Das Brünner Fragamt im Frühjahr 1760: Eine Identitätskrise? oder: Synonyme über Synonyme
Im März 1760 wird in einer Verkaufsanzeige erwähnt, dass die angebotene Ware – Bücher des Wiener Verlegers Trattner – im K.K. privilegirten Frag-Amt erworben werden können (3.4.1760, Nr.14); zwei Wochen später firmiert die Verkaufsstelle als Zeitungs-Comtoir (17.4.1760, Nr.16), wieder zwei Wochen später als K.K. privilegirte[s] Kundschafts-Amt (1.5.1760, Nr.18) und Ende Juni wird der Begriff Intelligenz-Amt (26.6.1760, Nr. 26) verwendet. Damit gibt es vier Bezeichnungen für dieselbe Institution: Fragamt, Zeitungscomptoir, Kundschaftsamt und Intelligenzamt. Fünf sind es, wenn in Rechnung gestellt wird, dass manchmal die Lehenbank – zu dieser gehört das Brünner Fragamt – als Ort bezeichnet wird, wo die angebotenen Waren – z.B. spanischer Tabak, Mailänder Reis, Schweizer Käse und auserlesene gute Bücher (27.3.1760, Nr.13) – erstanden werden können.
Wochentlicher Intelligenz-Zettel aus dem Frag-Amt der Kayserlich-Königlichen privilegirten Lehen-Bank zu unser lieben Frauen in Brünn, 1760.
Moravská Zemská Knihovna, Signatur: Nov. 9.058/1760

