Konskriptionsnummern.
Laštovkovi, Barbora und Marek (Hg.): Plán Prahy a Vyšehradu na základě mapování stabilního katastru (1856) [Plan von Prag und Vyšehrad auf Grundlage der Mappierung des stabilen Katasters (1856)]. (=Documenta Pragensia Monographia; 23). Prag: Scriptorium, 2008. ISBN 978-80-86197-92-0, 545 CZK
Hier zwei Orte des Prager Fragamts:

Nr. 449: Hier befand sich bis 1793 die Druckerei und das Fragamt der Familie Pruscha.

Nr. 184: Das Schönfeldhaus
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Adressbueros - Di, 7. Jul. 2009, 08:24
Wie notwendig Reproduktionen (nicht nur) von topographischen Ansichten in hoher Auflösung sind, zeigt sich einmal mehr an folgendem Beispiel:
2007 fand in der Hermesvilla eine Ausstellung über
Die Wien-Bilder des Verlags Artaria statt; die im Katalog reproduzierte Ansicht des Kohlmarkts läßt nicht erkennen, das der Kupferstecher zumindest im Falle eines Hauses nicht darauf vergaß, dessen Hausnummer zu stechen:
Erst im Katalog der gerade im Wienmuseum laufenden und sehr empfehlenswerten
Ausstellung über den Kupferstecher und -verleger Hieronymus Löschenkohl ist ein Detail von besagtem Stich abgedruckt, das Hausnummernmäßig nichts zu wünschen übrig läßt:
Wien Museum (Hg.): Schöne Aussichten. Die berühmten Wien-Bilder des Verlags Artaria. Wien: Brandstätter, 2007, S.69.
Sommer, Monika (Hg.): Hieronymus Löschenkohl. Sensationen aus dem alten Wien. Wien: Brandstätter, 2009, S.65.
Da dachte ich schon, ich würde bei meiner stichprobenweisen Durchsicht der Prager Oberpostamtszeitung nichts mehr Fragamt-Relevantes finden, da gab es 1809 doch einen Treffer:
Anfang dieses Jahrs brachte die Zeitung nämlich eine mit 26.11.1808 datierte Nachricht des Fragamts, die darauf schließen läßt, dass es all die letzten Jahre durchaus in Betrieb war:
Durch das gütige Vertrauen, welches das Inn- und Ausland dem unterzeichneten k.k. priv. Frag- und Kundschaftsamte seit so vielen Jahren her schenkte und aus dessen Veranlassung man sich in den verschiedenen Anliegenheiten und Geschäften, mit Anfragen, Anträgen, Auskünften, Mediationen, und Verhandlungen, an dieses Amt so zahlreich wendet, mehren sich die Geschäfte desselben in der Art, daß man sich veranlaßt sieht, zu Bequemlichkeit des Publikums, dem Geschäftsverhandlungstheil in Hinkunft ein anderes Lokale als das gegenwärtige zu widmen, und es zugleich mit einer ordentlichen, zweckmäßigen Einrichtung zu verknüpfen.
Der Ortswechsel war übrigens keine große Angelegenheit, denn das Fragamt übersiedelte vom Erdgeschoß einfach in den ersten Stock des Schönfeldhauses (vgl.
hier); interessant auch die Nachricht, dass zwei Direktoren eingesetzt wurden:
Zween Sachverständige Direktoren sind demselben vorgesetzt; es sind dies Herr Emanuel Graf Michna v. Waizenau und Herr Anton Edler v. Zürchauer k.k. Profeßor der Landwirthschaft an der hiesigen Universität
Kaiserl. Königlich. priv. Prager Oberpostamtszeitung, Nr.1, Beilage, 2.1.1809, S.9
Archiv hlavního města Prahy, ohne Signatur
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Adressbueros - So, 5. Jul. 2009, 10:25
So eine Durchsicht einer Zeitung bringt zumeist auch unerwartete (bzw. eigentlich durchaus kalkulierte) Zufallstreffer; dank eines Fundes in der Prager Oberpostamtszeitung kann ich nun also verkünden, dass die Frage der Datierung des Wiener Schildregisters geklärt ist. Dabei handelt es sich um ein alphabetisch geordnetes Verzeichnis der Wiener Hausschilder, mit den dazugehörigen Konskriptionsnummern, in der Form:
A.B.C., z. gold. Rauhensteingasse n. 972. in d. Stadt
A.B.C., z. gold. Hauptstrasse. n. 57. Altlerchenfeld
Der Katalog der Wienbibliothek verzeichnet dieses Werk mit [vor 1795], weil die darin abgedruckten Konskriptionsnummern in der Periode 1770-1795 gültig waren; Gugitz wiederum datiert es mit 1780. Eine Annonce in der Prager Oberpostamtszeitung verschafft nun Klarheit: Demnach wurde das Werk im März 1795 in der Schönfeldschen Buchhandlung zum Verkauf angeboten, mit der Angabe Wien u. Prag, 8. 795 15 kr. Pech also für den anonymen Verfasser, dass die Nummern im Erscheinungsjahr noch geändert wurden; der unpaginierte Vorbericht ist übrigens durchaus lesenswert:
Vorbericht
Wien, das von Tag zu Tag größer wird, hat izt wirklich schon 80 Adlerschilde, 60 Bäumschilde, 30 Bären- und 100 Bauernschilde. - Wer kann das sogleich wissen, wo die alle stecken, und wie kann es der Briefträger erfahren, wo er den Brief abzugeben hat, wenn man ihm nicht gerade die Gasse oder den Plaz, wo der Schild ist, dazu gesezt hat.
Um also alle Zweifel zu beheben, und Jedermann, der sich oft in der Noth findet, ein Haus sogleich zu finden, einen Dienst zu thun, hat man dieses Schildregister mit vieler Genauigkeit zusammen getragen, und alle Schilder in eine alphabetische Ordnung gebracht, so zwar, daß Jedermann, der da einen Schild suchet, nur unter dem Buchstaben wo der Schild damit anfangt nachschlagen darf, er wird sogleich alle mögliche Befriedigung erhalten, und finden was er sucht.
Selbst Fremden, welche entfernt von Wien wohnen, muß dieses Register willkommen seyn, weil diese ihre Aufschrift auf den Brief desto verläßlicher machen können, wenn Sie den Grund, den Platz, die Strasse und Hausnummer so richtig und verläßig vor sich haben.
Kaiserlich Königlich privilegirte Prager Oberpostamtszeitung, Beilage, 22.Stück, 17.3.1795, S. 192.
Archiv hlavního města Prahy, ohne Signatur
Wiener Schildregister, oder Anweisung, wie man sich auf der Stelle helfen kann, wenn man in Wien den Schild eines Hauses oder eines Kaufmannsgewölbes in und vor der Stadt suchen, und ihn finden will. Wien: Verlag der Expedition des Wienerjournals, o.J., [1795].
Wienbibliothek, Signatur 11498 A
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Communication - Sa, 4. Jul. 2009, 20:45
Habe ich vor bald vier Jahren
schon einmal gepostet, doch diesmal konnte ich die Nummern bei Sonnenschein fotografieren.
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Fotos - Fr, 3. Jul. 2009, 21:09
Es ist ein Polizeikommissär, der 1793 folgende Annonce in der Prager Oberpostamtszeitung veröffentlichen läßt:
Nachricht. [Absatz] Aufgemuntert durch mehrere prager Herren Bürger hält sich es Unterzeichneter zur angenehmsten Pflicht, ein dem heurigen Schematismo ähnliches Verzeichniß aller Plätze, Strassen, Häuser, nebst Herren Inhabern, Schildern und Numern zur allgemeinen Bequemlichkeit und Nutzen wieder für den Schematismus des bevorstehenden 794. Jahrs zusammenzutragen; da sich aber zwar wider meinen Willen in jenem des heurigen Jahrs einige Unrichtigkeiten ergaben, denen ich, so gerne ich auch immer gewollt hätte, unmöglich ausweichen konnte, wodurch zu mehreren Unannehmlichkeiten Anlaß gegeben wurde. So glaube ich nicht zu fehlen, wenn ich alle Herren Herren Hausinhabere oder sonstige Besitzere anmit ergebenst bitte, zur künftigen genauern Verläßlichkeit Dero Vor- und Zunamen, Nro. des Hauses und Stadtviertels auf ein kleines Zettelchen aufgezeichnet, binnen 30 Tagen vom heutigen Dato in meine Behausung auf die Altstadt in die Zeltnergasse zum rothen Adler Nro. 58. im 1ten Stock zu jeder Stunde gütigst zu überschicken, und da es denen kleinseitner und hradschiner Herren Besitzern vielleicht zu beschwerlich wäre, bis auf die Altstadt zu schicken, so ersuche ich die Zettelchen nur auf die kleinseitner k. Polizeiwache im Rathause gefälligst zu übergeben, für welche Bemühung ich Denenselben anmit den innigsten Dank sage.
Prag am 16ten Sept. 1793
Phil. Heimbacher, Polizeikom.
Kaiserlich Königlich privilegirte Prager Oberpostamtszeitung, 76.Stück, 21.9.1793, Intelligenznachrichten, S.630
Archiv hlavního města Prahy, ohne Signatur
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Communication - Do, 2. Jul. 2009, 20:14
Im Februar 1805 erfolgt in Prag eine Umnummerierung der Häuser, über die die Prager Oberpostamtszeitung folgendermaßen berichtet:
Vorige Woche begann nach dem Sinne des kürzlich erschienenen höchsten Konskriptionspatents die neuere Numerirung der Häuser dieser königl. Hauptstadt, indem man das altstädter Rathhaus mit der Zahl I bezeichnete, und sofort der Reihe nach die daranstossenden Häuser mit rother Oelfarbe neu zu numeriren anfieng, so zwar, daß hinfüro die Häuser eines jeden Hauptviertels eine eigene neue Ordnung der chronologischen Zahlen haben, und die alten Numern nicht mehr gelten werden.
Kaiserl. auch K.K. priv. prager Oberpostamtszeitung, Nr.24, 25.2.1805, S.93
Narodní Muzeum, Signatur 89 D 145/1805
Die damals vergebenen Konskriptionsnummern gelten zum Teil bis heute; Hausnummern-Konkordanzen gibt es u.a. folgende:
[Barth, Karl]: Verzeichniß aller Häuser, Strassen und Plätze der königlichen Haupt- und Residenzstadt Prag nach der neuen und alten Numerirung, mit Angabe der Hausbesitzer und Schilde und einer vergleichenden Übersicht der alten und neuen Numern. Prag: Barth, 1805.
Archiv hlavního města Prahy, Signatur A 1293
Schematismus für das Königreich Böhmen auf das gemeine Jahr 1811. Prag: Haase, o.J.
Österreichische Nationalbibliothek, Signatur 182.775-B.Alt/1811
Erben, Karel Jar.: Autentický ukazatel ulic a náměstí i čísel domovních král. hl. města Prahy dle nového, starého i nejstaršího čislováni [Authentischer Anzeiger der Straßen und Plätze und der Hausnummern der königlichen Hauptstadt Prag nach der neuen, alten und ältesten Nummerierung]. Prag: Fuchs, 1870.
Narodní Muzeum, Prag, Signatur 84 G 55
Februar und März 1794 befindet sich der aus Mailand gebürtige Kaetano Pecci (Pezzi) in Prag, und stellt im Schönfeldschen Haus sein Wachsfigurenkabinett aus. Welche Figuren dort zu sehen sind und wieviel der Eintritt kostet, preist folgende Annonce in der Beilage zur Prager Oberpostamtszeitung an:
Ankündigung.
Mit hoher Bewilligung wird Kaetano Pezzi, der an den meisten Höfen und Hauptstädten Europäns mit seinem aus 20 hier noch nie gesehenen, ganz nach dem Leben bearbeiteten Wachsfiguren bestehenden Kunstkabinete sich den größten Beyfall erworben, die Ehre haben, dem hiesigen Publicum sein sehenswürdiges Kunstkabinet zu empfehlen. Diese der Natur ähnlichen Figuren äußern einen allgemeinen Begriff des Karakters, der Kleidung und des Alters; welche Folgende sind:
Die k.k. österr. Familie. Se. k. Hohh der Palatinus. Wailand Se. Maj. Joseph der Zweyte. Se. k. Maj Wilhelm, der itzt regierende König von Preußen. Se. k. M. König von Neapel. Se. Durchl. Prinz von Koburg. Friedrich der Große. G.F.M. Laudon. Selim der Dritte, regierender Sultan nebst seiner Sultaninn. Das Portrait des Verfassers. Diogenes. Seneka. Das alte Weib aus Palermo in Sizilien, die bei 3000 Menschen vergiftet hat, nebst andern schönen bedeutenden Figuren.
Dieses Kabinet wird eröffnet von früh 8 bis 12 Uhr, Nachmittags von 2 bis 10 Uhr, Standespersonen zahlen nach Belieben. Man zahlt beim Eintritte 7 kr. Kinder und Dienstbothen 3 kr.
Der Schauplatz ist im von Schönfeldschen Hause, in der Jesuitengasse Nro. 492. im Eingange.
Kaiserlich Königlich privilegirte Prager Oberpostamtszeitung, Beilage, 12.Stück, 10.2.1795, S.99
Archiv hlavního města Prahy, ohne Signatur
In einer späteren Annonce verkündet Pecci, dann noch, dass
zugleich der berüchtigte polnische General Kosziusko in seiner Lebensgröße und Tracht vorgezeigt wird (18.Stück, 2.3.1795, S.152); Pecci ist jedenfalls zufrieden, wie er in seiner letzten Annonce zu erkennen gibt:
Er schmeichelt sich eines zahlreichen Zuspruchs. (20.Stück, 10.3.1795, S.172)
Übrigens: Das Schönfeldsche Haus existiert noch heute (Karlova 12/Stare Město 184); über dem Eingang findet sich die Werbung für ein Marionettentheater und -museum, die dort untergebracht waren (Korrektur 3.7.2009: Das Marionettentheater ist immer noch dort untergebracht):

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Communication - Di, 30. Jun. 2009, 20:01
Wie bekommt man anno 1774 die Daten für ein - im übrigen sehr beeindruckendes und mit Registern für Straßennamen, Hausschildern und Namen der HausinhaberInnen versehenes - Adressbuch zusammen? Der Buchdrucker und Verleger Johann Ferdinand v. Schönfeld berichtet:
Ich hatte zu rechter Zeit durch eine nicht nur an allen Ecken der Strassen und andern öffentlichen Orten angeheftete, sondern auch fast in allen Häusern, besonders in allen Handlungs- und Handerwerks-Gewölben und Boutiquen, tc. ausgetheilte Nachricht das Vorhaben und den Hauptplan des gegenwärtigen Werkchens auf eine solche einleuchtende Weise bekannt gemacht, daß jederman von meinem Vorhaben und Verlangen deutlich und hinlänglich unterrichtet worden ist. Ich machte dahero auch die sicherste Rechnung, daß niemand mit den verlangten, und in dem gedruckten Avertissement umständlich und in einigen Beyspielen oder Mustern deutlich beschriebenen Anzeigen, seines Gewerbes, seiner Waaren, Nahrung, tc. seines Vor- und Zunamens, seiner Wohnung tc. ausbleiben würde; daß es gleichwohl wider mein Vermuthen geschehen ist, davon lag die Schuld zum wenigsten nicht an mir.
Beschreibung der königlichen Hauptstadt Prag welche hauptsächlich ein ausführliches Verzeichniß aller Plätze, Straßen und Häuser, samt Anzeige ihrer Inhaber, Schilde und Numern (...) enthält. Prag: Schönfeld, 1774, Vorrede, unpaginiert.
NKP, Signatur: 65 E 2628
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Communication - Mo, 29. Jun. 2009, 19:17
Apropos Hausnummern in Prag: Auch die Nummer 1 auf der Burg hat sich seit meinem
letzten Besuch verändert:
Wo im November 2007 die Nummer nur schemenhaft zu erkennen war:
sieht es nunmehr so aus:

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Fotos - So, 28. Jun. 2009, 22:04