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Ebenfalls durchaus hörenswert, die in der Diagonal-Ausgabe...
adresscomptoir - 2022/10/25 22:33
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Socialpolitik

Samstag, 7. Januar 2006

Ein Zivilisierungsprojekt, 1771

In der Steiermark sind den Militärs die Rau[c]h-Hütten ein Dorn im Auge, viele wohnen darin, Mensch, und Vieh, Kranke, und Gesunde beysammen. Dazu kommt noch, dass die Häuser (...) zerstreuet, und auf dem höchsten Gebürge einzeln angebauet sind, womit die Bewohnerinnen und Bewohner von jeglicher Zivilisation abgeschnitten leben. Dergleichen Menschen kann also weder Unterricht, noch religion beygebracht werden. Die Folge der damit gegebenen üblen Kinderzucht ist Dumheit: Unter dem Volk gibt es sehr viele Blödsinnige. Dieser Umstand führt dazu, dass von Seiten des Militärs eine Politische Überlegung angestellt wird; die Gedanken kreisen um die Frage, wie diese zerstreute Gebürgs-Leute in Dörfer zu samlen, und von dem Gebürge herunter zu bringen wären. Das Ansinnen ist demnach eine weitreichende Umsiedlung der Bevölkerung: Nicht länger sollen die Menschen auf den Höhen der Berge, fern der Schulen und Kirchen wohnen; gemäß der Vorstellung des Hofkriegsrats sollen sie von dort ab- und in den Tälern angesiedelt werden, ein Zivilisierungsprojekt, das gegen die Dumheit des Volks gerichtet ist und die Qualität der Kinderzucht heben soll. Etwaigen Einwänden versucht der Hofkriegsrat, sogleich entgegenzutreten; die Sache sei an sich nicht nur nicht unmöglich, sondern ganz wohl thunlich. Wer argumentiere, dass die Bauern auf den Bergen doch näher an ihren Feldern lebten, dem sei zu entgegnen, dass diese Felder sich doch bis ins Tal erstreckten; würde die Wohnung sich ebenfalls im Tal befinden, müsste der Berg nur bei der Bearbeitung des Felds bestiegen werden. Weiters sei das im Tal fließende Wasser weit bequemer an der Hand und müsse nicht ständig den Berg hinauf getragen werden. Eine ganze Reihe von weiteren Vorteilen wird genannt, darunter das bereits angeführte Zivilisierungsargument: Wenn die Bauern ihre Wohnungen am Fuß der Berge aufschlüge[n], so würden bald Dörfer entstehen, wo Seelsorger, und Schulmeister angestellet, und durch diese dem Volke von der Religion, dem Lesen und Schreiben, und den Pflichten gesitteter Menschen Begrieffe beygebracht werden könnten. Immerhin würden manche Bauern den ganzen Winter und zuweilen auch ganze Jahre hindurch nicht in die Kirche kommen, weil diese zu weit entlegen ist; Beweis für die mangelnde Kirchenzucht sei, dass an manchen Orten Ehepaare eheliche und uneheliche Kinder ohne Scheu gemeinschaftlich erziehen würden. Die Kontrolle durch die Obrigkeiten und Beamten würde viel besser funktionieren, wenn die Menschen im Tal lebten; die genannten Instanzen wären in der Lage, über die Aufführung ihrer Unterthanen ein obachtsames Aug zu halten, wovon sie dermal die wenigsten kennen, und viele Zeit ihres Lebens nicht zu Gesicht bekommen. Die Umsiedlung würde sich auch positiv auf den Zustand der Straßen auswirken: Während ein einzelner Bauer nicht in der Lage wäre, sich einen Weg zu bauen, könnten zusammengesetzte Dörfer die Wege fahrbar machen und unterhalten. Und nicht zuletzt könnten dem Volk die Rauh-Hütten abgewöhnt werden, in denen viel mehr Holz als in Bauernhäusern verbrannt wird, womit die Hütte der Gefahr ausgesetzt sei, stündlich in Rauch aufzugehen, da das durch den Rauch ausgedörrte Holz leicht Feuer fange. Der finanzielle Aufwand für die Errichtung der Häuser in den Tälern wäre bewältigbar, da es an Steinen und Holz zum Häuserbau nicht mangle; sollten die Bauern die Umsiedlung nicht aus eigenen Mittel bestreiten können, so könnten die Kosten eventuell den Grundobrigkeiten auferlegt werden, da es dabei um Angelegenheiten der Religion und der Policey ginge.

Österreichisches Staatsarchiv/Kriegsarchiv, Wien, Bestand Hofkriegsrat, 1772/74/797: Vortrag des Hofkriegsrats, 19.1.1771, f. 4r-6r.

Mittwoch, 4. Januar 2006

Vom Transfer des Volks, 1770

Trostlos ist das Karstgebirge zu Görz: Die Häuser dort sind ler und unbewohnt, deswegen wohl, weil es an Wasser gebricht. Stundenlang muss der Landmann es herantragen, und auch die Schaffung von Zisternen ist kein ausreichendes Mittel, die Not zu lindern: Die übergroße Hize verbrennt die in dem steinigten Boden angebaute Feldarbeit vor der Zeit, und was die Hitze übrig lässt, richten Unwetter zu Grunde. Kein Wunder, dass alles mit weib und kindern im land bettlen zu gehen pfleget. Ob dieses Zustands unterbreitet der Hofkriegsrat einen Vorschlag: Verdiente es nicht eine Überlegung, dieses so elende Bauern Volkh von den Höhen des Karsts auf die aus Mangel an Bevölkerung unbearbeitet bleibenden Gründe in den Ebenen von Gradiska und Aquileja umzusiedeln? Besonders wenn die dort vorhandenen Moräste trockengelegt würden, könnten die jetzigen GebirgsbewohnerInnen nüzlich angewendet werden und das Land wäre von der überlast der Bettlern befreyt.
Die Görzer Landeshauptmannschaft wird ob dieses weit reichenden Vorschlags um eine Stellungnahme gebeten; sie verantwortet sich folgendermaßen: Gewiss, der Karst wäre ein steiniges Land mit wenig Äckern, doch gäbe es dort gute Wiesen und wohl bevölkerte Dörfer. Das Korn wachse durchaus, und die BewohnerInnen ernähreten sich nicht schlecht durch Viehzucht und Seidenwürmer. Außerhalb der großen Trockenperiode sei auch genügend Wasser vorhanden und was die vielen, vom Hofkriegsrat genannten leeren Häuser anbelange, so müssten dies die kleinen Hütten sein, in die sich die Viehhalter mit ihrem Vieh bei starker Hitze oder Regen flüchten. Um das Betteln zu steüren, reiche eine gute Polizey:Ordnung. Die Folgen einer etwaigen Umsiedlung werden mit drastischen Worten beschrieben: Die BergbewohnerInnen vom Karst in die gradiscanische, und acquiläische sünftigte Gegenden zu überführen, sie aus einem reinen, in eine rauche, ungesunde Luft zu übersetzen, wäre so viel, als selbe zu ihren Gräbern führen. Geradezu todbringend ist also das Umsiedlungsprojekt des Hofkriegsrats aus Sicht der Görzer Behörden, und die Hofkanzlei schließt sich ihnen an: [W]eder räthlich, noch thunlich sei die vom Militär geplante Transferirung des Volks; sehr wohl aber sei das Augenmerk dahin zu richten, Verdienst und Nahrung der dortigen BewohnerInnen zu verbessern.

Österreichisches Staatsarchiv/Kriegsarchiv, Wien, Bestand Hofkriegsrat, 1770/98/683: Vortrag des Hofkriegsrats, 24.12.1770.
Österreichisches Staatsarchiv/Allgemeines Verwaltungsarchiv, Bestand Hofkanzlei, IV A 8 Innerösterreich, Kt. 499, 33 ex Mai 1771: Vortrag der Hofkanzlei, 11.5.1771, f. 160v-161r, 165r.

Dienstag, 11. Oktober 2005

Die Tabellenklage, 1774

Vollständig wiedergegeben sei hier die Tabellenklage des Hofrats Johann Sebastian Christoph von Müller, der seinen Schmerzensruf in eine Abhandlung zur Geschichte der Tiroler Landmiliz einflicht:
Es wäre ein leichtes für einen Beamten auf dem Lande die (...) Tabellen und Bücher nach aller Pünctlichkeit des militarischen Entwurfes für die Conscriptions-Officiers zu verfaßen, wenn er nur die nemliche Arbeit zum andern mahle nicht auch für seine politischen Obern zu machen, und noch so viele andere Tabellen und Bücher nebenbey zu verfertigen hätte.
Ein LandBeamter machet den GrundStein der ganzen politischen Einrichtung; die meisten StaatsArbeiten fangen von ihme an, und alle fallen auf ihne wieder zurück.
Er hat gemeiniglich das Politicum, Justitiale, Camerale, und Commerciale zu besorgen, und die für diese, und mehr andere abgesönderte Agenda besonders aufgestellte Departements haben schon vielerley Tabellen, Extracten, Protocollen, und Bücher eingeführet, daß deme, der sie zu verfertigen hat, nur hiemit keine geringe Beschäftigung verursachet wird.
Für die politischen Stellen müßte von einem Land-Beamten jährl[ich]: nicht nur allein die Menschen, sondern auch die ViehstandsTabellen, die Emigrations- und Immigrations-Tabellen, die milde Stiftungs-Tabellen, wochentlich die GetraidPreiß-Tabellen aller Victualien, die Verzeichniß der durch pashirende Bettler, und Vaganten, der ausständigen Berichte, zuweil auch in einem Jahre Tabellen der Getraid und anderen Fechsungen, der gesunden und krancken Menschen, so auch von dem Viehe eingeschicket werden.
Die Justiz-Stellen wollen ihre besonderen Tabellen haben, über die erledigte, und unerledigte Proceße, über die ausständige Berichte und pupillar-Tabellen.
Die Cameralisten verlangen monatliche, oder QuartalsExtracten von Einnahmen, und Ausgaben, Systemal-Entwürfe von Einnahme, und Ausgaben des zukünftigen Jahrs für die Dominien, oder für die Kammer unmittelbahr.
Die CommercienCommissionen fordern Spinn- und Manufactur-Tabellen.
[Eingefügt: Die Agricultur-Societäten, Beurbarungs-Tabellen.]
Diese sind es aber noch nicht alle; Es giebt noch allerhand Steuer-Fashsions-Tabellen.
Einige darunter fallen unrichtige, wenn es nur nicht die meisten wären, andere undeutl[ich]: aus; sie werden zuruckgeschickt, und müßen verbesseret werden, sie veranlassen Anfragen, diese müßen erläutert werden; die Vorschriften der Tabellen selbst erweken Zweifel, und Anstände, darüber müßen Erklärungen erbetten werden; gleichwohl tragen alle diese Tabellen, obschon ich keiner iren besonderen Nuzen absprechen will, zur Weesenheit der Staats Wohlfahrt nichts bey; denn von darum, wie es von sich selbst in die Augen fällt, nimmt weder die Populations, weder das zeitl[ich]:e Glück der Unterthann im mindesten zu.
Es hat aber ein Landbeamter ausser dem Tabellenmacher noch gar viel zu thun, welches in die StaatsWohlfahrt schon einen geraderen Einfluß hat. (...)
[U]nd weil gar vielen Beamten ihr Dienst nicht so viel einträgt daß sie ehrbar davon leben könen, so müßen sie heimlich oder öffentlich auf Nebenverdienste sich legen, und die Zeit dazu denen eigenen Amtsgeschäften abstehlen.
Betrachtet man nur eines gegen das andere, so sind die fleißigsten und geschicktesten Beamten, deren Anzahl wieder die geringste ist, mit Arbeiten so sehr beladen, und in der Zeit so beklemmet, daß sie anvermögend sind, die Geschäfte, welche sie zu verrichten haben, recht zu überdenken, woran gleichwohl, meinem Erachten nach, für den Wohlstand der Unterthanen, und für die wahre Glückseligkeit des Staates das meiste, wo nicht alles gelegen ist, und wozu ich dem Landbeamten durch Abschaffung jeder entbehrlichen, und just nicht nothwendigen mechanischen Arbeit die erforderliche Zeit verschaffen möchte.

- Eine mächtige, laute Klage über die Mühsal der Beamten. Sie müssen die Welt in die Tabelle bringen. Egal ob Vieh oder Mensch, Kranke oder Gesunde, MigrantInnen oder BettlerInnen, Ausgaben oder Einnahmen, Stiftungen oder Kornpreise, alles ist wohlgeordnet auf der Fläche des Papiers an der richtigen Stelle, in seiner vorgeschriebenen Zeile und Spalte zu verzeichnen. Die Bürokratie schreckt dabei nicht davor zurück, ihre Aufzeichnungstechniken auf sich selbst anzuwenden, auch ausständige Berichte sind mittels Tabelle zu registrieren. Die Wohlfahrt des Staats wird dadurch nicht befördert, weder vermehrt sich durch die Tabellen die Bevölkerung noch bereichern sie das Glück der Untertanen. Im Gegenteil: Die Last der unzähligen Tabellen wiegt schwer auf den Rücken der Beamten, ihre Verfertigung nimmt soviel Zeit in Anspruch, dass Wohlstand der Untertanen und Glückseligkeit des Staates gefährdet sind.

Österreichisches Staatsarchiv/Kriegsarchiv, Wien, Bestand Hofkriegsrat 1774/98/83: Votum des Hofrats von Müller, 21.1.1774, f. 22v-26v.

Mittwoch, 21. September 2005

Politische Anmerkungen des Hofkriegsrates, 1770-1771

Hochedlinger/Tantner Hg: Politische Anmerkungen Lange, sehr lange hat es gedauert von der Abgabe des Manuskripts bis zum Erscheinen, nun ist sie aber endlich lieferbar: Eine von Michael Hochedlinger und mir herausgegebene Edition der Politischen Anmerkungen des Hofkriegsrates zur sozialen Lage in den Ländern der Habsburgermonarchie 1770-1771. Faszinierende Texte sind es, von den Militärs verfasst, während sie durch die Dörfer und Städte der Monarchie zogen, um eine Seelenkonskription, also eine Volkszählung zur Vorbereitung eines neuen Rekrutierungssystems durchzuführen. Diese Dokumente können als ein wichtiger Ausgangspunkt der josephinischen Reformen betrachtet werden und zeugen von einer (schwarzen) Utopie, die ich militärischen Wohlfahrtsstaat nenne (vgl. dazu meinen Beitrag in dem Kritische Geschichte-Sammelband).

Hochedlinger, Michael/Tantner, Anton (Hrsg.): "... der größte Teil der Untertanen lebt elend und mühselig". Die Berichte des Hofkriegsrates zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Habsburgermonarchie 1770-1771. (=Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs; Sonderband Nr.8). Innsbruck/Wien/Bozen: Studienverlag, 2005. LXXVI+184 S.
ISBN 3-7065-4154-8 (Inhaltsverzeichnis, Verlags-Info, KVK, ÖVK, Amazon, VLB)

Montag, 22. August 2005

Die Sorge um das Volck, 1772/73

Dass die Sorge um das Wohlergehen des Volcks bis in die Details des Alltagslebens gehen kann, zeigt folgende Stellungnahme des Wiener Magistrats: Darin wird vorgeschlagen, daß zur Abwendung der sich ergebenen unglücklichen Stürzungen, und Fällen in die Keller, und andere Tiefen, die dahin gehende Treppen mit Holz beleget, und zur Nachts-Zeit beleuchtet werden könnten; nicht länger sollen die Untertanen düstere Treppen hinunterfallen. Auch auf schlüpfrigen Lacken soll niemand mehr ausgleiten, denn es wäre zu wünschen, daß die Dienstmägde bey dem Wassertragen mit gedeckten Schäfern versehen würden, um auf den Stiegen das Ausschütten, und sohin die Schlüpfrigkeit, und das Eis zu vermeiden. Und unter Androhung drakonischer Strafen sind offene Gruben abzusichern: [B]ey Arrest- und allenfälliger Ausstellung auf der Bühne [käme] zu verbieten (...), die Keller- Dung und Kalckgruben und andere derley Oefnungen unbedeckt, und offen zu lassen. - Das Volck stürzt, rutscht, stolpert und fällt in offene Löcher; staatliche Maßnahmen sind zu ergreifen, es zu einem sicheren Gang anzuhalten.

Österreichisches Staatsarchiv/Allgemeines Verwaltungsarchiv, Wien, Bestand Hofkanzlei, IV M 1 Niederösterreich, Kt. 1326, 344 ex Jänner 1773: Vortrag der Hofkanzlei, 9.1.1773.