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Dienstag, 9. August 2011

Dissertation zur josephinischen Öffentlichkeit

Seit kurzem ist folgende Dissertation online:

Uemura, Toshiro: Die Öffentlichkeit anhand der Wiener Broschüren zur Zeit Josephs II. Die Informationsverbreitung unter dem aufgeklärten Absolutismus. Wien: Dissertation an der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, 2011.
//othes.univie.ac.at/13425/

Abstract: Im späten 18. Jahrhundert, insbesondere unter der Regierung Josephs II., entwickelte sich die „erweiterte Preßefreiheit“, die für viele Wissenschafter mit der Entstehung der „bürgerlichen Öffentlichkeit“ einherging. Diese Dissertation widmet sich dem Mechanismus der Öffentlichkeit unter Joseph II.. Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit wird anhand Darntons Kommunikationsmodell ein Überblick über das Kommunikationsnetzwerk in der Habsburgermonarchie dargestellt. Dazu analysiere ich statistisches Material, zeitgenössische Berichte und Gesetze über die Zensur-, Gewerbe- und Polizeipolitik. Diese Quellen zeigen, dass die „erweiterte Preßefreiheit“ einerseits freimütige Meinungsäußerung ermöglichte, während andererseits die Regierung die öffentliche Meinung zu disziplinieren versuchte. Im zweiten Teil wird untersucht, welche Bücher eigentlich gelesen wurden. Hierbei ist das Verzeichnis über die öffentliche Versteigerung des Warenlagers des protestantischen Groß- und Buchhändlers Georg Philipp Wucherer besonders aufschlussreich. Dieser musste sein Geschäft aufgeben, da er viel Oppositionsliteratur verlegt hatte. Aus dem Verzeichnis geht hervor, welches Buch bei der Versteigerung gut verkauft wurde: die Religionsschriften für Protestanten, einige Romane und die Gebrauchsbücher wurden hoch geschätzt. Wucherer hatte neben den schon bekannten sensationellen Broschüren viele Bücher für Protestanten in seinem Warenlager. Aus diesen Büchern und seinem Netzwerk mit der geheimen Gesellschaft, der protestantischen Gemeinde oder seinem Netzwerk im Buchhandel geht hervor, dass Wucherer eine wichtige Rolle in der Wiener Öffentlichkeit spielte. Im dritten Teil wird anhand der Rezeption zweier Kriminalfälle in Zeitungen, Zeitschriften und Broschüren gezeigt, wie sich Informationen verbreiteten. Letztere spielten bei der Informationsverbreitung eine wichtige Rolle. Die von Wucherer verlegten Broschüren verursachten eine Medienkette und zogen auch die Aufmerksamkeit der internationalen Öffentlichkeit auf sich. Außerdem zeigt dieser Prozess der Informationsverbreitung auch den aktiven Eingriff der Regierung durch Auftragsbroschüren, Zensur oder Untersuchung der Polizei über anonyme Autoren und Verleger. Im Gegenteil dazu versuchten Buchhändler, Schleichwege zu finden. Wie in der Arbeit gezeigt wird, wirkten auf den Prozess der Informationsverbreitung verschiedene Faktoren auf verschiedenen Ebenen ein: zum Beispiel die Verlagsstrategie der Buchhändler, der kaiserliche Eingriff und verschiedene Kommunikationsnetzwerke. Aus diesem Prozess geht hervor, dass die Öffentlichkeit in Wien vom internationalen Kommunikationsnetzwerk nicht losgelöst war. In der regionalen Öffentlichkeit wurde zuerst der Fall selbst thematisiert, während in der internationalen Öffentlichkeit das Thema noch mehr verallgemeinert wurde. Dieser Prozess verwandelte jedoch die Öffentlichkeit nicht, sondern die regionale Öffentlichkeit bestand parallel zur internationalen Öffentlichkeit und beide wirkten immer aufeinander.