Das paßt recht gut zum Identifizierungs-Workshop vor zwei Wochen: Eine
Meldung der Dortmunder Polizei über die Feststellung der Personalien eines ohne Ausweise aufgegriffenen Autofahrers:
(...) Mündlich gab er der Polizeistreife einen Namen und eine Anschrift an. Bei der Befragung seines Beifahrers ergaben sich plötzlich gewisse „Widersprüchlichkeiten“ in der Aussage des 24-Jährigen.
Gemeinsam mit dem Dortmunder fuhr man zur weiteren Überprüfung zu dessen genannter Anschrift. Dort angekommen fiel dem Mann auf, dass er sich in der Hausnummer „seiner“ Anschrift geirrt hatte und führte die verdutzten Beamten zu einer völlig anderen Hausnummer. Und tatsächlich fand sich hier auch der angegebene Name auf dem Klingelschild. Gemeinsam begab man sich ins Treppenhaus, um sich die Ausweispapiere des Dortmunders aushändigen zu lassen.
An einer Wohnungstür im 2. Stockwerk angekommen, fiel dem „vergesslichen“ Verkehrsteilnehmer dann auf, dass seine Wohnungsschlüssel in seinem Auto auf dem Parkplatz liegen. In diesem Moment nahte in Person des Hausmeisters eine „Gedächtnisstütze“ für den vergesslichen Autofahrer. Die Frage ob der Mann, der da mit den beiden Polizisten im Hausflur stand, Bewohner des Hauses sei, musste der Hausmeister verneinen.
Als die Streife den 24-Jährigen bat, ihn auf die Wache zur weiteren Identitätsfeststellung zu begleiten, „konnte“ der 24-Jährige sich plötzlich doch an seine richtigen Personalien erinnern und präsentierte sogar einen Ausweis. Kleinlaut gab er zu, dieses Verwirrspiel nur aufgrund einer fehlenden Fahrerlaubnis betrieben zu haben. Diese wurde ihm, laut eigener Aussage, vor geraumer Zeit auf Grund von Drogen im Straßenverkehr entzogen.
Den Dortmunder erwartet nun eine Verkehrsvergehensanzeige wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Es bleibt die Hoffnung, dass er diesen Tag und auch seinen Namen so schnell nicht mehr vergisst.
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Kontrolle - Fr, 22. Aug. 2008, 09:15
Freitag bis Sonntag Nachmittag findet in Wien ein interner Workshop zum Thema
Verdaten. Klassifizieren. Archivieren. Identifizierung von Personen aus kulturwissenschaftlicher Perspektive statt; so geschlossen ist die Veranstaltung allerdings wieder auch nicht, dass sie keine
Homepage hätte. Ich selbst werde dort Kommentare zu zwei Vorträgen abliefern.
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Kontrolle - Do, 7. Aug. 2008, 09:10
Ist nun erschienen: Vincent Denis' Buch zur Geschichte der Identität; die Verlagsankündigung lautet wie folgt:
Comment établir l’identité d’une personne à une époque où n’existe ni photographie, ni empreinte digitale, ni même état civil fiable? Entre la Régence et la Restauration, la France a été le siège d’une révolution silencieuse d’une ampleur jusqu’à présent insoupçonnée: la naissance de l’identité individuelle, une «identité de papier» fondée sur le registre, le certificat, le passeport: les soldats, les mendiants, les vagabonds, les criminels furent les premiers à être «fichés». Avant que l’ensemble de la société ne soit, à son tour, «identifiée».
Quels sont les instruments de cette identification de la personne? Les techniques et les procédures de signalement? Les acteurs? Comment la société a-t-elle réagi à ce processus de fichage?
Ce livre retrace pour la première fois l’histoire de l’identité individuelle: en s’imposant dans la vie de tous les Français sous l’influence de l’État, par le travail et le savoir des agents de la machine administrative de l’Ancien Régime, de la Révolution et de l’Empire, et par les enquêtes de la police, les «papiers» ont fondamentalement modifié l’histoire de l’individu.
La genèse des techniques et des pratiques de l’identification jette un éclairage nouveau sur l’histoire de notre modernité «démocratique», qui s’enracine dans des pratiques inventées par l’Ancien Régime, au temps des rois absolus.
Denis, Vincent: Une histoire de l'identité. France, 1715-1815. Seyssel: Champ Vallon, 2008. [
Verlagsinfo,
Amazon.fr]
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Kontrolle - Di, 18. Mrz. 2008, 09:01
Die
ORF Futurezone bringt ein Interview mit Andrej Holm und Anne Roth zu deren Erfahrung mit Terrorismusverdacht und permanenter Überwachung.
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Kontrolle - Fr, 15. Feb. 2008, 17:33
... Düsseldorf, zur Tagung des
Interdisziplinären Forum »Jüdische Geschichte und Kultur in der Frühen Neuzeit und im Übergang zur Moderne«. Thema ist
Jüdische Migration und Mobilität in der Frühen Neuzeit, ich werde dort über
Erfassung und Vertreibung. Das Beispiel der habsburgischen »Judenkonskriptionen«, 17.-19. Jahrhundert referieren.
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Kontrolle - Fr, 11. Jan. 2008, 11:00
Wer sich über den Zustand von Demokratie und Rechtsstaat in Deutschland informieren möchte, dem und der sei die Lektüre von
annalist empfohlen, dem Weblog der Lebensgefährtin des Stadtsoziologen Andrej H. Dieser kam vor kurzem ins Visier deutscher Ermittlungsbehörden und wurde nicht zuletzt deswegen verdächtig, weil er in seinen Arbeiten Begriffe wie Gentrifizierung verwendet und fähig ist, Bibliotheken zu benützen (vgl.
hier). Das Weblog dokumentiert einen Alltag permanenter Überwachung und Schikanen.
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Kontrolle - Sa, 20. Okt. 2007, 12:23
Arndt Brendecke rezensiert für
H-SOZ-U-KULT Bernhard Siegerts sehr erfreuliches Buch
Passagiere und Papiere (vgl.
hier). Brendecke ist ausgewiesener Spezialist für die spanische Informationspolitik in der Frühen Neuzeit, und so verwundert es vielleicht nicht, dass er trotz allen Lobs auch einige Mängel an dem besprochenen Buch zu monieren hat. Brendeckes Fazit:
Das Leseerlebnis ist zutiefst ambivalent. Siegert operiert mit einem sicheren Gespür für interessante historische Phänomene und verknüpft sie zu einer Erzählung über bürokratische Obsessionen der Moderne. Er arbeitet an dem Versuch einer transdisziplinären Synthese auf hohem Niveau, leistet aber den Rückbezug zum historischen Gegenstand und dem Forschungsstand der sachlich betroffenen Fachdisziplinen nicht mit ausreichender Verlässlichkeit.
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Kontrolle - Do, 11. Okt. 2007, 10:30
Hanna Sonkajärvi hat für
H-SOZ-U-KULT einen Bericht über die letzten Juni in Stuttgart stattgefundene 10. Diskussionsrunde des Arbeitskreises
Policey/ Polizei im vormodernen Europa verfasst, die sich mit
Mobilität, Migration und Policey. Policeyliche Ordnungs- und Politikvorstellungen, Verordnungen und Maßnahmen im Umgang mit ‚Fremden’ beschäftigte und bei der auch ich ein Paper präsentierte.
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Kontrolle - Mi, 3. Okt. 2007, 09:31
Mein Beitrag zum letzten Treffen des Arbeitskreises Policey/Polizei im
vormodernen Europa (
Programm) ist nun als PoliceyWorkingPaper online:
Anton Tantner, Policeyliche Hausbeschreibungen als Maßnahmen gegen fremde Bettler/innen in der Habsburgermonarchie (= PoliceyWorkingPapers. Working Papers des Arbeitskreises Policey/Polizei in der Vormoderne 13), 2007.
[Online: <
http://www.univie.ac.at/policey-ak/pwp/pwp_13.pdf>]
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Kontrolle - Fr, 27. Jul. 2007, 09:23
H-SOZ-U-KULT schickte zuletzt die Sieger des Wettbewerbs Das Historische Buch 2007 aus; besonders dabei interessiert mich die Nummer 1 in der Kategorie Europäische Geschichte: Laut ausgeschickter E-Mail erzählt David Blackbourn in "The Conquest of Nature" die Geschichte, wie die Deutschen während der vergangenen 250 Jahre ihre Landschaft(en) durch Gewinnung von Marschland, Entwässerung von Mooren, Flussbegradigungen und das Bauen von Staudämmen in den Bergen konstant veränderten. - Faszinierendes Thema, das mich sogleich daran erinnert, dass es mal interessant wäre, der Geschichte der diversen Entsumpfungen, Trockenlegungen und vor allem Flussbegradigungen in der Habsburgermonarchie nachzugehen. Vor allem die Donauregulierung bei Wien 1870-1875 war ja ein gigantisches Unterfangen, dass es verdiente, mal in einer umfassenden Monographie dargestellt zu werden. Interessante Überlegungen zum Verständnis der Moderne als einer Geschichte der Begradigung und des Breschelegens gibt es übrigens in Andreas Bernards wunderbarem Buch "Die Geschichte des Fahrstuhls" (S.54-64).
Blackbourn, David: The Conquest of Nature. Water, Landscape, and the Making of Modern Germany. London: Cape, 2006.
Bernard, Andreas: Die Geschichte des Fahrstuhls. Über einen beweglichen Ort der Moderne. Frankfurt am Main: Fischer 17348, 2006.
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Kontrolle - Fr, 20. Jul. 2007, 08:04