Das Innsbrucker Fragamt des Michael Hermann Ambros, 1798-1809
Das Fragamt selbst beschränkte sich aber keineswegs darauf, eine Zeitungsredaktion zu sein; es diente auch als Verkaufsstelle für Waren aller Art, so zum Beispiel für [n]eumodische Geldbeutel von Leder und Pergament, für eine gar schöne messingne Kaffee-Maschine auf 8 Schalen, worin der Kaffee eine Stunde warm erhalten werden kann (sie war um 8 Gulden zu haben) oder für [z]wey hohe runde ökonomische Leuchter von geschlagenem Messing, worin die Kerze um ein Dritttheil länger brennt, und die auch ohne Gefahr als Studierleuchter neben dem Bette gebraucht werden könne, das Stück für 2 fl. 30 kr. Auch eine schöne Tabackpfeife von gemallenem Wiener Porzellän wurde um 3 Gulden 30 Kreuzer angebiten, wie auch eine etwas kleinere um 2 Gulden 30 Kreuzer. Diese taugen besonders auch für Frauenzimmer, welche wegen Zahnschmerzen rauchen. Überhaupt stand jedermann [g]egen eine mäßige Provision (...) frey, erlaubte Sachen aller Art zum Verschleiße an das Fragamt in Kommission zu geben. Auch andere Zeitungen und Kundschaftsblätter, wie das Augsburger Intelligenzblatt, die Brünner oder die Prager Zeitung konnten posttäglich im Fragamt abgeholt werden.
1806, nach Einzug der Bayern, nannte sich dieses Adressbüro nunmehr Königlich baierisches Fragamt, Ende 1808 wurde es in Zeitungskomptoir umbenannt; ab 1809 hieß es königl. baierische Zeitungs-Expedition.
Caspart, Heinrich K.: Michael Hermann Ambros. Ein österreichischer Journalist zwischen Aufklärung und Reaktion. Ein Beitrag zur österreichischen Mediengeschichte. 2 Bände. (=Dissertationen der Universität Wie; 221). Wien: VWGÖ, 1991, Bd.2, S. 392-455. - Dank an Mirko Herzog für den Hinweis.

